Mehr zum Borkenkäfer (Ips Typographus)

Im Wald leben Pflanzen und Tiere in ständiger Interaktion. Dabei ist es möglich, dass sich eine Art zu Ungunsten anderer Arten massenhaft vermehren kann. Borkenkäfer haben diese Fähigkeit.

In Europa gibt es über 150 Arten von Borkenkäfern. In Deutschland kommen vor allem rindenbrütende Borkenkäfer vor, deren Larven im Bast, dem Gewebe zwischen Holz und Rinde, leben, das den Baum mit Wasser- und Nährstoffen versorgt. Die Borkenkäfer bevorzugen geschwächte oder vor kurzem gefällte bzw. vom Sturm geworfene Bäume, denn gesunde Fichten können die eindringenden Käfer durch Harzfluss bekämpfen. In trockenen und heißen Sommern und bei ausreichendem Brutmaterial kann die Population jedoch auch so stark ansteigen, dass auch gesunde Bäume befallen und zum Absterben gebracht werden können.

Die für Waldbäume gefährlichsten Borkenkäfer sind Buchdrucker und Kupferstecher, die vorwiegend Fichten befallen. Im Weiteren wird nur der Buchdrucker behandelt, wobei die Begriffe „Borkenkäfer“ und „Buchdrucker“ synonym verwendet werden.

Seinen Namen hat der Buchdrucker vom Fraßbild, das unter der Rinde entsteht. Das Weibchen frisst einen Längsgang und legt beidseitig nebeneinander ihre Eier ab. Aus diesen entwickeln sich die Larven, die sich rechtwinklig zum Muttergang durch den Bast fressen. So entsteht ein Fraßbild, das einem aufgeschlagenen Buch mit beschriebenen (bedruckten) Zeilen ähnelt.

Ein Buchdrucker-Weibchen kann 20–100 Eier legen. Bei günstiger Witterung und großem Angebot an Brutmaterial wie es z. B. nach Windwürfen vorkommt, können sich bis zu drei Generationen pro Jahr entwickeln. Zusammen mit parallel angelegten Geschwisterbruten kann ein Weibchen bis zu 100.000 Nachkommen pro Jahr erzeugen, von denen etwa die Hälfte wiederum Weibchen sind. Etwa 400 Borkenkäfer reichen aus, um eine Fichte zum Absterben zu bringen. Selbst wenn man eine hohe Sterblichkeitsrate der Borkenkäfer annimmt, ist leicht zu erkennen, welch enormes Gefahrenpotenzial für Fichtenbestände sich innerhalb von ein bis zwei Jahren aufbauen kann, wenn die Vermehrung der Käfer nicht gestoppt wird.

Buchdrucker werden bis zu 20 Monate alt. Sie überwintern unter der Rinde oder im Boden. Strenger Frost macht ihnen nichts aus im Gegensatz zu stark schwankenden Temperaturen im Winter. Erreicht die Lufttemperatur im Frühling/Sommer um die 16 ° C, fliegen die Borkenkäfer wieder los, um sich weiter zu vermehren …