Im Gegensatz zu Herrn Waldenspuhl, war bei Herrn Schlund, Leiter des Naturschutzzentrums, von Anfang an klar, dass er die Einrichtung eines Entwicklungsnationalparks massiv unterstützte und er auch als potenzieller Leiter des Entwicklungsnationalparks vorgesehen war. Dass aber auch seine Aussagen nicht frei von Widersprüchen sind, werden wir hier aufzeigen.

So wird er, am 19.09.2011 im Schwabo, mit folgender Aussage zitiert: „… dass die Bejagung sichergestellt werden müsse und dass eine Borkenkäferproblematik wie im Bayerischen Wald nicht zu befürchten sei. Ein Totholzanteil von 30 % werde angestrebt“.
Nur einen Monat später hörte sich dies schon ein wenig anders an. Am 19.10.2011, konnte man im Schwabo lesen: „Natur bleibt Natur – damit machte Schlund deutlich, dass der Mensch nicht mehr eingreifen wird“. Was nun: Bejagung, Management, Pflege – oder Natur sich selbst überlassen, nicht mehr eingreifen?

In einem Nationalpark wäre laut Herrn Schlund übrigens „…zuerst nicht viel anders, die Leute würden trotzdem nicht wissen, wo sie gehen dürfen, obwohl wir das gut markiert haben. Aber wir hätten einfach ehrenamtliche und hauptamtliche Ranger“, … die Verwaltung hätte dann „50 hauptamtliche Ranger die Tag und Nacht unterwegs sind und den Leuten helfen, sie auf die richtigen Wege führen, ich glaube, dann hätten wir das ganz gut im Griff“.
http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/auerhahn-104.html
(Zitat Schlund – SWR 2011/siehe Flyer)

Als dann die Angst der Menschen bezüglich der Einschränkungen größer wurde, versuchte er mit den Worten zu beruhigen (23.04.2012, Schwabo): „Aus dem Gebiet werde auch der Mensch nicht verbannt. Nicht mehr möglich im Nationalpark sei allerdings das Fällen von Bäumen, die Errichtung von Skiliften und Windrädern und die Besucher müssen sich auf vorgegebenen Wegen bewegen“.
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.calw-mehr-auf-grundlage-von-aengsten.59c0ce77-797a-495c-bdf6-d4c5cd336b21.html

Als nach der Bürgerbefragung dann klar war, dass die Landesregierung den Nationalpark gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung durchdrücken wird, sagte Herr Schlund (Zeit, 04.06.2013): „Man würde manche Wege zuwachsen lassen. Denn der wahrhaft lebendige Wald ist der, den man sich selbst überlässt…“.
http://www.zeit.de/2013/23/schwarzwald-baden-wuerttemberg-nationalpark

In einem SWR-Interview am 06.12.2013 behauptete er dann jedoch paradoxerweise wieder (ab Min. 15.42), „dass viele Argumente vorgebracht wurden, die man nachvollziehen kann, im ersten Nachdenken … man wird ausgesperrt – was ja nicht stimmt, Holz fehlt – was ja nicht stimmt“. Auch diese Aussage ist an Widersprüchlichkeit mal wieder kaum zu überbieten. Hier suggeriert Herr Schlund, dass keine Wege gesperrt, zurückgebaut, verlegt oder einfach im Laufe der Zeit zuwachsen werden! Er suggeriert, dass die Menschen das gleiche Zutrittsrecht haben wie bisher! Inzwischen, bereits im ersten Jahr des NLP, zeigt es sich aber, dass man nicht nur Wege irgendwann zuwachsen lassen wird, sondern bereits jetzt Wege sperrt!

Auch seine Aussage es „stimme nicht, dass Holz fehlt“ entspricht nicht der Realität! Selbst im Gutachten steht das genaue Gegenteil! Oder sind seiner Ansicht nach, die Sägewerksbesitzer, die sich Sorgen wegen der fehlenden Holzmengen machen, etwa alle paranoid?

Und wenn er behauptet, dass man Teile der „Schöpfung nicht nutzen“ solle, was ist denn mit dem Tourismus, der angeblich so stark von einem Entwicklungsnationalpark profitieren wird, wird dadurch die Schöpfung nicht auch genutzt?
http://www.swrfernsehen.de/leutenight/-/id=122462/did=12499940/nid=122462/f7x6au/index.html
http://www.youtube.com/watch?v=aISg0p9mkwI

Dass dies alles gegen den Willen der Bevölkerung geschieht, interessiert auch Herrn Schlund nicht. Und dies obwohl er einst selber in einer Veranstaltung sagte, dass „der baden-württembergische Minister für den Ländlichen Raum, Alexander Bonde, zugesagt habe, dass ein Nationalpark nur kommt, wenn die Leute es auch wollen.“ Dass auch diese Aussage mit der Realität nichts zu tun hat, haben wir mittlerweile leider erleben müssen.

Zum Thema Borkenkäfer sagte Herr Schlund übrigens in einem Interview am 23.08.2011, dass er überzeugt davon ist, dass sich „(Borkenkäfer)Befallsflächen, die kommen werden, mit Sicherheit nicht ausbreiten“.
http://www.neckar-chronik.de/Home/nachrichten/nachrichten-freudenstadt_artikel,-Prof-Tzschupkes-Nationalpark-Kritik-loest-Aerger-und-Widerworte-im-Pro-Lager-aus-_arid,143599.html

Im Oktober 2011 behauptet Herr Schlund dann, dass in einem NLP „Natur Natur bleibe“, der Mensch also nicht mehr eingreife. Dies sei auch „unabhängig davon, ob auf dem Areal ein Orkan oder der Borkenkäfer wütet“ (Schwabo 19.10.2011).

Im April 2012 behauptete er dann wiederum: „…den oft gehörten Einwand, dass in einem unbewirtschafteten Wald, wie es im Nationalpark Bayrischer Wald geschehen sei, der Borkenkäfer stark zunehmen werde, entkräftete der Experte. Im Nordschwarzwald seien ganz andere Gegebenheiten maßgeblich“. (Schwabo 23.04.2012)
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.calw-mehr-auf-grundlage-von-aengsten.59c0ce77-797a-495c-bdf6-d4c5cd336b21.html

Inzwischen hört sich auch diese Aussage wieder ein wenig anders an. Sagte er doch nun in einem SWR-Interview am 06.12.2013: „der Borkenkäfer wird den Wald verändern, stimmt, das wird er tun“.(ab Min. 15.50)
http://www.swrfernsehen.de/leutenight/-/id=122462/did=12499940/nid=122462/f7x6au/index.html

Auch er lobte übrigens die Landesregierung und sich selbst vor der Bürgerbefragung dafür, wie viele Veranstaltungen die Befürworter, während der Zeit in der das Gutachten erstellt wurde, durchgeführt hatten. Zitat aus dem Schwabo, 13.12.2012: „Rund 130 Infoveranstaltungen und Führungen haben er und sein Team bislang angeboten und über das Internet Informationen breit gestreut“.

Außerdem sagte er im gleichen Artikel: „er (Schlund) ist überrascht über den Wissensstand in der Bevölkerung es freut uns zu sehen, dass unsere Informationsangebote die Menschen erreichen … 80 % gaben bei einer Umfrage an, über das Projekt Bescheid zu wissen“.

Es ist davon auszugehen, dass dies die 80 % sind, die dann gegen den Entwicklungsnationalpark gestimmt haben. Danke für diese Informationsveranstaltungen!