NEIN zur zügellosen Ausbreitung des Borkenkäfers

Fichtengeprägte Wälder als Totalschutzgebiete auszuweisen ist unverantwortlich. Entwicklungen in anderen deutschen National­parks zeigen weite Flächen abgestorbener Wälder. Dieses Schicksal droht auch dem Nordschwarzwald.

Vertiefung


Abbildung Frassbild Borkenkäfer

Kahle Waldgebiete, wie sie in deutschen Nadelwald-Nationalparks zu sehen sind, können durch Massenvermehrungen von Borkenkäfern entstehen.

Voraussetzungen hierfür sind:

  1. stark fichtendominierte Waldbestände (wie im „Suchraum“ Nationalpark Nordschwarzwald)
  2. das Vorkommen des  Borkenkäfers – hier: Buchdrucker, Ips typographus – (wie im „Suchraum“ Nationalpark Nordschwarzwald)
  3. keine Bekämpfung (wie in den Kernzonen,  den sog. Prozessschutzzonen eines Nationalparks)

 

Tatsachen:

  • Die Fichte ist die häufigste Baumart im Nordschwarzwald, seit sie im 19. Jahrhundert großflächig eingebracht wurde.
    Mehr dazu:  Waldgeschichtlicher Exkurs Nordschwarzwald
  • In Fichtenwäldern gibt es stets auch Borkenkäfer (hier im Speziellen der Buchdrucker).
    Ver
    bleiben kürzlich abgestorbene Fichten im Wald, ohne dass sie entrindet werden, kann sich der Bestand an Borkenkäfern sprunghaft erhöhen.
    Bei
    größeren Mengen geschwächter oder im Absterben befindlicher Fichten ab einem Alter von ca. 50 bis 70 Jahren kommt es insbesondere bei warmer und trockener Witterung zwangsläufig zu einer Massenvermehrung der Käfer. Dabei können auch völlig gesunde Fichten befallen und zum Absterben gebracht werden. Werden keine Gegenmaßnahmen ergriffen, können Waldbestände durch die rasante Vermehrung großflächig absterben.
    Mehr dazu Ips typographus, Borkenkäfer an Fichte, Massenvermehrung
  • In plötzlich durch Käferbefall abgestorbenen Fichtenbeständen führt die sehr schnelle Auflichtung in unseren Breiten häufig zur flächigen Besiedlung mit Grasfilz, Adlerfarn, Brombeere oder Himbeere. Eine  Keimung von Baumsamen wird so verhindert oder zumindest sehr erschwert. Andererseits kann es zu einer massenhaften Ansamung von Fichten-Naturverjüngung, dem so genannten „Bürstenwuchs“, kommen. Auch dies schließt die Etablierung anderer Baumarten (Birken, Tannen, Buchen, Kiefern…) für viele Jahrzehnte wenn nicht noch länger aus, da der Folge-Waldbestand auch wieder von der konkurrenzstarken Fichte geprägt sein wird.
    Mehr dazu: Wiederbewaldung
  • In einem Wald, der sich aus vielen verschiedenen Baumarten zusammensetzt, kommen mehr unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten vor, als in Wäldern mit nur einer oder wenigen Baumarten. Höher noch als im gleichaltrigen Mischbestand ist die Artenvielfalt, wenn Bäume unterschiedlich alt sind und auch Totholz (abgestorbene und absterbende Bäume) in verschiedenen Zersetzungsstadien vorhanden ist. In fichtendominierten Waldflächen des Nationalpark-Suchraumes könnte der Borkenkäfer bei Stilllegung in kurzer Zeit tausende Kubikmeter Fichten-Totholz schaffen. Doch nicht jede Steigerung an Totholz erhöht auch automatisch die Artenvielfalt. Mehr dazu: Totholz und Artenvielfalt

    Abbildung von Totholz am Wildsee

    Totholz Bannwald Wildseemoor

  • Von Grün zu Grau; Borkenkäfer im Erholungswald:
    Der ganz überwiegende Teil der Erholungssuchenden im Wald möchte aber abwechslungsreiche, intakte Wälder sehen.
    Mehr dazu: Grüner Wald und Erholung
  • Ein abgestorbener Wald ist kein guter Wasserspeicher:
    Waldböden filtern das Regenwasser und geben es nach und nach ins Grund- oder Oberflächenwasser ab.
    Mehr dazu: Hochwasser und Stilllegungsflächen
  • Schadstoffe, Wald und Borkenkäfer:
    Tote Bäume können keine Schadstoffe oder Staub aus der Luft filtern und auch keinen Sauerstoff mehr produzieren.
    Mehr dazu: Schadstoffe und Wald