Beispiel 1: Die Douglasie

Am 26.02.2014 berichtete der Schwabo über eine Gemeinderatssitzung in Baiersbronn. Bei dieser Sitzung schnitt Gerhard Gaiser (SPD) auch das Thema Klimawandel an. Er sagte: „Er wäre in diesem Zusammenhang dankbar, wenn man der Douglasie eine stärkere Bedeutung beimessen würde, die resistenter sei. Auch der Wildverbiss müsse stärker in den Fokus rücken.“
„Sie bestimmen die Ziele, Sie sind der Souverän“, stellte Forstamtsleiter Jehle fest. Bei der nächsten Forsteinrichtung in drei Jahren gelte es, diese Punkte zu diskutieren. „Wir Forstleute haben keine Vorbehalte gegen die Douglasie“, versicherte Jehle.

Das Thema Douglasie trieb auch Erwin Zepf (CDU) um. Was die Revision grundsätzlich angeht, gab es ein dickes Lob von ihm: „Kompliment für das ganze Werk – Note eins.“ Insbesondere lobte er dabei die Jungbestandspflege: „Das ist die Zukunft unseres Gemeindewalds.“ Beim Thema Douglasie warnte Zepf davor, bis zur nächsten Forsteinrichtung zu warten. Er schlug vor, schon beim Waldbegang im kommenden Sommer die Gebiete auszumachen, in denen es Sinn macht, die Douglasie anzusiedeln. Denn es gelte, die Chance jetzt zu nutzen. Warte man bis 2017, stehe in manchen Bereichen die Fichte wieder kniehoch.

Fritz Kalmbach (CDU) irritierte das Vorgehen im NLP. Deshalb fragte er, warum die Douglasie im Nationalpark rausgeschlagen werde? Laut Forstamtsleiter Jehle ist die Douglasie im Nationalpark umstritten, da sie als „Fremdländer“ angesehen werde und „ökologisch weniger wertvoll sei.“
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.baiersbronn-neuer-hiebsatz-als-antwort-auf-sturm.c462e0a2-98e6-450d-8c36-70682a2f57c8.html

Was gab es im Vorfeld nochmals für Aussagen? Man müsse „Natur Natur sein lassen“, auf einer kleinen Fläche die Finger raus lassen“ … und nun: „Fremdländer, ökologisch weniger wertvoll“ – rausschlagen!
Aber für ihre Bauwerke nimmt die NLP-Verwaltung gerne Douglasienholz, da es viel witterungsbeständiger ist. Sie wollen also die Bäume nicht haben, das Holz aber schon. Ist dies nicht schizophren? Auf jeden Fall kann man die Argumentation und das Agieren der NLP-Verwaltung nur als heuchlerisch bezeichnen!

Beispiel 2: Pumpspeicherkraftwerk der ENBW

In den BNN wurde am 27.02.2014 über den geplanten Speichersee auf dem Seekopf berichtet. Nachfolgend Auszüge daraus:

Für massive Verärgerung sorgte im Forbacher Gemeinderat ein Bericht über die Auswirkungen des erst seit Januar eingerichteten Nationalparks Schwarzwald auf das geplante Pumpspeicherkraftwerk der ENBW. Wie die neue Projektleiterin Angelika Böhringer ausführte, muss wegen des unmittelbar angrenzenden Großschutzgebietes teilweise umgeplant werden. Weniger die dadurch entstehenden Mehrkosten als vielmehr die zeitliche Verzögerung belasten das 300-Millionen-Euro-Projekt. Ratsmitglieder sahen nach dem Vortrag ihre früheren in Sachen Nationalpark bestätigt. … Von einem „Schreck Nationalpark“ sprach Angelika Böhringer. Die als Baueinrichtungsflächen vorgesehenen Bereiche sollten Bestandteil des Nationalparks werden; dies hätte das Projekt gekippt, konnte aber nach Intervention von Forbachs Ex-Bürgermeister Kußmann verhindert werden. Da im Nationalpark ein Fahrverbot gilt, muß die Zufahrt abgeändert werden, eine Zufahrtsstraße müsste gebaut werden. Diese führt aber nicht durch Gemeinde- oder Staatswald sondern durch Murgschifferschaftswald. Auch die Baueinrichtungsflächen liegen im Eigentum der Waldbesitzergenossenschaft. Weiteres Problem: Die bisher vorgesehenen Kompensationsflächen für das Auerwild liegen im Nationalpark. Die durchgeführten Untersuchungen sind damit Makulatur. … Kommentare von Gemeinderatsmitgliedern zu diesem Vorgang: „Es ist jetzt der Moment gekommen, wo wir erkennen, dass die Versprechungen der Regierung die uns gemacht wurden, der Nationalpark werde das Projekt nicht beeinträchtigen, nicht eingehalten werden“, konstatierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Albert Fritz. „So langsam wird es absurd, wir blockieren uns mit allem“, ärgert sich Rainer Fritz (SPD). Ein sinnvolles Projekt zur Nutzung regenerativer Energien drohe durch Naturschutzauflagen auf der Müllhalde zu landen. …
So weit die Berichte in den BNN.

bnn-pumpspeicherkraftwerk

So paradox und auch so wortbrüchig ist die hier praktizierte Realpolitik! Ein sinnvolles Projekt, welches ohne Widerstand der örtlichen Bevölkerung hätte umgesetzt werden können, was keineswegs selbstverständlich ist wie man in anderen Regionen feststellen muss, wird durch Umplanungen um Jahre verschoben. Eine bestehende Zufahrt darf nun nicht mehr genutzt werden. Als Ersatz muss eine neue Trasse angelegt, eine neue Schneise im Privatwald geschlagen werden. Die dadurch entstehenden höheren Kosten, Umweltbelastung, Landschaftsverbrauch… ist den Nationalparkverantwortlichen egal! Zumindest die Zusatzkosten, für diese Projekt, sollten aus dem Nationalparketat bezahlt werden oder noch besser, den Verantwortlichen vom Gehalt abgezogen werden.

Beispiel 3: Birkenfällungen an der Schwarzwaldhochstraße

Am 21.03.2014 erschien im Schwabo ein Artikel über die Fällung von Birken im NLP an der Schwarzwaldhochstraße. Kahle Flächen, wo früher Birken und Föhren standen. Massenhaft wurden an der Schwarzwaldhochstraße Bäume gefällt. Sieht so der Umbau des Waldes im Nationalpark aus? Dies fragte sich Karl Gaiser aus Obertal, als ihm die Fällaktion auffiel. Zwischen Zuflucht und Alexanderschanze wurden laut Gaiser „Birken und Föhren komplett herausgesägt“. Anstelle der „wunderschönen Grindenflächen“ seien nur noch öde Kahlflächen zu finden. Gaiser kann dieses Vorgehen nicht ganz nachvollziehen, denn bei den bisherigen Grindenpflegeaktionen des Landratsamts Freudenstadt seien Birken und Föhren immer geschützt worden.
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.region-frevel-an-der-natur-im-nationalpark.31ce46ac-ecd1-430a-9e65-483ec1df196e.html

birkenfällungen2

NLP-Verwaltung sprach auf Ihrer Internetseite jedoch nur von „einigen Bäumen“ die gefällt wurden. Komisch nur, dass der Schwabo berichtete, dass für diese „einige Bäume“ die B500 mehrere Tage halbseitig gesperrt werden sollte. Wir haben übrigens nachgezählt. Es waren „einige“ hundert Bäume! Wir sagen übrigens nicht, dass diese Massnahme nicht sinnvoll wäre, wir kritisieren aber die beschönigende, verlogene(?) Mitteilungen der NLP-Verwaltung. Auch und gerade deshalb, weil wir Gegner von den Befürworter regelrecht als Hinterwäldler hingestellt wurden die „Angst vor der Wildnis“ hätten, wenn wir von „Pflegemaßnahmen“ sprachen die auch weiterhin erfoderlich sein werden!

Beispiel 4: Zeltlager der Jungschar auf der Hahnbrunnenwiese

Im Schwarzwälder Boten, Ausgabe vom 15.06.2014 wurde über das „wohl letzte Zeltlager der Jungschar auf der Hahnbrunnenwiese“ berichtet:
„Das Wochenende war voll schön“, kommentierten manche der 65 Jungen und Mädchen, die mit gut 30 engagierten Mitarbeitern des EJW-Freudenstadt ein Jungscharwochenende auf der Hahnenbrunnenwiese verbracht haben. …
„Das Paradies rund um die Hahnenbrunnenwiese war für uns ein genialer Rückzugsort“, da waren sich Mitarbeiter und Kinder einig. Schade sei nur, dass das Gelände künftig nur noch vom Nationalpark Nordschwarzwald als Wildniscamp verwendet werde und ortsansässige Gruppen diesen Zeltplatz nicht mehr nutzen können, so die Mitarbeiter.

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.freudenstadt-tolles-wochenende-fuer-die-jungschar.e7ec4cfc-9d5c-4e44-a1bf-f4e4d00bc885.html

Zur Erklärung: Auf der Hahnbrunnenwiese im Murgtal finden jedes Jahr Zeltlager des EJW und ein Gottesdienst im Grünen der örtlichen ev. Kirche statt. Dies sollte laut Nationalparkverwaltung nur noch im Jahr 2014 möglich sein, da das Gebiet im Nationalpark liegt.

In einem Leserbrief eines kirchlichen Mitarbeiters konnte man dann noch folgendes lesen: „… Nach Auskunft des Evangelischen Jugendwerks Freudenstadt wurden alle fest gebuchten Termine bis 2020 von dem verantwortlichen Mitarbeiter des Nationalparks Schwarzwald gekündigt. Nach dessen Vorstellung soll dort ein WildnisCamp entstehen, das nach einem pädagogischen Konzept der Verwaltung des Nationalparks abzulaufen hat. … Ich wünsche mir, dass diese Entscheidung im Interesse der Jugendgruppen zurückgenommen wird, einst zugesagte Termine wieder Bestand haben…“. So weit der Leserbriefschreiber. Auch viele andere brachten ihre Verärgerung über diese Vorgehensweise deutlich zum Ausdruck. Anscheinend hat die NLP-Verwaltung nicht mit solch einem Widerstand gerechnet und ist inzwischen zurückgerudert – wie weit ist allerdings unklar.

Hat nicht sogar der NABU auf seiner Homepage gesagt: „Befürchtung: Ein Nationalpark behindert die Freizeitnutzungen …Richtig ist: Bestehende Einrichtungen haben Bestandsschutz und können weiterhin betrieben werden“. Wenn dem wirklich so wäre, warum hat dann die NLP-Verwaltung bestehende Verträge gekündigt? Auch hier wurde offensichtlich von den Verantwortlichen des NLP ein falsches Spiel gespielt.

Im Evangelischen Gemeindeblatt für Württemberg (Ausgabe 36 / 07.09.2014) konnte man unter der Überschrift: Mitmachen und Versöhnen lesen: „So hat Sönning erst unlängst einen Aufschrei erlebt, als der Vertrag für eine von kirchlichen Jugendgruppen genutzte Wiese vom Nationalpark gekündigt wurde“. Herr Sönning, engagierter Befürworter des NLPs und Pfarrer von Baiersbronn-Mitteltal wird zitiert mit den Worten: „Das kam gleich wie ein Verbot rüber, dabei ging es nur um neue rechtliche Zuständigkeit.“ Herr Andreas Steidel vom Gemeindeblatt fährt fort mit den Worten: „Schließlich hat Wolfgang Sönning sich eingeschaltet und zur Aufklärung des Missverständnisses beigetragen: „Natürlich darf diese Wiese weiterhin von der Jugend genutzt werden.“

Da kann man nur sagen: Mal sehen von welcher Jugend und wie lange noch….

Diese Wiese wird übrigens nicht nur für Jugendzeltlager, sondern auch für Gottesdienste im Grünen genutzt.
Bisher wurde die Hahnbrunnenwiese von ForstBW verwaltet, aber nicht diese, sondern die NLP-Verwaltung hat die Kündigungen ausgesprochen! Die NLP-Verwaltung, die neue zuständige Behörde, spricht also Kündigungen von Verträgen aus und nun sollen diese Kündigungen plötzlich nur noch „Missverständnisse“ sein? Ist dies glaubhaft? Nochmals: Die Kündigungen wurden nicht von Forst BW, der bisher zuständigen staatlichen Stelle ausgesprochen, sondern von der Nationalparkverwaltung!

Die Vorgehensweise der NLP-Verwaltung ist vergleichbar mit jemanden der ein Haus kauft, vor dem Kauf den Mietern erklärt sie würden ihre Wohnungen weiterhin behalten und nach dem Kauf die Mieter auf die Straße setzt und erst auf Druck der Öffentlichkeit erklären würde: Alles nur ein Missverständnis. Ist dies glaubwürdig? Schafft solch ein Vorgehen Vertrauen? Man kann davon ausgehen, dass die NLP-Verwaltung einfach mal probiert hat, wie weit sie gehen kann und nun kräftig zurückrudern musste und deshalb alles als Missverständnis darstellt! Und Pfarrer Sönning macht bei diesem schlechten Spiel auch noch mit.

Wir jedenfalls haben die Befürchtung, dass die Politik, die Nationalpark-Verwaltung und auch die Naturschutzverbände auch in diesem Punkt, bei diesen Zusagen, nicht aufrichtig sind!
Wenn Herr Bonde nun sagt (Schwabo 28.11.2014), dass „auch die Kirchen den Nationalpark gerne als Ort der Begegnung und für Gottesdienste unter freienm Himmel nutzen würden,“ so ist dies mal wieder eine für ihn typische Halbwahrheit. Denn wir Kirchengemeinden wollen nicht „den Nationalpark“ nutzen, sondern wir wollen weiterhin die Flächen nutzen, welche wir auch ohne Nationalpark, schon seit Generationen für solche Zwecke/Veranstaltungen genutzt haben! Deshalb werden wir auch solche Verbote nicht hinnehmen!

Mal sehen, wann der nächste Versuch gestartet wird, die kirchlichen Jugendgruppen los zu werden, um dann „NLP-Wildniscamps“ durchzuführen. Wahrscheinlich ist dann zukünftig bei den neu anzufragenden Terminen „alles belegt“ …