Wiederbewaldung

Wie sich die Wiederbewaldung entwickelt, wenn Fichtenbestände durch Sturm- oder Borkenkäferbefall plötzlich auf größeren Flächen ausfallen, wurde im Nordschwarzwald insbesondere nach dem Stürmen von 1990 und 1999 recht gut untersucht. Entscheidend sind die ersten 5 Jahre, denn danach ist die Wahrscheinlichkeit neuer Ansamungen gering.

War im Vorbestand schon Verjüngung vorhanden, kann mit ausreichender Verjüngung der Fläche gerechnet werden. Allerdings besteht häufig die Gefahr der sogenannten „Verfichtung“, d. h. dass massenweise Fichten-Naturverjüngung aufläuft, die anderen Baumarten kaum eine Chance lässt. Im  Vergleich zu anderen Baumarten ist für die Fichte im Nordschwarzwald eine höhere Konkurrenzkraft durch die hohen Anteile im Altbestand, der Nährstoffverarmung und der Bodenversauerung offensichtlich. Im Wirtschaftswald werden deshalb in solchen Fichten-„Bürstenwuchs“-Flächen noch vorhandene Tannen- und Laubholzpflänzchen rigoros von konkurrierenden Fichten befreit. Unterlässt man diese Maßnahme, die gegebenenfalls sogar mehrmals notwendig ist, haben Buchen und Tannen keine Aussicht, sich gegen die übermäßige Konkurrenz der schnellwüchsigeren Fichten durchzusetzen – die Entwicklung eines artenreichen Waldes ist so nicht möglich.

Erschwerend kommt hinzu, dass gerade junge Tannen und Laubhölzer vom Reh- und Rotwild bevorzugt verbissen werden. Das heißt, die Tiere fressen die Spitzen des Haupttriebes ab, was das Wachstum gerade bei mehrmaligem Verbiss nachhaltig hemmt. Durch die Einzäunung wildfreier Flächen (sog. Kontrollzäune) konnte auch nachgewiesen werden, dass bei hoher Wildpopulation die Tannen- und Laubholzverjüngung sogar mit Stumpf und Stiel abgefressen wird, während die offenbar nicht so gut schmeckenden Fichten übrig blieben. Im bewirtschafteten Wald wird deshalb auf die konsequente Bejagung von Reh- und Rotwild geachtet. Ist die Gefahr des Verbisses trotzdem zu groß, können die Spitzen der gefährdeten Bäumchen auch noch mit einem für Tiere bitter schmeckenden Mittel bespritzt werden, um den Verbiss zu reduzieren. Können sich Reh- und Rotwild jedoch ungezügelt vermehren, nehmen die Anteile von Tanne und Laubholz unweigerlich ab.

Ist zum Zeitpunkt der Vernichtung des Bestandes durch Sturm oder Borkenkäfer noch keine Verjüngung vorhanden, wächst auf den sauren Böden der Hochlagen ohne menschliche Eingriffe in absehbaren Zeiträumen häufig leider kein Wald mehr nach. Gras, Adlerfarn, Himbeere und Brombeere bedecken schon nach drei Jahren 80 bis 100 % der Fläche und verhindern die Ansamung von Bäumchen nachhaltig – falls in der Nähe überhaupt noch Bäume stehen, die in die betreffende Fläche Samen werfen könnten. Bei Fichten ist höchstens bis etwa 100 m mit nennenswerter Ansamung zu rechnen, bei Tanne ist sogar schon in einer Entfernung von 50 m zum nächsten Altbaum kaum mehr Verjüngung zu finden. Die schweren Bucheckern fallen nur im Bereich der Krone zu Boden, können allerdings durch Tiere weiter verbreitet werden.

Bei Buche und Tanne kommt aber noch hinzu, dass sie im Jugendalter spätfrostgefährdet sind, was auf Freifflächen immer wieder zu hohen Ausfällen in der Verjüngung führt. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Laubholzverjüngungen geht auch von Mäusen aus, die sich gerade in vergrasten Flächen explosionsartig vermehren können.

Also anzunehmen, dass sich nach dem Ausfall von Fichtenbeständen von alleine ein artenreicher Wald entwickeln werde, ist doch recht blauäugig. Die forstliche Forschung und Erfahrung zeigt, dass dies zwar möglich ist – im Nordschwarzwald ist das Risiko aber hoch, dass sich entweder fichtendominierte Bestände entwickeln oder im schlimmsten Fall sich zu wenig Verjüngung einstellt, als dass von „Wald“ gesprochen werden könnte. Im Nationalpark Bayerischer Wald (und Sumava auf tschechischer Seite) ist genau dies passiert: Abgestorbene Fichten und darunter Grasflächen ohne nennenswerte Verjüngung auf mehreren tausend Hektar.

Dass solche Fichten- oder Grasflächen artenärmer sind als stufige baumartenreiche Wälder liegt auf der Hand. Dabei liegen im angedachten Nationalparkgebiet viele Natura-2000-Flächen. Für die Auswahl dieser Gebiete ist das Vorkommen bestimmter Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten ausschlaggebend. Das Land hat sich verpflichtet, die biologische Vielfalt dieser Flächen zu erhalten und zu fördern.