Waldgeschichte

Ein waldgeschichtlicher Exkurs:

Waldbilder, wie wir sie heute sehen, erzählen Geschichte.
Geschichte von Generationen von Menschen, deren Nachkommen heute über Sinn oder Unsinn einer Totalstilllegung dieses, „ihres Waldes“ diskutieren müssen.

Unser Wald ist schon lange kein Urwald mehr. Er wird sich auch durch Stilllegung nicht mehr in den Urwald zurückverwandeln lassen, der er einmal war. Durch das Wirken unserer Vorfahren wurden Wälder der heutigen Ausprägung geschaffen. Die Baumart Fichte ist ein fester Bestandteil unserer Wälder und wird sich auch in einem Nationalpark nicht „ausrotten“ lassen. Die naturnahe Waldwirtschaft wirkt seit ca. 40 Jahren erfolgreich im Sinne der Schaffung gemischter Waldbestände.

Zum Verständnis der heutigen Situation in unseren Wäldern ein Exkurs in die Waldgeschichte des Nordschwarzwaldes:

Der Beginn der erheblichen Waldnutzung im Nordschwarzwald wird nach neueren Erkenntnissen auf die Zeit um 500 v. Chr. angesetzt. Pollenanalysen zeigen, dass der Fichtenanteil zu dieser Zeit noch sehr gering war, denn die Fichte besiedelte damals im Nordschwarzwald nur Nischenstandorte wie z. B. den Rand von Mooren. Ein Höhepunkt der Waldnutzung fällt in die Zeit vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit, in der das Holz der Wälder z. T. kahlschlagartig entnommen wurde. Intensive Waldweide durch Rinder und Ziegen führte dazu, dass Samen und Jungwuchs gefressen wurden und der Wald sich kaum mehr verjüngen konnte. Durch die Entnahme der Humusschicht zur Verwendung als Einstreu in den Ställen wurde dem Waldboden zudem ein großer Teil seines ursprünglichen Nährstoffvorrates entzogen.

Diese Faktoren führten dazu, dass vor rund 200 Jahren weite Gebiete im Nordschwarzwald mehr oder weniger kahl waren und mit Fichte und Kiefer aufgeforstet wurden. Diese Baumarten kamen mit den sauren und armen Böden sowie der Freiflächensituation zurecht. Die Idee und die Notwendigkeit war, die Waldflächen mit diesen schnell wachsenden Baumarten wieder in Bestockung zu bringen, um dadurch der drohenden Holznot einer ständig wachsenden Bevölkerung zu begegnen. Obwohl bei den großflächigen Aufforstungen auf die Herkunft und Qualität des Saat- und Pflanzgutes kein Augenmerk gelegt wurde, kamen die eingebrachten Fichten mit den hiesigen Bedingungen gut zurecht. Später stellte sich (und stellt sich bis heute) überall „natürlicherweise“ Fichten-Naturverjüngung ein, sobald durch Entnahme von Bäumen Licht auf den Waldboden kam bzw. kommt.

Fichtenholz ließ sich gut verkaufen, mit der Zeit erkannte man aber auch ökologische und ökonomische Probleme, die reine Fichtenbestände mit sich brachten: Eine weitere Verschlechterung der Bodenqualität durch die schwer zersetzbare Nadelstreu, die Anfälligkeit der Fichten für Sturmwurf und Borkenkäferbefall, das eingeschränkte Artenspektrum in Reinbeständen (…) führten nach und nach zu einem Umdenken. Der Umbau des Waldes in naturnahe Bestände wurde in Baden-Württemberg ab den 1970er Jahren mit der „naturnahen Waldwirtschaft“ angepackt. Wald und Waldumbau benötigen Zeit; auch heute noch sind – waldgeschichtlich bedingt – viele Waldbestände des Nordschwarzwaldes von Fichten dominiert. Dennoch – durch jahrzehntelange forstliche Bemühungen zum Umbau der Wälder (40 Jahre!) sind  bereits wieder viele Wälder mit stufigen und gemischten Baumbeständen entstanden.