Um die Zahl der Befürworter ein klein wenig größer zu machen, schreckten die Landesregierung und – was uns sehr wunderte – sogar die Naturschutzverbände nicht davor zurück, eine Koalition mit den Touristikern einzugehen. Die erheblichen Zielkonflikte zwischen Naturschutz, Klimaschutz auf der einen und (Massen-)Tourismus und Umweltbelastungen auf der anderen Seite werden dabei billigend in Kauf genommen. Man warb und wirbt für den Entwicklungsnationalpark vorallem auch mit dem Argument, dass durch einen Nationalpark mehr Touristen hier im Schwarzwald Urlaub machen würden.

So betonte zum Beispiel Minister Bonde bereits 2011 beim Sommerempfang der IHK, dass der Nationalpark eine Chance für den Tourismus sei. „Mit einem solchen Nationalpark hätte der Nordschwarzwald ein absolutes Alleinstellungsmerkmal“.
http://www.neckar-chronik.de/Home/nachrichten/nachrichten-kreis-freudenstadt_artikel,-Bonde-Nationalpark-als-Alleinstellungsmerkmal-_arid,140716.html (22.07.2011).

Interessanterweise wirbt Herr Bonde hier mit der Bezeichnung „Nationalpark Nordschwarzwald“ für das Prestigeobjekt der Landesregierung, und dies, obwohl hier doch zunächst, für die nächsten dreißig Jahre, nur ein Entwicklungsnationalpark eingerichtet werden soll. Auch die Wortwahl „Alleinstellungsmerkmal“ ist absolut irreführend. Einerseits, haben wir bereits 14 Nationalparks in Deutschland, andererseits sollen zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, Steigerwald oder im Ammergebirge (Region Füssen) weitere entstehen. Wo bleibt da noch das „Alleinstellungsmerkmal“?

In einem Arbeitspapier der regionalen Arbeitskreise zum möglichen Nationalpark Nordschwarzwald steht: „Zudem stellt der Nationalpark ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal für die Region innerhalb des Schwarzwaldes sowie im Land Baden-Württemberg dar“,

Sollte Herr Bonde den Begriff „Alleinstellungsmerkmal“ für den Entwicklungsnationalpark Nordschwarzwald, so wie in diesem Arbeitspapier nur in Bezug auf das Land Baden-Württemberg gemeint haben, dann stellt sich aber nun die Frage, warum die Bezeichnung „Nationalpark Nordschwarzwald“ auf „Nationalpark Schwarzwald“ abgeändert wurde!

Es ist an Widersprüchlichkeit nicht mehr zu überbieten, dass die Landesregierung den Entwicklungsnationalpark Nordschwarzwald inzwischen als „Nationalpark Schwarzwald“ bezeichnet. Dies hatte übrigens genau so aber auch schon der Ortenauer Landrat Frank Scherer gefordert. „Der Park müsse unter der Dachmarke »Schwarzwald« vermarktet werden. Denn der Name »Nationalpark Nordschwarzwald« würde die Möglichkeiten begrenzen“. http://www.wro.de/presse/pressespiegel/detailansicht/news/detail/News/nationalpark-ins-herz-geschlossen.html?L=1

Im Vorfeld der Einrichtung wurde suggeriert, man würde den Nordschwarzwald touristisch gegenüber dem Südschwarzwald stärken indem man einen „Nationalpark Nordschwarzwald“ gründen würde und nun verzichtet die Landesregierung auf die regionale Bezeichnung „Nord“! Man macht also letztlich mit der Bezeichnung „Nationalpark Schwarzwald“ nicht mehr Werbung für den Nordschwarzwald sondern für den gesamten Schwarzwald. Uns würde es nicht wundern, wenn die Landesregierung demnächst mit ihrem Prestigeobjekt sogar für ganz Baden-Württemberg werben würde! Dass nun außerdem ein Entwicklungsnationalpark als Nationalpark bezeichnet wird, grenzt schon an arglistige Täuschung der Besucher. Wen wundert es, dass sich so manche Touristiker über das Vorgehen der Landesregierung auch nur noch wundern? Wenn wundert es, dass immer mehr Touristiker inzwischen vom touristischen Mehrwert des Entwicklungsnationalparks auch nicht mehr überzeugt sind? Wie das Bundesnaturschutzgesetz und seine Kommentare erkennen lassen, darf der Tourismus in einem Nationalpark übrigens nur in engen Grenzen geduldet werden. Selbst zwei prominente Vertreter der Nationalpark-Idee wie Hans Biebelriether und Hartmut Sporns fordern, dass „höchstens ein bis zwei Prozent“ der Fläche von Nationalparks touristisch genutzt werden dürfen.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.pro-und-kontra-braucht-das-land-einen-nationalpark-im-nordschwarzwald-page2.c9c9c5a4-8640-4c52-912d-58d30cb13a50.html

Durch das Nationalparkgutachten wurden Erwartungen geweckt, dass mit Einrichtung eines Entwicklungsnationalparks auch die Gästezahlen ansteigen würden. So steht unter Punkt 675
„Ein positiver Einfluss von Großschutzgebieten auf die regionale Tourismusentwicklung wird immer wieder von interessierter Seite betont und in der Entscheidungsfindung für die Interessendurchsetzung angeführt. Die Förderung von Image, Bekanntheitsgrad und insbesondere der Tourismuswirtschaft war und ist bei der Nationalparkgründung in Deutschland ein ausdrückliches, wenn auch nicht das einzige Gründungsziel…..“
http://www.schwarzwald-nationalpark.de/fileadmin/website_pictures/Gutachten/Gesamtgutachten_final.pdf

Was aus diesem Satz deutlich hervorgeht, ist, dass zumindest für diese Experten, die Tourismusförderung das wichtigste Argument für einen Nationalpark ist. Haben sie da nicht etwas missverstanden, entspricht diese Zielsetzung der Gesetzeslage zur Einrichtung eines Nationalparks?

Wie sogar die NLP-Gutachter versuchen, die öffentliche Meinung zu manipulieren, zeigt sich auch in der Zusammenfassung des Gutachtens. Dort wird auf Seite 4 von einem Rückgang der Wertschöpfung, durch den Wegfall von 53 Tsd. Fm Holz, von 8 Mio. EUR gesprochen. Auf Seite 5, wenn es um die zusätzlichen Gäste im Entwicklungsnationalpark geht, sprechen die Gutachter aber plötzlich von 18,3 Mio. Euro zusätzliche UMSÄTZE. Zufall oder Absicht, dass hier Wertschöpfung und Umsätze einander gegenübergestellt werden?

Um eine Akzeptanz für den angeblich tourismusfördernden Entwicklungsnationalpark in der Bevölkerung zu erreichen, wurde von manchen auch der Status-Quo des Tourismus in der Region schlecht geredet. So konnte man zum Beispiel in der Badischen Zeitung am 12.3.2014 lesen: „Zum einen ist da die Spaltung im Schwarzwald: Im Süden brummt das Geschäft, im Nordschwarzwald hingegen fehlt es an allem, der Infrastruktur, interessanten Destinationen und eben an den Gästen“.

http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/baeume-allein-reichen-nicht–80873379.html

Gleichzeitig gab es aber auch Kommentatoren, die ganz anders berichteten. So stand zum Beispiel in der Wirtschaftswoche (24.09.2012): „Die Gegend umfasst auch nicht irgendwelche Dörfer im Irgendwo, sondern ist eine der wichtigsten Tourismusregionen ganz Baden-Württembergs. Hier liegt das deutsche Mekka für Gourmets, mit Harald Wohlfahrt (Schwarzwaldstube) und Claus-Peter Lumpp (Restaurant Bareiss) stehen gleich zwei Drei-Sterne-Köche am Herd“.

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/umstrittene-plaene-versuchslabor-fuer-naturschutzideologie/7162310-2.html

Selbst Herr Rückert, Landrat des Kreises Freudenstadt und inzwischen Vorsitzender des Nationalparkrates versuchte die Erwartungshaltung bei den Touristikern zu dämpfen. So konnte man im Schwarzwälder Boten (28.08.2012) lesen: „Der Vergleich mit dem Bayerischen Wald, der durch den dortigen Nationalpark bekannt wurde, hinkt für Rückert allerdings: Da war halt vorher nichts los, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der Nationalpark dort einen Boom ausgelöst hat. Wir hingegen sind touristisch schon auf einem hohen Niveau.“
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.freudenstadt-rueckert-nationalpark-kann-impulse-geben.57452fc4-5bdc-4151-afa9-dc6df67e2931.html

Man ist immer doch wieder immer wieder überrascht von der Bandbreite der Aussagen des Istzustandes hier vor Ort. Gleichzeitig wundert man sich aber auch darüber, wie Herr Rückert von einem „Boom“ reden kann. Hat er vielleicht „Boom“ mit „Strohfeuer“ verwechselt? Denn wenn man die Zahlen genauer betrachtet, stellt man fest, dass von einem „Boom“ im Nationalpark Bayerischer Wald weit und breit nichts zu sehen ist. So wurde 1980 beim damals halb so großen Nationalpark Bayerischer Wald, 1,5 Mio. Besucher gezählt, während gegenwärtig trotz doppelt so großer Fläche nur noch ca. 1 Mio. gemeldet werden.

Im Gegensatz dazu, sehen die Übernachtungszahlen hier vor Ort doch noch richtig gut aus (Auch wenn sie natürlich besser sein könnten)

Übernachtungszahlen Baden-Württemberg

Im Gutachten (Zusammenfassung Punkt 47) steht, dass „ein Gesamtbesucheraufkommen von 3,05 Mio. Besucher pro Jahr für den potenziellen Nationalpark Nordschwarzwald als realistisch angesehen wird“.
Abgesehen davon, dass bei dieser Zahl wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens war und auch massive Berechnungsfehler gemacht wurden, sind die Landesregierung, die Behördenvertreter, die Medienvertreter und auch die Touristiker wohl selber nicht von diesen Prognosen überzeugt.

Deshalb forderten die Touristiker schon im Anfangsstadium der Planungen „zusätzliche Attraktionen“. Bereits 2012 wurden deshalb noch diverse Vorschläge gemacht, wie man die Attraktivität eines Nationalparks erhöhen könnte. Dabei wurden die ausgefallensten Ideen vorgebracht. Nachfolgend einige Beispiele: Bau einer ganzjährig betriebenen Gondelbahn vom Seibelseckle über den Mummelsee hinweg zur Hornisgrinde, Aussichtsplattformen, Fesselballon, Zeppelinbahnhof, Baumwipfelpfad … und ein Wildtier-Großgehege auf 1000 Hektar. Aber nicht nur Touristiker sondern sogar der Vorsitzende des NABU, Herr Baumann (31.10.2013, StZ) wird folgendermaßen zitiert: „Der Nationalpark ermöglicht die Finanzierung neuer Ideen, etwa große Wildgehege. Dort könnten Gäste auf Safari gehen, um Hirsche, Luchse und Wölfe in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.“
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.pro-und-kontra-braucht-das-land-einen-nationalpark-im-nordschwarzwald-page1.c9c9c5a4-8640-4c52-912d-58d30cb13a50.html

Herr Baumann versuchte schon damals die Touristiker mit Subventionen zu ködern! Und dies für Tourismusprojekte, die eigentlich nicht im Aufgabenbereich eines NLP liegen und auch nicht der Zielsetzung eines NLP entsprechen. Getreu dem Motto: „Geld macht Meinung“ versuchte er hier gewisse Personengruppen über den Geldbeutel auf die Befürworterseite zu ziehen.

Wir Einheimischen „freuten“ uns jedenfalls schon darauf, mit unseren Autos oder dem Bus auf Safari im Großwildgehege zu gehen! – Ob sich die Natur darüber wohl auch gefreut hätte? Einige neue, befestigte Wege hätten dann auch noch angelegt werden müssen! Ob dies alles wohl dem bisherigen Schutzstatus dieses Gebietes entsprochen hätte? Herrn Baumann, dem NABU, war dies offensichtlich egal!

Einer der Vorzeige-Nationalparkbefürworter ist übrigens Herr Meinrad Schmiederer, Hotel Dollenberg. Allerdings sagte auch er bereits am 30.04.2013 in einer Podiumsdiskussion: „Wir brauchen in der Region Dinge die Menschen wegen einer Besonderheit anziehen. Dass der Nationalpark ein schwieriges Thema ist, sei ihm sehr wohl bewusst“„er sieht den Nationalpark auch kritisch, insbesondere für die ersten 25, 30, 35 Jahre….“ (2. Minute).

https://www.youtube.com/watch?v=W8JDbw-hfD0

Auch bei ihm ist inzwischen wohl die Erkenntnis gereift, dass die Touristen in einem Nationalpark nichts sehen können, was nicht jetzt schon, in Form von Naturschutzgebieten, Bannwäldern, FFH-Gebieten…, vorhanden ist.

Und weil er inzwischen wohl doch nicht mehr einen großen Boom vom Nationalpark für den Tourismus erwartet, machte er den Vorschlag ein Wildtierreservat zu errichten. Die Höhe der (von ihm?) geschätzten Investitionskosten dafür schwankten je nach Zeitungsartikel zwischen 3,5 und 8,4 Mio. Euro!

http://www.gea.de/nachrichten/politik/safari+im+geplanten+nationalpark+schwarzwald+.3411134.htm

Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Herr Schmiedel, sagte Herrn Schmiederer seine Unterstützung zu. Wobei die Frage ist, ob diese angebotene Unterstützung wirklich ernst gemeint, oder nur taktischer Natur war. Die örtliche Politprominenz sprang jedenfalls auch auf den Vorschlag auf. Leise Zweifel konnte man dann aber doch den Worten von Herrn Osswald, Bürgermeister von Freudenstadt, entnehmen. Dieser sagte nämlich am 29.11.2013 zum Thema Wildtierreservat: „er hoffe Schmiedel steht zu seinem Wort…“ (Schwabo). Die Finanzierung jedenfalls ist inzwischen, laut Landrat Rückert, „zuvorderst Aufgabe der Kommunen. Sie sollen das Projekt mit anderen Partnern, sprich Investoren voranbringen“. Es stellt sich also bereits jetzt die Frage, welche Unterstützung Herr Schmiedel gemeint hat, wenn es keine finanzielle Unterstützung ist? Evtl. nur warme Worte? Der laufende Betrieb des Wildtierreservates sollte übrigens dann, laut Herrn Schmiederer, durch die angeblich 500.000 Besucher finanziert werden, die zwischen 8,– und 10,– Euro Eintritt zahlen sollen. Als Begründung für die Einrichtung des Geheges führt er an, „dass wir nicht mehr 30 Jahre warten können, bis der Nationalpark eingerichtet ist, wir müssen früher handeln, um den Tourismus zu halten“. Das Gelände könnte, so Schmiederer, „Heimat für Reh, Rotwild, Dammwild, Gämsen, Wisent, Auerochs, Wildpferd oder Auerhahn werden“ (Schwabo 26.7.2013). Also alles „Tiere, die hier früher mal heimisch waren“!(?) Damit die Tiere nicht weglaufen, sollte ein 38 km langer Zaun errichtet werden. Weiter sagte Herr Schmiederer: „Nur wenn dieses Tierreservat zeitgleich mit dem Nationalpark entwickelt werde, könne das Naturschutzprojekt des Landes auch eine stimulierende Wirkung auf den Tourismus entfalten“. Mit anderen Worten: Auch er war inzwischen davon überzeugt, dass ein Nationalpark keine steigenden Gästezahlen nach sich ziehen wird.

Unterstützt (zumindest verbal) wird er in diesem Vorhaben von einigen Bürgermeistern, dem Landrat des Kreises Freudenstadt, welcher gleichzeitig Vorsitzender des Nationalparkrats ist, Herrn Rückert, aber auch von Politprominenz aus Stuttgart, wie eben z.B. Herrn Schmiedel. Zu vermuten ist, dass Herr Schmiedel wohl inzwischen auch realisiert hatte, dass ein Nationalpark allein nicht die prognostizierten (bewusst geschönten?) Besucherzahlen in den Nordschwarzwald bringen würde. Zitat Schmiedel: „Wenn die Menschen einen Nationalpark besuchen, erwarten Sie, dass dort Tiere zu sehen sind … doch bei einem Nationalpark mit 10.000 Hektar ist dies nicht garantiert“. Bedeutet diese Aussage im Umkehrschluss, dass Herrn Schmiedel der jetzige Entwicklungsnationalpark auch zu groß ist? Schön wäre es! Den Vorschlag, ein Wildtiergehege einzurichten unterstützte er mit folgendem Argument: „Die Kooperation mit einem angrenzenden Wildtiergehege sei eine gute Sache und habe sich auch im Nationalpark Bayerischer Wald bewährt.“

Natürlich erhalten die genannten Herren bei diesem Vorhaben nun auch wieder die Unterstützung des Naturschutzbundes Baden-Württemberg (NABU). Der Landesvorsitzende des Nabu, Herr Andre Baumann sagte hierzu folgendes: „Wir halten das für einen sehr guten Vorschlag. Den Besuchern des Nationalparks würde so ein außergewöhnliches Naturerlebnis geboten. Er könne sich vorstellen, dass das Wildtiergehege ein Publikumsmagnet werde“.
http://www.gea.de/nachrichten/politik/safari+im+geplanten+nationalpark+schwarzwald+.3411134.htm

Wenn man seine Worte umformuliert, könnte man es auch so sagen: Den Besuchern wird ein außergewöhnliches Naturerlebnis geboten, wenn sie das Wildtiergehege (eingesperrte Tiere) und nicht den Nationalpark besuchen! – Interessant!

Aber auch sein Nabu-Kollege und MdL/Grüne, Herr Markus Rösler, begrüßt diese Idee mit den Worten: „Ich halte es touristisch für eine gute Idee, Wildtiere des Nordschwarzwalds auf einer größeren Fläche zu zeigen“. Er wünscht sich jedoch, „dass dabei nicht nicht die gleichen Fehler gemacht werden, wie sie im Bayerischen Wald gemacht wurde“. „Dort denken die Leute, wenn sie das Wildtierreservat besuchen, dass sie im Nationalpark sind.“ Herrn Rösler kann man nur sagen, dass dies wahrscheinlich der Grund ist, warum es Menschen gibt, die vom Nationalpark Bayerischer Wald begeistert sind, weil sie nämlich nur das Wildtiergehege und den Baumwipfelpfad besucht haben, aber nie im Nationalpark, z. B. auf den Lusen, gewandert sind und die Totholzflächen gesehen haben.

Keine Rolle spielte für beiden Herren, dass in diesem Gebiet, in dem das Wildtiergehege errichtet werden soll, Natura-2000-Flächen liegen und dass die ganze Fläche Vogelschutzgebiet ist.
http://www.geodienste.bfn.de/schutzgebiete/#?centerX=3448803.147?centerY=5368505.300?scale=50000?layers=515

Keine Rolle spielte für sie auch, dass hier ein 38 km langer Zaun errichtet werden sollte, mit dem z.B. auch Wildwechsel abgeschnitten werden. Keine Rolle spielte es für sie, was die Auerhühner und andere Vögel davon halten, wenn hier Wildpferde, Wisente und Auerochsen und andere „ehemals einheimische Tierarten“ (Zitat M. Schmiederer) durch das Unterholz brechen. Aber so sind sie halt, unsere Funktionäre von den Umweltverbänden!

Wir waren auch sehr gespannt, was der Schwarzwaldverein dazu sagen würde, dass diverse Wanderwege, z. B. ein Teil des Westweges (oder sollte dieser verlegt werden?), dann nur noch begangen werden können, wenn die Wanderer bereit sind, den entsprechenden Eintrittspreis zu berappen. Besuche des Glaswaldsees wären dann z. B. auch nur noch mit einem entsprechenden finanziellen Obulus möglich gewesen!

Nachdem der Nationalpark dann beschlossene Sache war, konnte man plötzlich auch in den Zeitungen die bisher einen Nationalpark als Allheilmittel gegen sinkende Gästezahlen angepriesen hatten, Berichte wie nachfolgende lesen:
Überschrift: „Bäume allein reichen nicht“ Textauszug: „Der Trend läuft derzeit in Richtung Ballungsraum, den ländlichen Regionen droht immer mehr ein Verlust von Marktanteilen, vor allem, wenn sie nichts als Bäume und ein paar Wanderwege vorzuweisen haben. Der Nationalpark alleine wird diesen Trend nicht stoppen können“ (Badische Zeitung, 18.02.2014).
http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/baeume-allein-reichen-nicht–80873379.html

oder in der bo:
Natur allein reicht nicht: Der Nationalpark braucht zusätzliche Attraktionen – beispielsweise ein Tierreservat bei der Alexanderschanze – fordern Touristiker. Rückendeckung erhält das Projekt vom neuen Vorsitzenden des Nationalparkrats, Landrat Rückert. Unklar ist noch, woher das Geld für das Tierreservat kommen soll. … 1000 Hektar groß wäre das zwischen Alexanderschanze und Glaswaldsee geplante Tierreservat idealerweise. Allerdings muss vorher noch die Frage nach der Finanzierung des 3,5 Millionen Euro teuren Projekts geklärt werden. … Dass er aus Stuttgart vorerst keine große Unterstützung für Projekte an der Nationalpark-Peripherie erwartet, lässt Rückert durchblicken.

Bereits zu diesem Zeitpunkt glaubten wohl auch die Befürworter und die Medienvertreter nicht mehr an die im Gutachten prognostizierten Besucherzahlen.

Offensichtlich hat aber auch ein erheblicher Teil der sogenannten Experten, der Politiker und auch der Kommentatoren noch nicht realisiert, dass Tourismusförderung, Massentourismus und Rummelplatzatmosphäre nicht der Zielsetzung eines Nationalparks entspricht.

Aber anscheinend waren diese Vorstellungen doch zu abgehoben und auch nicht finanzierbar, kurz gesagt zu weltfremd, als dass sie verwirklicht werden hätten können. Warum sonst berichtete der Schwabo am 09.12.2014 dass nun ein „modularer Aufbau geplant sei“. Auf einer „Gehege-Fläche von jeweils 50 bis 100 Hektar sollen die Besucher heimische Wildtiere, wie Auerochse, Gämse, Wildpferde, Großvögel, eine Falknerei und eine Auswilderungsstation für Vögel finden.“ Laut Herrn Schmiedel „stehe die konzeptionelle Umsetzung und sei finanziell in trockenen Tüchern“ und er ist sich sicher, dass sie „weitere Unternehmen finden werden die sich im Reservat engagieren wollen..“. Den Artikel geschrieben hat Frau Wiegert vom Schwabo. Sie ist übrigens der Ansicht, dass es durch dieses „Wildtierreservat auch um den Nationalpark herum eine Spur wilder werde“. Es ist mehr als paradox, dass ausgerechnet durch das Errichten von Zäunen und das Zurschaustellen von Tieren in Gehegen/Käfigen der Schwarzwald eine Spur wilder werden soll! Man wundert sich nur noch über solche Begründungen!

Dass es hier ausschließlich darum geht, Besucher anzulocken, damit man, wenn schon nicht die prognostizierten, so doch zumindest steigende Gästezahlen vorweisen kann, welche wohl durch den NLP trotz anderslautender Prognosen sonst nicht erreicht werden können, ist wohl der wahre Grund für die Einrichtung dieser Gehege. Bürgermeister Meinrad Baumann (Bad Peterstal-Griesbach) wird in in diesem Zusammenhang übrigens auch mit den Worten zitiert: „Wenn die Menschen einen NLP besuchen, erwarten sie, dass dort Tiere zu sehen sind. Dies sei bei einem 10.000 Hektar großen NLP nicht garantiert, deshalb seien die geplanten Gehege willkommene touristische Anziehungspunkte…“. (Man beachte die verblüffende Ähnlichkeit seiner Aussage mit der von Herrn Schmiedel – anscheinend plappert hier ein Befürworter nur die Aussagen eines anderen nach).

Herr Jörg Möhrle vom Hotel Tanne in Tonbach, ein NLP-Befürworter der ersten Stunde, berichtete (Schwabo 03.01.2015), dass er im Jahr 2014 keine Gäste hatte, die gezielt wegen des Nationalparks in die Region gekommen sind. „Das ist wohl noch zu früh, weil kaum Veränderungen wahrgenommen werden“, glaubt er, ist aber für die Zukunft optimistisch: „Wenn erst die Attraktionen wie das Wildtierreservat an der Alexanderschanze oder das Besucherzentrum am Ruhestein stehen, wird der Nationalpark ein Erfolg, daran habe ich keinen Zweifel“, so Möhrle.
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.baiersbronn-die-stimmung-scheint-ueberwiegend-positiv.0bce81e5-ece6-4bce-8bb3-efbc895df7f2.html

Auch er ist also davon überzeugt, dass der NLP keine Touristen bringen wird! Warum sonst fordert auch er zusätzliche Attraktionen? Warum sonst auch von ihm die Forderung nach einem Wildtierreservat und einem Besucherzentrum? Wo sind denn nun die 3,05 Mio. Gäste, die der Nationalpark laut Gutachten bringen sollte? Hätte man, wenn man schon unbedingt den Tourismus fördern will, nicht auch im bestehenden Naturpark ein Wildtierreservat oder ein Naturparkhaus errichten können?

Im Schwarzwälder Boten konnte man übrigens bereits am 14.01.2014 lesen, dass im Gebiet um den neuen Nationalpark Nordschwarzwald etwa 190.000 Menschen jährlich Urlaub machen. „Damit das umstrittene Projekt für Agrarminister Bonde nicht zum Bumerang wird, sollen es schnell mehr werden. Gelingen soll das durch ein Programm an Führungen, zum Beispiel auf den Spuren wilder Tiere wie dem Luchs“.
hhttp://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.tourismus-im-schwarzwald-nationalpark-soll-auslaender-anlocken.4a86d63b-53bb-4877-b093-34de20f643f9.html

Eine willkommene Attraktion, die man wahrscheinlich gerne im Zusammenhang mit dem Nationalpark vermarkten würde, ist die im Entstehen begriffene Anima-Tierwelt im Sasbachwaldener Breitenbrunnen, zu dessen Machern es wohl bereits Kontakte gibt. Laut Bürgermeister Schmälzle, Seebach, geht es dabei um die Frage, ob das Projekt in das Angebot des Nationalparks integriert werden kann.
http://www.badische-zeitung.de/nationalpark-schwarzwald-buergermeister-der-anrainergemeinden-von-erfolg-ueberzeugt http://www.bo.de/lokales/achern-oberkirch/region-soll-tierreservat-bezuschussen

Die Errichtung solcher Tiergehege dürfte jedenfalls mehr Touristen anlocken als die Forderung von Herrn Reinhold Pix, MdL, (Grüne). Dieser forderte nämlich, dass der Luchs in Baden-Württemberg in den kommenden Jahren wieder „stabil“ angesiedelt werden sollte? Glaubt er etwa, er könne damit Touristen anlocken, die dann „auf den Spuren wilder Tiere“, wie dem bisher nicht vorhanden Luchs, hier Urlaub machen?

Man greift nun offensichtlich nach jedem sich bietenden Stohhalm, um die Tourismuszahlen irgendwie nach oben zu bringen. Vielleicht wollte er aber auch nur mediale Aufmerksamkeit erregen um sich selber ins Gespräch zu bringen. Wie die Badische Zeitung weiter berichtete, erwartet Pix für die Ansiedlung des Luchses, Kosten im „niedrigen Millionenbereich“. Er erhoffe sich eine „Kofinanzierung von Naturschützern (Anm.: also letztendlich wieder dem Steuerzahler) und Jägern“. Laut der Zeitung beabsichtigte der Grünen-Politiker, im Frühsommer 2014 eine „Expertenrunde“ einzuberufen. „Da wird es aber nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie gehen“, wird Pix zitiert. Vorbehalte und Ängste von Bevölkerung, Landwirten oder Jägern sollten bei dem Projekt ernst genommen werden, versicherte er. Ausgesetzt werden sollen nach Pix’ Plänen zehn bis 30 Tiere, die beispielsweise aus den Karpaten oder dem Jura kommen könnten.

http://www.natuerlich-jagd.de/index.php?option=com_content&view=article&id=584&Itemid=1

Bezeichnend ist, dass Herr Pix die Kosten auf die Schultern von Naturschützern und Jägern abwälzen will. Ein Vorschlag an Herrn Pix: Er soll doch für diese Maßnahme sein Privatvermögen einsetzen, und, wenn dieses nicht reicht, wovon auszugehen ist, dann sollen doch bitte seine Grünen Landtagskollegen/innen die restlichen Kosten übernehmen. Getreu dem Motto: Wer bestellt, der zahlt! Ansonsten kann man nur sagen, dass dieser Duktus: „es geht nicht mehr um das Ob sondern nur noch um das Wie“, uns Schwarzwäldern irgendwie bekannt vorkommt … dies ist das Markenzeichen einer Grünen Politik „auf Augenhöhe“.

Die Nationalparkgutachter hatten sich übrigens auch schon Gedanken darüber gemacht, wie und wie viel die Touristiker an den potenziellen Besuchern verdienen könnten. Zunächst untersuchten sie die Situation in den bestehenden deutschen Nationalparken. Ihr Fazit ist, dass „die Untersuchungen gezeigt haben, dass Nationalparkbesucher in allen bestehenden deutschen Nationalparkregionen deutlich niedrigere Reiseausgaben tätigen als sonstige Besucher dieser Regionen. Nationalparkbesucher im engeren Sinne tätigen als Tagesgäste im Durchschnitt aller bislang untersuchten Nationalparke nur 56 Prozent der Ausgaben aller Tagesgäste einer Region. Auch die Ausgaben der übernachtenden Nationalparkbesucher im engeren Sinne liegen im Durchschnitt aller bislang untersuchten Nationalparke bei 64 Prozent der Ausgaben aller Übernachtungsgäste der Region“.
(evtl. Tabelle mit abdrucken) S.285/ P.998 Nationalparkgutachten

Ihr Resümee, welches sie aus dieser Erhebung ableiteten, ist: „Obwohl Nationalparkbesucher im engeren Sinne geringere Tagesausgaben tätigen, können in Verbindung mit den überdurchschnittlichen Tagesausgaben aller Besucher der Region sowie der prognostizierten Besucherzahl, die zusätzlichen Ausgaben insgesamt in einem erheblichen Maße zur touristischen Wertschöpfung in der Region beitragen“.

Sie sagen also, dass, aufgrund der hohen Besucherzahlen und in Verbindung mit den überdurchschnittlich hohen Ausgaben „aller Besucher“, also der Nicht-Nationalparkbesucher, durch den Nationalpark eine erhebliche Wertschöpfung erreicht werden kann. Da inzwischen aber nachgewiesen wurde, dass die berechneten Besucherzahlen (3,05 Mio.) falsch sind, fällt dieses Argument schon mal weg. Dass die Gutachter außerdem noch den bereits jetzt vorhanden und zum Teil überdurchschnittlich zahlungskräftigen Tourismus einfach mal so in die Nationalparkzahlen einfließen lassen, ist unredlich! Aber was will man erwarten? Genau so wurde bereits in dem Heft „Waldland“ argumentiert, welches 2012 an 120.000 Haushalte in der Region verteilt wurde. Dort steht (S. 26): „Laut einer Studie besuchen pro Jahr 51 Millionen Menschen deutsche Nationalparks. Das bringt 2,1 Milliarden Euro ein, was 69.000 Arbeitsplätzen entspricht“. Was auch hier natürlich verschwiegen wird, ist, dass die meisten Touristen diese Urlaubsregionen (z. B. Berchtesgaden – Königssee, Nordsee – Wattenmeer, Sächsische Schweiz….) sowieso besuchen würden – auch wenn es dort keine Nationalparks geben würde! So mit Statistiken zu argumentieren, grenzt an arglistige Täuschung.

Die Gutachter untersuchten dann aber auch noch, was international für Erfahrungen mit Nationalparks gemacht wurden.
Im Gutachten steht dazu unter Punkt 6.3.4.5.4. Internationale Nationalparkerfahrungen:
1000. Bei einem Blick über die Grenzen der europäischen Nationalparks hinaus ist auffällig, dass insbesondere drei Faktoren nahezu unabhängig voneinander international für den Erfolg der Großschutzgebiete ausschlaggebend erscheinen.
Diese sind:

  • Das natürliche Vorkommen von Großtieren (insbesondere solche, die mit der jeweiligen Klimazone idealisiert in Verbindung gebracht werden); z. B. Krüger Nationalpark, Serengeti National Park, Everglades Nationalpark, Denali Nationalpark.
  • Herausragende, extreme Landschaften und Naturräume (z. B. Vulkane, Wüsten, Gletscher, großflächige Wildnisgebiete); z. B. Mount Rainier Nationalpark, Glacier Bay Nationalpark, Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark, Denali Nationalpark.
  • Die Führung der Nationalparks als touristische Resorts (vergleichbar zu Freizeitparks); z. B. Yosemite Nationalpark, Grand Canyon Nationalpark.

Für den Entwicklungsnationalpark Nordschwarzwald empfehlen sie deshalb Folgendes:
1001. Vor allem die Führung als touristisches Resort ist bei der Übertragung der Erkenntnisse auf eine potenzielle Nationalparkkulisse im Nordschwarzwald von Interesse. Sie zeigt sich in den folgenden Merkmalen:

  • Management aller touristischer Dienstleistungen im Nationalpark durch die Nationalparkverwaltung (inklusive Gastronomie- und Beherbergungseinrichtungen);
  • Bepreisung der natürlichen Attraktionen durch Eintrittsgelder;
  • Exklusivität durch geregelte Betretungsmöglichkeiten (z. B. durch begrenzte und kontrollierte Zugänge, zeitliche Beschränkungen, Zugang nur in Verbindung mit geführten Touren);
  • Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen in der Angebotsgestaltung (z. B. bei Touren);
  • Internationale Vermarktung der touristischen Angebote über Reiseveranstalter“.

Man darf gespannt sein, wie lange es dauert, bis diese Empfehlungen umgesetzt werden!!!

Erinnern möchten wir in diesem Zusammenhang an die Worte von Herrn Michael Braun / Geschäftsführer Tourismusverband Ostbayern: „… ist die Zusammenarbeit mit den Menschen, die dort leben nicht gegeben, kann der Nationalpark nicht leben“. (Schwabo/26.01.2013) Diese Aussage dürfen die Verantwortlichen durchaus als Warnung verstehen!

Aber da man ja positive Zahlen präsentieren muss, verwundert die Aussage von Herrn Schlund (28.08.2014, Schwabo): „der Nationalpark Schwarzwald sei bereits schon heute ein Besuchermagnet“ wenig. Er hat ja auch ein persönliches Interesse daran, dass positiv berichtet wird. Das Naturschutzzentrum Ruhestein, der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit seinen ganzen Schutzgebieten, lockte übrigens mit sehr viel weniger Mitteln und weniger Personal auch schon viele Besucher an. Geradezu paradox ist aber, dass der Schwabo ebenfalls am 28.08.2014 (!) in einem anderen Artikel folgendes berichtete: „Schwarzwald trotzt Städtereisen. So viele Übernachtungen wie noch nie. Nationalpark hat mit Rekordzahlen nichts zu tun.“

Hat sich nun der NLP bereits positiv auf die Besucherzahlen ausgewirkt wie Herr Schlund sagte, oder haben die Rekordzahlen mit dem NLP nichts zu tun, wie Herr Wolfgang Weiler von der Schwarzwald Tourismus GmbH sagte? Welche Aussage glaubwürdiger ist, dürfen Sie liebe Leser selbst entscheiden.

„Wir können uns nicht damit zufrieden geben, vor dem Zaun (Anmerk.: des Entwicklungsnationalparks) zu sitzen und den anderen beim Spielen zuzusehen“,
sagte der OB von Freudenstadt, Herr Osswald (Schwabo 14.01.2014). Dass die Freudenstädter Bürger den Entwicklungsnationalpark bei der Bürgerbefragung ablehnten, ist wohl auch für ihn irrelevant. Ihm geht es um die Steigerung der Übernachtungszahlen. Deshalb wolle Freudenstadt auch zusätzlich auf kommunaler Ebene konstruktiv beim Tierreservat mitarbeiten. Geld macht halt Meinung!

Wir waren mal der Auffassung, dass ein gewählter Volksvertreter den Willen „seiner“ Bürger zu vertreten, umzusetzen habe. Offensichtlich macht aber auch Herr Osswald was er will und nicht das was die Bürger wollen.

Am 07.01.2015 gab Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) bekannt, wer bis 2020 vom EU-Hilfsprogramm „Leader“ profitieren wird.
18 der insgesamt 25 Aktionsgruppen, die sich für das Programm beworben hatten, kamen zum Zug. Auf Bondes Zuschlagsliste stehen u. .a: Die Aktionsgruppe der Region Mittelbaden, auf deren Gemarkung das alte Kurhaus Sand steht. Die „Leader“-Aktionsgruppen Nordschwarzwald und Ortenau. Damit sind die drei an den Nationalpark Schwarzwald grenzenden Regionen komplett im Hilfsprogramm vertreten. Im Schwarzwälder Boten konnte man dazu lesen, dass „mit den ,Leader‘-Mitteln die Tiergehege mitfinanziert werden sollen. Außerdem will der Bürgermeister von FDS, Herr Osswald, mit zwei anderen Leuchtturmprojekten an der Schwarzwaldhochstraße in die neue ,Leader‘-Förderperiode starten: einem Weißtannenturm an der Alexanderschanze und einer Marktscheune an der Kniebishütte. Der Tannenturm, der laut Osswald noch in 2015 entstehen sollte, würde 30 Meter hoch, und soll Besuchern des 970 Meter hoch gelegenen Freudenstädter Ortsteils Kniebis künftig einen Rundumblick aus 1000 Höhenmetern bieten. Als lohnende Investition sieht der Freudenstädter Rathauschef die Marktscheune. Sie soll voraussichtlich in 2016 gebaut werden und Besuchern und Einheimischen eine große Auswahl an regionalen Produkte bieten.“

„Von Bondes Fördertopf (Zitat Frau Wiegert/Schwabo) sollen noch weitere kleine Projekte am Rande des Nationalparks und der Schwarzwaldhochstraße profitieren. So zum Beispiel die alte Kapelle in Herrenwies bei Forbach (Kreis Rastatt)“. Spekuliert wird auch über Sanierungsarbeiten am Kurhaus Sand. „Dort, an der Nord-Süd-Achse Baden-Baden-Freudenstadt und am Scheitelpunkt von Rheintal und Murgtal müsse dringend ein Portal zum Nationalpark entstehen.“

Wir finden es auch gut, dass EU-Mittel (nicht: „Bondes Fördertopf“) hier in die Region fließen. Die Frage stellt sich aber, was haben „Leader“-Mittel mit dem Nationalpark zu tun? Will hier die Grün-Rote Landesregierung, mit einem gönnerhaften Rückfluss von auch von uns bezahlten Steuergeldern in die Region, welche außerdem den Landeshaushalt nicht belasten, eine positive Stimmung pro Nationalpark erzeugen? Dieser Verdacht drängt sich einem geradezu auf, wenn man den Artikel von Frau Wiegert vom Schwabo liest! Zumal Herr Bonde schon früher mit dem Argument „das Land wäre bereit … viel Geld in die Hand zu nehmen“ für den Nationalpark warb. Ein „Argument“, welches übrigens so manchen Kommunalpolitiker überzeugte. Offensichtlich soll hier, nachdem die Bevölkerung hier vor Ort den Nationalpark immer noch nicht befürwortet, nun mit „Geld Meinung gemacht werden“.

Wirtschaftliche Vorteile

Grundsätzlich konnte man feststellen, dass ein nicht unerheblicher Teil der maßgeblichen Befürworter sich deshalb pro Nationalpark äußern, weil sie sich wirtschaftliche Vorteile erhofften.

Dies brachte auch BZ-Redakteur Stefan Hupka in einem Kommentar zum Ausdruck (03.05.2014):
„…Wer vom Wald lebt, vom Holzeinschlag oder von der Jagd, der konnte es – bisher. Künftig kann er das nicht mehr ohne Weiteres, denn von diesen speziellen zehntausend Hektar Nordschwarzwald, die feierlich zum Nationalpark wurden, wollen nun andere leben: Bedienstete der Nationalparkverwaltung, Ranger, Wanderführer, eine Tourismusbranche, die auf den neuen Publikumsmagneten hofft – nicht zuletzt Politiker, die sich an diesem Wochenende stolz in ,ihrem‘ Nationalpark zeigen werden. Der ist, da mache man sich nichts vor, in erster Linie ein Prestigeprojekt. …“
http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/prestigeprojekt-ohne-nutzen-der-nationalpark-schwarzwald-84176562.html

Aber nicht nur bei den von Herrn Hupka genannten, sondern auch bei Vertretern der Kommunen und Landkreisen, schimmert wohl noch immer das Eurozeichen in den Augen wenn sie an die Fördermillionen denken.
Herr Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, sagte mal: „Geld macht Meinung“ als er uns Gegner diskreditieren wollte – ob er dies auch bei den Befürwortern so sieht?

Herr Jörg Möhrle, Hotelier aus Baiersbronn, wird in der Broschüre „Waldland“ mit den Worten zitiert: „Durch die Einrichtung eines Nationalparks in unserer Region würden jährlich Millionen Euro in die Region fließen. Erlebniszentren… könnten entstehen“.

Es gibt aber auch noch eine andere Gruppe unter den Befürwortern, die ganz konkret von der Einrichtung des Entwicklungsnationalparks profitieren möchten, dies sind die Regional- und Kommunalpolitiker. Am 17.04.2013 konnte man in den Stuttgarter Nachrichten folgendes lesen: „Regional- und Lokalpolitiker putzen quasi bei Herrn Bonde die Türklinke, um den Zuschlag und damit die Zuschüsse für den Nationalpark zu erhalten. Den Anfang hatte der Calwer Landrat Helmut Riegger gemacht, der Grün-Rot anbot, weitere Flächen im Staatswald zu erhalten – auf dass der Nationalpark in den Kreis Calw kommt. Inzwischen haben auch Baden-Badens OB Wolfgang Gerstner und der Freudenstädter Landrat Klaus Michael Rückert dem Land weitere Flächen angeboten, damit sie den Zuschlag erhalten.“
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.baiersbronn-nationalpark-vergebliche-versoehnungstour.d0612951-35e2-43fc-b4f4-34851ccc2629.html

Dass die Bevölkerung, die Wähler, dies gar nicht wollen, zählt für diese Herren offenbar nicht.

Auch die Bürgermeister der Gemeinden Seebach, Sasbachwalden und Sasbach haben wohl diese Einstellung, sehen nur die finanziellen Vorteile für Ihre Kommunen. So konnte man (18.10.2013 bo) lesen, dass „diese Gemeinden einen Geländetausch mit dem Land anstrebten, welcher aber vorerst gescheitert ist“.
http://www.bo.de/lokales/achern-oberkirch/hochmoor-faellt-erst-einmal-aus-nationalpark-kulisse

Weiter wurde berichtet: „Die Gemeinden beabsichtigten, Hochmoor-Flächen (45 Hektar von Sasbach, 130 Hektar von Sasbachwalden) für den Nationalpark zur Verfügung stellen, dafür wollten sie das landeseigene Gelände am Schwarzkopf erhalten, um dies für die Ausweisung von Windkraftstandorten nutzen zu können. »Die Gemeinderäte von Sasbach und Sasbachwalden trennen sich nicht gerne von dem Gebiet«, meinte Valentin Doll. Aber man hätte dies eben wegen der Windkraftstandorte in Kauf genommen. Der Tausch scheitert bislang jedenfalls an der unterschiedlichen Bewertung des Moor-Areals. Das Hochmoor dürfe nicht rein nach dem Bodenwert eingestuft werden, erklärt Reinhard Schmälzle. Es habe auch einen Naturschutzwert. Dies werde aber beim Land nicht so gesehen. »Die Konditionen waren zu schlecht«, ergänzt Valentin Doll. In einem Vorgespräch hatte es, so Reinhard Schmälzle, noch nach einer Einigung ausgesehen … Offen ist auch, wie es in Sachen Windkraft weitergeht. Sollte das Land dem Tausch nicht zustimmen, bliebe es Eigentümer des Geländes am Schwarzkopf. Dennoch wäre es möglich, dass die umliegenden Gemeinden dort Windkraftanlagen einrichten. Aber das Land könne dann eben auch die Windkraft selbst betreiben oder das Areal an andere Bewerber verpachten, meint Seebachs Bürgermeister Reinhard Schmälzle“.
Die Gemeinden wollten also wirtschaftlich wertlose Flächen mit wirtschaftlich wertvollen Flächen tauschen, auf welchen zukünftig auch noch Windkraftanlagen errichtet werden können, um damit Steuereinnahmen oder Pachterträge zu generieren und sagen dann noch (mit Krokodilstränen in den Augen?): „wir trennen uns nicht gerne von dem Gebiet“.

Schon vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, dass in der Öffentlichkeit immer der Eindruck erweckt wird, die badischen Gemeinden würden sich mehr für den Umweltschutz einsetzen und seien deshalb für die Einrichtung eines Nationalparks. Dass dies so nicht stimmen kann zeigt auch der Blick auf das Reden und Handeln dieser Kommunalvertreter in der Vergangenheit. Dazu eine kleine Rückblende: Am 14.10.2002 konnte man in der bo lesen: „Der Seebacher Rat lehnte wie der Ottenhöfener und Sasbachwaldener Rat die Naturparkverordnung ab, und dies vor dem Hintergrund, dass Seebachs Gemarkungsfläche zu 95 Prozent sowieso schon Landschaftsschutzgebiet ist.“ Damals war übrigens auch schon Herr Schmälzle Bürgermeister in Seebach. Als Grund der Ablehnung wird angeführt: „Die Ablehnung war auch eine Antwort auf das, was vor Jahren geschah, als es um die Ausweisung von Gemarkungsflächen als Landschaftsschutzgebiet ging. Was war damals der Gemeinde, so war aus dem Rat zu hören, nicht alles an Vorteilen inklusive Geldzuweisungen versprochen worden, wenn man Seebacher Gemarkungsflächen als Landschaftsschutzgebiet ausweise. Nichts davon sei im Grunde wahr geworden, stattdessen sei die Entwicklungsfähigkeit der Gemeinde beschnitten worden und die Landwirte würden auf ihrem eigenen Besitz in vielerlei Hinsicht gegängelt und bevormundet.“
http://www.bo.de/lokales/achern-oberkirch/seebach-wuenscht-keine-weitere-gaengelung

2003/2004 sollte dann übrigens sogar mit Unterstützung diverser badischer Gemeinden eine 420 m lange Skihalle auf der Gemarkung von Sasbachwalden errichtet werden.
Daten und Fakten zur damals geplanten Halle: Hallenlänge: 420 m, Hallenbreite: 60 m, Hallenhöhe: 15 m, Hallengröße: 25.200 qm (entspricht ca. 4 Fußballfelder), Parkierungsfläche:11.000 qm (entspricht 400 Parkplätzen), Rodungsfläche: 4 ha Wald, Erdbewegung: 11.000 cbm, Wasserbedarf:13.000 cbm pro Jahr, Energieeinsatz: 4,5 Mio. kWh, CO2-Ausstoß bei der Stromproduktion: 2400 Tonnen pro Jahr (beim derzeit üblichen Strommix) Kosten: 23 Mio. Euro, Besucher (erwartet): 415.000 pro Jahr (Einzugsradius: 90 Autominuten) Verkehrsaufkommen: 477 PKW brutto pro Tag bzw. 234 PKW netto + 10 Reisebusse pro Tag
http://www.alpenverein-bw.de/downloads/dav_position_skihalle.pdf

Die Gemeinden/die Kommunalvertreter die damals dieses absolut natur- und klimaschädliche Projekt befürworteten, sind übrigens die gleichen, die nun angeblich hinter dem Projekt Nationalpark stehen. Als die damalige Landesregierung die Skihalle ablehnte, haben die „Oberbürgermeister und Bürgermeister der Region unter der Federführung von Acherns OB Reinhart Köstlin einen Brief an die Landesregierung geschrieben mit der Bitte, die Städte und Gemeinden des Sasbach-, Acher- und Renchtals zu einer »Förderkonferenz« einzuladen. »Wir sind der Auffassung, dass es nicht bei dieser negativen Entscheidung zur Skihalle bleiben kann, ohne dass neue positive Akzente gesetzt werden, die insbesondere die Tourismusgemeinden voranbringen«, hieß es in dem Schreiben.
Unterzeichnet wurde das Schreiben von den Oberbürgermeistern Reinhart Köstlin (Achern) und Matthias Braun (Oberkirch), sowie den Bürgermeistern Johann Keller (Bad Peterstal-Griesbach), Johann Horeth (Lauf), Klaus-Peter Mungenast (Kappelrodeck), Dieter Klotz (Ottenhöfen). Valentin Doll (Sasbachwalden), Reinhard Schmälzle (Seebach), Wolfgang Reinholz (Sasbach), Bernd Siefermann (Renchen) und Thomas Grieser (Oppenau).“
(bo,19.03.2004)
http://www.bo.de/lokales/achern-oberkirch/buergermeister-fordern-foerderkonferenz

Damals wurden die Befürworter des Projekts Skihalle von den Umweltverbänden (NABU, BUND …) übrigens massiv angegriffen. Wenn man sich nun die Aussagen dieser Kommunalvertreter rund um die Ausweisung des Naturparks oder den Bau der Skihalle vor Augen führt, stellt man fest: die Umwelt/der Klimaschutz war für die Vertreter dieser Kommunen damals zweitrangig. Ihnen ging es um Tourismusförderung, um Arbeitsplätze, um Fördergelder! Wenn man nun beim Thema Nationalpark liest, dass „die badischen Gemeinden den NLP unterstützen“ (dass Forbach, Bad Herrenalb, Oppenau auch badisch sind wird natürlich ausgeblendet), dann stellt sich schon die Frage ob bei diesen Zustimmung signalisierenden Kommunalvertretern wirklich der angebliche Umweltschutzgedanke beim NLP im Vordergrund steht, oder ob die Zustimmung zum Projekt NLP, diese Diskrepanz zum früheren Reden und Handeln, dieser vermeintliche Sinneswandel bei diesen Kommunalvertretern, nicht ausschließlich finanzielle Gründe hat.
http://www.badische-zeitung.de/ortenaukreis/nationalpark-schwarzwald-buergermeister-der-anrainergemeinden-von-erfolg-ueberzeugt–80058464.html

Fazit: Es verfestigt sich der Eindruck, dass der beim Entwicklungsnationalpark Nordschwarzwald falsch verstandene Umweltschutzgedanke, bei manchen auch badischen Gemeindevertretern/Befürwortern doch nicht so ausgeprägt und die angebliche Zustimmung zum Nationalpark bei den badischen Gemeinden doch nicht so uneigennützig ist, wie es gerne von den Befürwortern dargestellt wird. Wie sagte doch Herr Mayer vom BUND? – „Geld macht Meinung“!

Ein eindeutiges Beispiel für die Richtigkeit dieser Behauptung liefert auch das Interkommunale Forderungspapier zum geplanten Nationalpark Nordschwarzwald, welches am 11.06.2013 in der Gemeinde Bühlertal beraten wurde und eindeutig belegt, dass bei diesen Gemeindevertretern der Umweltschutzgedanke keine Rolle spielt bzw. zumindest zweitrangig ist.

 

Bürgermeisteramt Bühlertal
Amt:  Bürgermeister
Zeichen: br-li
Datum: 05.06.2013
Vorlagebericht  für die öffentliche Sitzung am 11.06.2013

TOP: Interkommunales Forderungspapier zum geplanten  Nationalpark Nordschwarzwald  

Am 4. Juni 2013 hat Herr Minister Bonde die vorläufige Gebietskulisse für den geplanten Nationalpark Nordschwarzwald verkündet. Die Gemeinde Bühlertal ist dabei als Grundstückseigentümer nicht einbezogen sondern nur als Angrenzer an die vorläufige Gebietskulisse betroffen.  Neben der Staatswaldfläche wurden in der Gebietskulisse Hoher Ochsenkopf Waldflächen der Städte Baden-Baden und Bühl (vorbehaltlich der Zustimmung durch den Stadtrat am 12. Juni 2013) berücksichtigt. (siehe Plan)

Bereits im Vorfeld haben die Städte Bühl und Gernsbach sowie die Kommunen Ottersweier, Weisenbach, Forbach und Bühlertal – unter der Federführung der Landkreisverwaltung – ein interkommunal abgestimmtes Forderungspapier erstellt, das die 10 wichtigsten Kernvoraussetzungen für einen geplanten Nationalpark definiert.

Dieses Forderungspapier soll in allen Gemeinderäten zur Abstimmung gestellt und darauf aufbauend am 18. Juni 2013 im Ausschuss für Umwelt, Bau und Planung sowie am 23. Juli 2013 im Kreistag mit gleichem Wortlaut und Beschlussvorschlag beraten werden.

Der Forderungskatalog umfasst folgende Punkte:

  1. Kommunale Mitbestimmung
    –  Paritätische Besetzung der Entscheidungsorgane des Nationalparks zwischen Land, Kommunen und Landkreisen
    – Mitwirkung des Nationalparkrats bei der Besetzung der Geschäftsführung des Nationalparks
  2. Schaffung touristischer und naturpädagogischer Attraktionen
    –  Neubau eines touristischen Infozentrums an der Schwarzwaldhochstraße im Bereich Sand bzw.  Hundseck
    –  Ausbau des Infozentrums Kaltenbronn zu einer natur- und waldpädagogischen Bildungseinrichtung
    –  Schaffung attraktiver Einzeleinrichtungen, z. B. Baumwipfelpfad und Wildtiergehegen
    – Ausbau und Ertüchtigung des ÖPNV-Angebots in der Region
  3. Aufnahme der Randzonen des Nationalparks (Anrainer-Gemeinden) in die LEADER-Förderkulisse als Verbindungselement
  4. Erhaltung und ungeschmälerte Finanzierung des Naturparks Schwarwald Mitte/Nord und enge Abstimmung der Tourismus-Förderung mit der Schwarzwald-Tourismus GmbH und den örtlichen Tourismusstellen
  5. keine Kürzung der kommunalen Fördertöpfe zugunsten des Nationalparks, sondern echte Zusatzförderung durch das neue Großschutzgebiet
  6. Verbindlicher Bestandsschutz und weitere Entwicklungsmöglichkeiten für touristische Einrichtungen (insbesondere Loipen, Skilifte, Rodel- und Bobbahnen, Wander- und Radwege, Hotels, Gaststätten, Jugendherbergen, Campingplätze, Ski- und Wanderhütten) sowie die Durchführung von Traditionellen Sportveranstaltungen in der bisherigen Form und Umgebung
  7. Sicherstellung der Bejagung in der Nationalparkkulisse
  8. Schutz benachbarter Kommunal- und Privatwälder vor Borkenkäferbefall
    – Schutzstreifen mind. 1.000 m anstelle der zugestandenen 500 m zur Vermeidung von Holzschäden
    – Begrenzung der Kernzone gem. Bundesnaturschutzgesetz auf 50 % der Gesamtfläche des Nationalparks (nicht 75 % nach den rechtlich unverbindlichen internationalen Standards)
    – Unverzügliche Bergung und Vermarktung von – Sturm- und Käferholz im Schutzstreifen des Nationalparks zu Vermeidung großflächiger Holzschäden
    – Gesicherte Entschädigungsregelung für Wild- und Borkenkäferschäden, Umkehr der Beweislast
  9. Einbindung der Fachleute des Forstes und des Tourismus aus der Region in den weiteren Prozess und in die evtl. Umsetzung des Nationalparks
  10. Verbindliche Übernahmeangebote für Bedienstete des Naturschutzes und des Forstes für eine Verwendung in der Nationalparkverwaltung.

Beschlussvorschlag:  

Der Gemeinderat beschließt das „Interkommunal abgestimmte Forderungspapier“ das bei einer Errichtung eines Nationalpark Nordschwarzwald vom Land Baden-Württemberg umgesetzt werden muss. 

http://www.buehlertal.de/system/files/2013+06+11+TOP+10.pdf (File nicht mehr auf Server verfügbar)

Am 13.06.2013 konnte man dann in den Stuttgarter Nachrichten  folgendes lesen:

Bühl bietet 135 Hektar des Stadtwaldes an der Schwarzwaldhochstraße für den Nationalpark an. ….  Bühl will vom Land für die 135 Hektar Kommunalwald allerdings Staatsflächen um die Burg Windeck. Die Bühler verbinden mit der Offerte auch den Wunsch, dass das traditionsreiche, vom Verfall bedrohte historische Kurhaus Sand an der Schwarzwaldhochstraße ein Besucherzentrum des Nationalparks wird. Baden-Baden will 430 Hektar Stadtwald beim Plättig nahe der Bühlerhöhe zur Verfügung stellen. Dadurch wird das kleinere Ochsenkopf-Gebiet im Norden erweitert. Die Baden-Badener wollen ihr Gebiet eventuell dem Land verpachten. Beide Städte gehen davon aus, dass sie für ihr Entgegenkommen einen Sitz im Nationalparkrat erhalten.

Aus Sicht des NABU zeigt der Bühler Beschluss übrigens angeblich, „dass viele Kommunen und Menschen der Region voll hinter dem Nationalpark stehen“.

Nur, wenn dies wirklich so wäre, wie es der NABU behauptet, wenn sich also die subventionshungrigen Bürgermeister der „Zustimmung vieler Menschen“ so sicher gewesen wären, warum hat dann auch der Bühler Gemeinderat die CDU-Forderung nach einem Bürgerentscheid mehrheitlich abgelehnt??? – Offensichtlich hatten sie die Befürchtung, dass das gleiche geschehen würde wie zum Beispiel in der badischen Gemeinde Oppenau, wo die Bürger das Projekt ablehnten, und dies obwohl auch dort vor der Abstimmung behauptet wurde, die Mehrheit wäre dafür!

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.buehl-steuert-wald-bei-der-geplante-nationalpark-nordschwarzwald-waechst-zusammen.bc0da7f1-6d0d-4685-8bc8-91a06f153173.html

Es entsprach und entspricht nicht den Tatsachen, wenn in manchen Medien immer wieder der Eindruck erweckt wurde/wird, die badische Seite wäre ohne Wenn und Aber für das Umweltschutzprojekt(?) Entwicklungsnationalpark, und nur die (hinterwäldlerischen) Württemberger wären dagegen.

Denn den meisten, der Zustimmung signalisierenden badischen Kommunalvertretern, ging es, wie wir hier nachgewiesen haben, nicht um den Naturschutz, sondern offensichtlich um finanzielle Vorteile für ihre Kommunen! „Geld macht Meinung“!

Vom Entwicklungsnationalpark selbst sind die badischen Kommunen, mit Ausnahme von Forbach, nur mit sehr geringen Flächenanteilen betroffen und diese hat sich zumindest die Stadt Bühl (aber wahrscheinlich nicht nur diese) sogar noch vergolden lassen.

Am 21.12.2014 wurde im Badischen Tagblatt bekannt gegeben, dass ein „fairer, wertgleicher Tausch“  von Wald zwischen dem Land und der Stadt Bühl durchgeführt wurde. Das Land erhielt diesem Bericht zufolge „137 Hekar Wald von der Stadt Bühl, im Gegenzug erhielt Bühl 142,8 Hektar Wald vom Land BW und außerdem noch 412.000,– Euro“! (siehe auch Schwabo 11.07.2015). Die Verhandlungen liefen übrigens bereits seit 2013. Weiter steht in dem Bericht: „Die Annahme des ausgehandelten Ergebnisses durch den Finanzausschuss des Landtages dürfe als gesichert gelten. Der Bühler Gemeinderat lobte den ausgehandelten Waldtausch und ratifizierte bereits einstimmig den ausgehandelten Deal“. Kommentare der Bühler Gemeinderäte: Das Ergebnis sei ein „fairer Ausgleich“, „gehe in Ordnung“, sei „kein schlechtes Geschäft“,  Sie lobten das Verhandlungsgeschick von OB Schnurr „das ist vollkommen geräuschlos über die Bühne gegangen“. Nachdem ursprünglich Vorbehalte gegen den NLP im Gemeinderat vorhanden waren, hat hier wohl auch „Geld Meinung gemacht“. So verwundert es auch nicht, dass berichtet wird, dass die Stadt Bühl „das Gelände zur Förderung des NLP  gerne hergegeben habe“. Gerne hergegeben haben Sie das Gelände wohl doch nur, weil sie im Gegenzug einen üppigen Mehrwert bekommen haben. Offensichtlich geht es den Beteiligten Damen und Herren ausschließlich um Vorteile für Ihre Gemeinde und eben nicht um das Naturschutzprojekt(?) Nationalpark. Herr Bonde sagte im Anfangsstadium der Diskussion um einen NLP, dass „das Land bereit wäre (wenn ein NLP käme) viel Geld in die Hand zu nehmen“. Frau Wiegert vom Schwarzwälder Boten gab daraufhin die Empfehlung: „wenn es Brei regnet soll man den Löffel raushalten“. Diese Empfehlung wurde nun von der Stadt Bühl umgesetzt!

Den Meinungsmachern bei den Zeitungen dürfte das Ergebnis jedenfalls gelegen kommen, können sie sich doch bestätigt fühlen, wenn sie schreiben, dass die badischen Gemeinden (mit Ausnahme von Forbach, Bad Herrenalb und Oppenau, diese wurden leider immer wieder “vergessen“) für den Nationalpark wären. Was die Bürger in diesen Gemeinden denken und welche Motive bei den Kommunen den Ausschlag gaben (Geld macht Meinung!), spielt ja für manche Damen und Herren Medienvertreter keine Rolle!

Bildquelle:https://www.facebook.com/pro.nationalpark.schwarzwald/photos/a.328219737209199.76829.328214050543101/876165935747907/?type=1&theater

Aber nicht nur Kommunen sondern auch eine Unternehmensgruppe gibt es, die massiv von der grün-roten Landesregierung profitieren, die Beratungsgesellschaften. So konnte man in einem Artikel mit der Überschrift „Park-Assistenten von PwC“ folgendes lesen: PwC leistet Parkhilfe, genauer gesagt National-Parkhilfe. … Mit dem Projekt hoffen die Park-Assistenten von PwC, in Baden-Württemberg künftig weitere Aufträge aus dem öffentlichen Bereich zu gewinnen. Denn bisher ist PwC im Public Sector in diesem Bundesland noch nicht so vertreten, wie es seinem deutschlandweiten Marktanteil entspricht. „Das Ziel ist vor allem, PwC stärker auch als Beratungsgesellschaft zu positionieren. Denn noch werden wir als reine WP-Gesellschaft gesehen“, sagt Barbara Wieler (x-los Group Sustainability).

Glaubt eigentlich irgend jemand, dass eine Gesellschaft, die weitere Aufträge erhalten will, ein Gutachten erarbeitet, das nicht das Ergebnis liefert, welches der Auftraggeber haben will? Hier hat wohl auch „Geld Meinung gemacht“!

Aufgrund der Tatsache, dass PricewaterhouseCoopers (PwC) Konzerne sehr erfolgreich dabei berät wie man (u. a.) in Deutschland keine oder nur noch ganz minimale Steuern bezahlt, wurde die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) von dem Magazin „Stern“ als „legaler Staatsfeind“ bezeichnet. Dieser „Staatsfeind“ wurde von der Grün-Roten Landesregierung (als Belohnung für deren gemeinschaftsschädigendendes Verhalten?) mit der Erstellung des NLP-Gutachtens beauftragt und kassierte dafür hunderttausende von Euros, welche von uns Steuerzahlern erwirtschaftet werden müssen!

Am 27.08.2014 verbreitete der SWR die Meldung, dass die grün-rote Landesregierung im Jahr 2012 mehr als 18 Millionen Euro für Gutachten ausgegeben hat. Im Jahr 2010, als in Baden-Württemberg Schwarz-Gelb regierte, zahlte die Landesregierung knapp zehn Millionen Euro für Gutachten. Diese extreme Steigerung ist inzwischen auch dem Rechnungshof aufgefallen. So sagte der Präsident des Landesrechnungshofes, Max Munding: „es sei auffallend, dass das Volumen solcher Aufträge unter Grün-Rot deutlich angestiegen sei“. Deshalb will seine Behörde die Vergabepraxis und den Nutzwert solcher Gutachten prüfen. Man sei nicht dagegen, dass externer Sachverstand genutzt werde, aber „primär sollte der Sachverstand im eigenen Hause genutzt werden.“

Der Chef des Beamtenbundes, Volker Stich, wertet den Anstieg externer Gutachten als fehlenden Vertrauensbeweis gegenüber den Beamten im Land. „Seit dem Amtsantritt der grün-roten Koalition sei in manchen Ministerien zwischen der politischen Spitze und der Verwaltung nicht mehr die Vertrauensbasis wie unter Schwarz-Gelb vorhanden“.

Auch das Staatsministerium will nun angeblich prüfen, warum die Kosten für externe Gutachten derart in die Höhe geschnellt sind. Ein Sprecher wies aber gleichzeitig darauf hin, dass die Gutachten von den Ministerien oder nachrangigen Behörden – wie etwa Universitäten – in Eigenverantwortung in Auftrag gegeben werden.

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/verdoppelung-der-kosten-rechnungshof-prueft-auftraege-fuer-gutachten/-/id=1622/nid=1622/did=14059394/13q7u2r/index.html (Seite nicht mehr aufrufbar)

Man darf gespannt sein ob jemals veröffentlicht wird, ob für diese Steigerung wirklich „nachrangige Behörden und Universitäten“ verantwortlich sind, oder ob, wie wir vermuten, alleine die grün-rote Landesregierung dafür verantwortlich ist!

 

Verkehrskonzept

„…zeitgleich mit der Nationalparkplanung sollen innovative Verkehrskonzepte entwickelt werden“ (Schwabo 26.10.2013) sagte Landrat Klaus Michael Rückert.

 Leider ist nicht klar, wie weit diese „innovativen Verkehrskonzepte“ gediehen sind. Vielleicht brütet Verkehrsminister Hermann schon seit längerem über einer Lösung, wie die Millionen Nationalparkbesucher gesteuert werden können? Hatte er und seine Behörde deshalb 2013 „vergessen“ die „Swing-Mittel“ (Zuschüsse für den Straßenbau vom Bund) abzurufen? Auf jeden Fall rechnet die Landesregierung, angesichts der prognostizierten 3,05 Mio. Besucher, mit einer erheblichen Zunahme des Individualverkehrs durch den Entwicklungsnationalpark.

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) will nach Medienberichten 60 000 Euro für eine Vorstudie zu »klugen Verkehrskonzepten« im geplanten Nationalpark ausgeben. Das Mobilitätskonzept entwickeln solle dann aber der Nationalparkrat, hieß es. Es gehe darum, den Autoverkehr möglichst zu minimieren, gleichzeitig aber die Mobilität der Besucher – etwa durch den Einsatz von Shuttlebussen – zu gewährleisten.

http://www.bo.de/nachrichten/nachrichten-regional/nationalpark-jetzt-wirds-ernst

Im Nationalpark Eifel wurde übrigens auch ein „innovatives Verkehrskonzept“ entwickelt, das die Nationalparkgäste zum Umstieg vom Auto auf den ÖPNV animieren sollte. Als Erfolgsmeldung wurde 5 Jahre nach der Gründung des Nationalparks / Einführung des „innovativen Verkehrskonzepts“ bekannt gegeben, dass „nun bereits acht Prozent der Tages- und sechs Prozent der Übernachtungsgäste die teils neu entwickelten Angebote zur Anreise mit Bus und Bahn nutzen“. http://www.reisenews-online.de/2008/06/20/nationalpark-eifel-als-wirtschaftsmotor/

Man hätte auch schreiben können: 92 Prozent bzw. 94 Prozent reisen trotz des tollen, innovativen Verkehrskonzepts weiterhin umweltschädlich mit dem Auto an …. tolles Ergebnis!

Markus Rösler prognostizierte übrigens zum Thema Verkehr: „Wir wollen nicht, dass die Parkgemeinden im Individualverkehr ersticken“. Er setzt daher auf „intelligente Konzepte wie Bustransfers zwischen den Sehenswürdigkeiten“. Denn die Touristen werden auf den Nationalpark anspringen „2014 wird es tröpfchenweise steigen, 2015 spürbar, und 2016 werden deutlich mehr Menschen in der Region unterwegs sein“.

http://www.markusroesler.de/fileadmin/roesler/dateien/presse2014/22.2.2014Schwarzwaldbote

Wir werden sehen was geschieht…. und vor allem woher die Besucher kommen werden. Ob zum Beispiel Herr Schmiedel mit seiner, in denglisch getätigten Prophezeiung, dass uns ein „Nationalpark (Näschänelpark)BlackForest verbunden mit einem Package Daimler-Automuseum Besucherströme aus Amerika verschafft“, recht hat?

Oder ob die vom MLR bekanntgegebenen Angabe, dass „die höchsten Wachstumszahlen unter den ausländischen Gästen bei den Chinesen, Israelis und Arabern vom Persischen Golf verzeichnet werden“, dann auch für den Nationalpark gelten wird? Eine Gruppe, deren bisheriger Anteil an den Gästen in BW übrigens in absoluten Zahlen mit etwas mehr als 200.000 Besuchern gering ist, deren Aufenthalt aber durch die weite Flugreise ökologisch nicht wieder gut zu machen sein wird. „Diese Urlauber sind natürlich trotzdem willkommen“, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums.

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.tourismus-im-schwarzwald-nationalpark-soll-auslaender-anlocken.4a86d63b-53bb-4877-b093-34de20f643f9.html

Auch wenn man natürlich nicht zugeben kann, dass die Einrichtung des Entwicklungsnationalparks Nordschwarzwald, auch in diesem Punkt, wie auch in vielen anderen Punkten, nicht zu Ende gedacht wurde, enthält diese Aussage der Sprecherin des MLR doch erste Anzeichen von Einsicht, dass der Entwicklungsnationalpark Nordschwarzwald auch unter ökologischen Gesichtspunkten sehr fragwürdig ist. Zu hoffen ist, dass nicht nur bei der Sprecherin, sondern im Landwirtschaftsministerium insgesamt realisiert wurde, dass dieser Entwicklungsnationalpark, so wie er geplant und vermarktet werden soll, dem Klima und der Umwelt mehr schadet als nützt.

Wie bereits erwähnt sind wir grundsätzlich der Ansicht, dass es an Irreführung grenzt, wenn man, so wie z.B. Herr Bonde, behauptet der Nationalpark Schwarzwald verfüge als vierzehnter Nationalpark in Deutschland über ein „Alleinstellungsmerkmal“. Inzwischen haben wir aber festgestellt, dass der Nationalpark in einem Punkt doch über ein Alleinstellungsmerkmal verfügt. Der Nationalpark Schwarzwald dürfte nämlich der einzige Nationalpark weltweit sein, in dem zumindest ein Autokonzern seine Fahrzeuge, PKW’s +LKW’s testet. Die  Täler hoch und runter und über die Schwarzwaldhochstraße hin und her werden diese Fahrzeuge so lange bewegt, bis Defekte auftreten, Schwachstellen sichtbar werden. Vielleicht könnte man mit dem Werbeslogan „Erlkönigjagd im Nationalpark“ oder „Testwagenfahrer im Nationalpark – das ganz besondere Naturerlebnis“ eine ganz neue Touristenklientel ansprechen!? Vielleicht könnten dann auch so die im Gutachten prognostizierte Gästezahl von 3,05 Mio. Besucher erreicht werden!