Das Auerhuhn ist der Charaktervogel des Schwarzwaldes. Es gehört zum Schwarzwald, so wie die Schwarzwälder Kirschtorte. Daher war es wohl für die Befürworter naheliegend, mit diesem seltenen Vogel für den Nationalpark zu werben. So wurde z. B. auch am 28.11.2013 bei der entscheidenden Sitzung des Landtages, vor dem Landtag, vom NABU für einen Nationalpark mit Plastik-Auerhühnern (nicht Pappe, wie oft geschrieben) für den Nationalpark geworben. Nach dem Landtagsbeschluss ließen sich Herr Schmiedel, Herr Bonde, Herr Baumann u. a. hinter einem „Danke“-Transparent, auf dem auch Auerhühner zu sehen waren, fotografieren. Herr Schmiedel hielt zusätzlich noch ein weiteres Plastik-Auerhuhn vor das Transparent. Als Auerhuhn-Fan betrachtet man fassungslos dieses Foto, denn gerade diese werbewirksame Tierart ist es, die mit hoher Wahrscheinlichkeit massiv unter dem Nationalpark, der „Natur Natur sein lassen“-Ideologie zu leiden haben wird.

Dies sehen auch viele engagierte Naturschützer so. Einer von Ihnen ist Herr Karlheinrich Ebert, stellvertretender Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Naturschutzbeauftragen in BW. Herr Ebert arbeitete außerdem etliche Jahre in einem Nationalpark in Afrika und bildete dort u. a. auch Nationalparkranger aus.

Herr Ebert schreibt Folgendes: „Auerhühner gab es in den lichten Primärwäldern der Hochlagen des Schwarzwaldes, in wuchsarmen Waldbereichen und in Übergangszonen zu Offenlandflächen und Hochmooren schon bevor die großen Holzhandelskompanien seit dem späten Mittelalter durch gewaltige Einschläge ihren Lebensraum noch begünstigt haben. Dann kamen Waldweide und Streunutzung hinzu. In den dadurch entstandenen, skandinavisch anmutenden lichten Kiefern-Fichten-Birkenwäldern konnte sich das Auerwild über den Schwarzwald hinaus bis in die Ellwanger Berge oder in den Schönbuch hinein ausbreiten. Heute gibt es weder Primärwälder noch Waldweide, und auch die Streunutzung lief in den 1950er Jahren endgültig aus. Die Folge war ein beängstigender Rückgang des Auerwildes, der jedoch dank aktiver Lebensraumregulierung aufgehalten werden konnte – trotz Klimaveränderung, trotz des unvermeidlichen Stickstoffeintrags und trotz erdrückender Fichtennaturverjüngung.“

Es ist interessant zu lesen, dass die Ausbreitung des Auerwildes am größten war, als der Wald intensiv genutzt wurde, und dadurch als Nebeneffekt lichte Wälder entstanden, und eben nicht als hier im Schwarzwald noch „Urwald“ war. Um diese „lichte Wälder“, in denen das Auerwild Lebensraum hat, teilweise wieder herzustellen, wurde übrigens der „Aktionsplan Auerwild“ ins Leben gerufen.

Dies blendet Herr Schlund aus, vielleicht sagt er auch ganz bewusst teilweise die Unwahrheit, wenn er sagt: „…Die Population ist auf dem Rückweg. Das hat viele, viele Ursachen. Hauptursache ist sicherlich Zerstörung, Veränderung des Lebensraumes. Auerhühner, das sagt der Name, dieses Urtier braucht diese Urwälder, d. h. alte Wälder, ein Mosaik der Wälder mit jungen Flächen, mit alten Waldflächen, mit Totholzreichtum, mit freien Flächen. Das finden wir kaum. In unserem Wirtschaftswald haben wir natürlich ein anderes Interesse. Wir möchten den Wald so einrichten, dass wir Holz machen können und das ist für die Auerhühner nicht das Richtige.“ … Weiter beklagt er: „Wir haben sicherlich Bereiche, kleine Bereiche auf den Bergeshöhen, wo kaum ein Weg durchgeht. Ja, da sind sie auch mal auf ein paar Hektar ungestört. Aber im Großen und Ganzen sind unsere Wälder zerschnitten, da gehen Wanderwege durch, da gehen Forststraßen durch, da wird Holz gemacht, da ist der Freizeitnutzer und die Tiere haben sich damit arrangiert oder versuchen sich damit zu arrangieren. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass diese Flächen, die sie brauchen, diese Minimumgrößen, um ungestört zu sein, dass sie die auch haben. Dass wir die vielleicht hier und da auch größer machen, damit sie genau ihre Chance kriegen, um hier bei uns zu überleben“.
http://videoo.mobi/video/0fKmd7tCvDo/Neuer-Nationalpark-im-Schwarzwald—-W-wie-Wissen—DAS-ERSTE.html

Von den vier von Herrn Schlund erwähnten Nutzungsarten des Waldes, sind zwei Freizeitnutzungen. Kann es sein, dass diese die Auerhühner mehr stören, als wenn alle paar Jahre auf einer Fläche Holz gemacht und abtransportiert wird? Kann es nicht doch sein, dass er die Freizeitnutzer aussperren will?

Dass das Auerhuhn stark gefährdet ist, ist Fakt. Viele Fachleute sind jedoch der Ansicht, dass Prozessschutz, wie ihn Herr Schlund in der Kernzone des Nationalparks propagiert, der Auerhuhnpopulation mehr schadet als nützt.

Auch Herr Ebert gibt zu bedenken: …das Auerhuhn ist in hohem Maße gefährdet und wird durch Prozessschutz in den Kernzonen des Nationalparks verschwinden. Über ein Dutzend Balzplätze liegen derzeit in den beiden Kernzonen des NLP, darunter die Individuenreichsten im Nordschwarzwald überhaupt. Die Nationalparkkernzonen sind also Zentrum der Verbreitung des Auerhuhns im Nordschwarzwald. Abgesehen vom Alpenraum beherbergt der Schwarzwald die größte Auerhuhnpopulation Mitteleuropas und das Zentrum ihrer Verbreitung liegt eben ausgerechnet in den Kerngebieten des neuen Nationalparks. Entgegen dem Fragezeichen im Gutachten besteht jedoch kein Zweifel, dass eine ungelenkte Sukzession die Auerhuhnhabitate zerstören wird. Dazu bedarf es keiner langfristigen Untersuchungsreihen um dies in zukünftigen Jahrzehnten bestätigen zu können. (Im Gutachten Ziffer 2320 steht: „Der Wert von nicht beeinflussten Kernzonen eines Nationalparks mit den damit verbundenen Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns, ist deshalb auch in Zusammenhang mit Schutzbemühungen für Auerhühner als sehr hoch einzuschätzen“). Denn der 290 ha große Bannwald Wildseemoor bei Bad Wildbad, ist diesbezüglich bereits ein Großversuch mit „signifikantem Erkenntnisgewinn“, nämlich dem Verlust des Auerhuhns! Bei bis zu 25 Hähnen auf einem Balzplatz, noch Ende der 1950er Jahre, lebte dort die individuenreichste Auerhuhnpopulation im Nordschwarzwald. Anfang der 1970er Jahre balzten dort noch 12 und 1975 noch 5 Hähne. Der Vorschlag Mitte der 1970er Jahre, die in lichte Kiefernwaldungen hineingewachsenen Fichten, zum Schutze des Auerhuhnhabitats zu beseitigen, mußte von FVA-Freiburg natürlich abgelehnt werden – das Bannwaldprinzip kann regulierende Eingriffe, selbst zum Schutz von Rote-Liste-Arten, nicht zulassen. Prozessschutz hat dieses bedeutende Auerhuhnvorkommen im Wildseemoor wenige Jahre später besiegelt! Durch die heute veränderten Nutzungs- und Umweltbedingungen würden sich ohne den „Aktionsplan Auerhuhn“ wohl analoges im Laufe der nächsten Jahrzehnte im gesamten Schwarzwald abspielen.
Weiter schrieb Herr Ebert an Herrn Bonde, dass „es ihn in diesem Zusammenhang interessieren würde, ob und inwieweit es rechtlich überhaupt zulässig sei, das „Verschlechterungsverbot“ gemäß §33 BNatSchG in einem FFH-Gebiet, das zum Nationalpark erklärt wurde, zu missachten?“

Herr Ebert empfindet es jedenfalls „als Perversion des Artenschutzgedankens, wenn mit der so auffälligen Art Auerhuhn Öffentlichkeitsarbeit und touristische Werbung für den Nationalpark gemacht wird, obwohl diese Art, durch die sukzessionsbedingte Degradierung ihres Lebensraumes, innerhalb weniger Jahrzehnte aus den Kernzonen des Nationalparks verschwinden wird.“

Er erinnert Herrn Bonde auch daran, dass dieser die „Nationalparkgegner als Gegner von Vielfalt, Natur- und Artenschutz verleumdet hat“, und sagt dann: „was mich gegen einen Nationalpark in unserer engmaschigen Zinvilations- und anthropogen dominierten Kulturlandschaft eingestellt hat, ist gerade das Defizit an Artenschutz, welches die blind puristische Prozessschutzidee in den Kernzonen eines Nationalparks zur Folge haben würde. Warum soll zum Erhalt von „Vielfalt“, darauf verzichtet werden, für schützenswerte Tierarten habitatsregulierend, und für gefährdete Pflanzen populationsregulierend, in Herbivorenpopulationen eingreifen zu können“? Er fordert deshalb, dass „es weiterhin möglich sein muss, das Auerhuhnvorkommen im Nordschwarzwald auch in einem Nationalpark durch ein ausreichendes Habitatmanagement, entsprechend dem „Aktionsplan Auerhuhn“, zu erhalten!“ Weiter schreibt er: „Prozessschutz nach IUCN-Kriterien bedeutet Verzicht auf jede Art von regulierenden Eingriffen in Pflanzen- und Tierwelt, und das hatte selbst in großen Nationalparks schon fatale Folgen. Am „College of African Wildlife Management“ in Tansania, an dem ich 4 Jahre lang gearbeitet habe, wurde diese Notwendigkeit den Studenten aus den Nationalparkverwaltungen von über 20 afrikanischen Ländern gepredigt, denn seitens der Wissenschaft hat man längst erkannt, dass 100prozentiger Prozessschutz nicht sinnvoll ist und dass er für wertvolle, artenreiche Lebensräume tödlich sein kann. … Das Problem ist wohl, dass der visionären Prozessschutzidee, möglicherweise auch unter dem Druck von Naturschutzverbänden, eine geradezu fundamentalistisch, religiöse Bedeutung beigemessen wird“. So weit Zitate von Herrn Ebert.

In einem Interview (SWR, 20.03.2013, Axel Wagner) sagte Herr Schlund, dass „das Auerwild den NLP nicht braucht. Wir haben einen tollen Auerhuhnaktionsplan, das heißt, wir machen Pflegeeingriffe damit der Wald sich öffnet. Das Auerwild braucht den lichten Wald. Wir gehen davon aus, dass im NLP dieses Auflichten der Wälder ganz automatisch, durch Borkenkäfer, Schneebruch, Windwurf, kommt“.

Der TV-Sprecher dieses NLP-Werbefilms kommentierte dies folgendermaßen: „Den Aktionsplan zur Rettung des Auerhuhns würde also in einem NLP die Natur selbst übernehmen“.
In der offiziellen Zusammenfassung des Gutachtens (Seite 31, Punkt 107, 108) steht im Gegensatz zu diesen Aussagen: „…im gesamten Suchraum deutet sich ein Rückgang von Flächen mit offenen und lückigen Strukturen von rund 900 ha innerhalb der kommenden 30 Jahre an… nach derzeitiger Expertenmeinung sind die Maßnahmen des Aktionsplanes Auerhuhn Voraussetzung für das Vorkommen der Art im Schwarzwald.“

Interessant ist es, dass man sogar einem Schreiben von Herrn Schlund (Juli 2014) entnehmen kann, dass „auch er regulierende Eingriffe im gesamten Verbreitungsgebiet des Auerhuhns für dringend erforderlich hält – jedoch nicht in den Kernzonen des NLPs“. Ist dies nicht mal wieder ein Widerspruch in sich? Außerdem wird die lupenreine Prozessschutzideologie durch das geplante Wildtiermanagement im NLP (z.B. Abschuß von Schalenwild) sowieso schon ausgehöhlt.

Aber so ganz scheint auch Herr Schlund von seiner eigenen Darstellung nicht überzeugt zu sein. Denn warum sonst schrieb er außerdem: „Der Nationalpark wäre bereit, Mittel aufzuwenden, um gegebenenfalls außerhalb des Nationalparks den Lebensraumverlust im Nationalpark zu kompensieren“.

Dazu schreibt Herr Ebert: „Dies ist zwar eine begrüßenswerte Absicht, aber seit der Ausweisung des Vogelschutzgebietes Nordschwarzwald ist dies eine Maßnahme zu der das Land Baden-Württemberg, zumindest im Staatswald, ohnehin verpflichtet ist. 2008 wurde mit dem Aktionsplan Auerhuhn für den öffentlichen Wald schon ein Grundstein gelegt. Dieser Aktionsplan ist nun in aller Konsequenz anzuwenden. Spätestens seit der VSG-Verordung vom 05.02.2010 ist das Land BW verpflichtet, Mittel zur Verfügung zu stellen, um flächendeckend einen günstigen Erhaltungszustand des Auerhuhns zu bewahren und wiederherzustellen! Die Frage stellt sich, ob die Landesregierung für diese EU-rechtliche Verpflichtung überhaupt Naturschutzmittel für die erforderliche Habitatpflege bereitgestellt hat?“

Bei der Jahresversammlung des Auerwild-Hegerings, an der übrigens auch Vertreter des Naturschutzzentrums Ruhestein teilnahmen, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Rauhfußhühner, Dr. Rudi Suchant von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg, folgendes: „…das Auerwild sei Kulturfolger großer, menschengemachter Wälder. Es erhalte dann eine Chance, wenn man ihm seinen zusammenhängenden Lebensraum positiv gestaltet …“
http://www.neckar-chronik.de/Home/nachrichten/nachrichten-kreis-freudenstadt_artikel,-Auerwild-Experten-berichten-von-beunruhigender-Artenschutz-Lage-Nationalpark-koennte-das-Problem-ge-_arid,152022.html

Bei der Hauptversammlung 2012 berichtete Hegeringleiter Klaus Roth, dass im Kreis Freudenstadt 102 Auerhähne ermittelt wurden, dies sind 19 mehr als im Vorjahr. Im gesamten Schwarzwald gibt es einen Bestand von 315 Auerhähnen. 2014 ging der Bestand im Kreis Freudenstadt zurück. Auch Herr Roth wies übrigens auch „…auf die Gefahren der Lebensraumzerstörung durch junge Fichten hin.“ Er sagte, dass die „Habitatpflege, also die Pflege des Lebensraums, für den Auerwildbestand neben der Bejagung der Beutegreifer Fuchs und Marder die wichtigste Lebensgrundlage ist.“

Die Auerwildexperten des Auerwildhegerings Freudenstadt sehen dies offensichtlich auch genau so. Im Schwabo (10.12.2012) konnte man lesen: „…es wurde deutlich, dass der geplante NLP große Probleme mit einer enormen Fichtennaturverjüngung haben würde“. Bezweifelt wurden Thesen wie die von Herrn Klatt, Artenschutzreferent des NABU. Dieser ist nämlich der Ansicht (Waldland 2012, S.15), dass „…vom Aufwuchs des Jungwaldes bis zum Vergehen der uralten Bäume auch das Auerwild (von einem Nationalpark) profitieren würde“.

Die Auerwildexperten des Auerwildhegerings sind im Widerspruch zu Herrn Klatts Aussage der Ansicht, „dass in einem NLP mit 75% Kernzone das Auerwild auf Dauer keine Überlebenschance hat, da neu entstandene offene Flächen schnell wieder zuwachsen würden.“ Sie forderten, „dass für das Auerwild Ausnahmeregelungen gelten und forstliche Habitatgestaltungsmaßnahmen bei Bedarf unbedingt möglich sein müssen.“ Herr Suchandt, staatlicher Wildtierökologe von der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg steuert den Aktionsplan Auerwild. Er ist der Ansicht, dass „das Auerhuhn durch den Nationalpark zwar nicht aussterben wird, dass es dieses im Nationalpark aber schwerer haben wird“ (swp 30.04.2013). Auch er teilt außerdem die Auffassung der Gutachter (Zusammenfassung Gutachten P. 107, S. 31), dass „900 Hektar Flächen mit offenen und lückigen Strukturen in den kommenden 30 Jahren zuwachsen werden.“

Herr Schlund ist jedoch nicht dazu bereit diese Flächen mit offenen und lückigen Strukturen zu erhalten, dem Auerwild zuliebe einzugreifen! Aber vielleicht vertritt er ja insgeheim auch die gleichen Thesen wie Herr Baumann vom NABU. Denn wie sagte dieser? „…es ist irrelevant, ob es weniger oder mehr Arten geben wird, ob die eine Art kommt und die andere ausstirbt. Alles ist erlaubt…“

Offensichtlich ist vielen NLP-Befürwortern ihre Ideologie wichtiger als (z. B.) das Auerhuhn. Dafür nehmen sie es sogar in Kauf, zum Totengräber dieses eindrucksvollen Charaktervogels, des Wappentieres des Schwarzwaldes, zu werden und dies obwohl sogar im Nationalparkgesetz, §3, (1)5, folgendes steht: „Der Nationalpark bezweckt vornehmlich, … einen günstigen Erhaltungszustand der durch die Verordnung zur Festlegung von Europäischen Vogelschutzgebieten geschützten Vogelarten zu bewahren oder wiederherzustellen.“

Dass aber auch die Befürworter des Entwickungsnationalparks untereinander beim Thema Auerhuhn durchaus unterschiedlicher Meinung sind, zeigte sich auch, als der Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald am Freitag, 16. März 2012 zu dem Thema: „Würde ein Nationalpark im Nordschwarzwald dem Auerhuhn schaden“ nach Freudenstadt einlud. Referent war Herr Manfred Lieser, NABU-Vorsitzender Radolfzell-Singen-Stockach.

Abgesehen davon, dass Herr Lieser gerne pauschal Personengruppen bei Vorträgen wahrheitswidrig mit Sätzen, wie: „auch der Forstkammer, meine Damen und Herren, geht es nicht ums Auerhuhn oder um das Wohl der Waldbesucher, sondern um die ungestörte Fortsetzung ihrer Fichtenholzproduktion, um sonst nichts“, diskreditiert, stellte er dann aber doch noch einige Forderungen auf, die im Widerspruch zu dem stehen, was die Nationalparkleitung möchte. Denn Herr Lieser verlangte, dass massiv, auch in den Kernzonen, eingegriffen wird. So sagte er: „Vergleicht man Auerhuhnlebensräume mit den im Nordschwarzwald vorherrschenden Fichtenreinbeständen, muss man zu dem Schluss kommen, dass dort nur Sondermaßnahmen zur Biotopverbesserung das Auerhuhn retten können. … Wir halten fest: Ein Nationalpark würde nichts fürs Auerhuhn verschlechtern, sondern höchstens – im Falle eines Totalreservates – die Untätigkeit leitender Forstbeamter einfrieren. Noch brauchen wir aber das Auerhuhn im Schwarzwald nicht aufzugeben. Noch gibt es eine hinreichend große Population, die alle Anstrengungen, sie zu vermehren, verdient. Mit Fuchsjagdwochen oder Touristenlenkung ist das aber nicht getan. Wir müssen den leitenden Forstleuten helfen, den Auerhuhnschutz „richtig zu wollen“. … Wie geht das? Das geht nur durch klare landespolitische Vorgaben, und eine solche könnte das Gesetz über einen Nationalpark Nordschwarzwald sein. … Der Nationalpark bietet also dem Auerhuhn große Chancen. Der sogenannte Aktionsplan Auerhuhn (MinELR 2008), der die Grundlage für ein Habitatmanagement auf größerer Fläche sein könnte, darf nicht im Sand verlaufen und könnte als verbindliche Vorgabe in die Nationalparkkonzeption übernommen werden. Konkrete Vorschläge können erst dann gemacht werden, wenn die Kern- und Entwicklungszonen sowie die Zeitplanung vorliegen. In der Kernzone, die wahrscheinlich die Hochlagen abdecken wird, ist in einer Startphase eine konsequente Reduzierung des Fichtenanteils in den Jungbeständen nach Lothar bei Förderung aller Mischbaumarten erforderlich. Die Entwicklungszone, wo der Tatendrang der Forstverwaltung besonders gefordert ist, kann oder sollte sogar außerhalb der heutigen Auerhuhn-Kerngebiete liegen, um dort nachwachsende Biotope bereitzustellen, damit sich die Population ausbreiten kann“.
https://pro-nationalpark-schwarzwald.de/tl_files/public_files/Textdokumente/Manfred%20Lieser%20Auerhuhn.pdf

Abgesehen davon. Dass Herr Lieser also der Ansicht ist, dass die Forstleute bisher nichts getan haben um die Auerhuhnpopulation zu fördern, forderte aber auch er in seinem Vortrag, dass zu Gunsten des Auerhuhns massiv, auch in der Kernzone, eingegriffen wird!
Im Gegensatz dazu nochmals die Aussage von Herrn Schlund: „auch er hält regulierende Eingriffe im gesamten Verbreitungsgebiet des Auerhuhns für dringend erforderlich – jedoch nicht in den Kernzonen des NLPs“.

Die Kernzone soll übrigens 75% der Gesamtfläche des Entwicklungsnationalparks umfassen.

Am 03.03.2015 wurde in der Sendung „Landesschau aktuell“ ein auch international renommierter Experte, Herr Peter Berthold, zum Thema Artenvielfalt interviewt. Um seine fachliche Kompetenz zu verdeutlichen, nachfolgend zunächst Auszüge aus dem Werdegang von Herrn Berthold und den Auszeichnungen, die er erhalten hat: Herr Berthold studierte Biologie, Chemie und Geographie. 1964 erfolgte mit einer Fortpflanzungsstudie zu Staren die Promotion an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 1972 folgte seine Habilitation in Biologie an der Universität Konstanz. Seit 1981 ist er Professor an der Universität Konstanz. Von 1991 bis Januar 2005 war er Leiter der Vogelwarte Radolfzell, einer Zweigstelle des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen. Außerdem ist er u. a. Mitglied in der AG zur Erstellung Roter Listen gefährdeter Vogelarten in Deutschland. Im Januar 2005 wurde er in den Stiftungsrat der Heinz Sielmann Stiftung berufen und seit 2006 ist er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 2012 erhielt er den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg. Herr Peter Berthold verfasste mehrere Bücher, darunter ornithologische Standardwerke wie „Vogelzug“ und zusammen mit Hans-Günther Bauer „Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung“ (1996). Er veröffentlichte insgesamt mehr als 350 Aufsätze in Fachzeitschriften und ist seit 1970 Mitherausgeber des Fachorgans „Die Vogelwarte“. http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Berthold

Die Aussagen von Herrn Berthold in diesem SWR-Interview zum Thema Artenvielfalt und zum Nationalpark Schwarzwald sind unmissverständlich. Auszüge daraus: „Die Gesamtbilanz (Anmerk.: der Artenvielfalt) ist ganz furchtbar traurig, trotz aller Bemühungen verlieren wir jedes Jahr ca. 1% der gesamten Biodiversität….nach wie vor wird jedes Jahr die Liste aller Arten die bei uns gefährdet sind, die Rote Liste, länger und da ist kein Ende abzusehen auch nicht bei uns in Baden-Württemberg. Wir müssen ganz radikal umdenken….der Zustand der Natur ist inzwischen so schlecht, die Landschaften so ausgeräumt, dass inzwischen Allerweltsarten wie Feldlerche, Haussperlinge, Stare … inzwischen kurz vor den Roten Listen stehen.“

Daraufhin meinte die Sprecherin: „Sie können der Landesregierung auch nicht Untätigkeit vorwerfen, nehmen wir mal das Projekt Nationalpark den sie gegen einige Widerstände durchgesetzt hat.“ Antwort von Herrn Berthold: „Der Nationalpark ist in meinen Augen ein Witz, das ist ein ganz kleines Gebiet, das unheimlich viel Geld kostet, dort werden wir einen Fingerhut voll Arten schützen können. Das Geld wäre viel besser angebracht in der großen Breite im Land, Ackerrandstreifen, wo hunderttausende von Lerchen, Stieglitzen, Insekten auskommen könnten. Der Nationalpark, das ist ein Alibi-Gebilde, was wenig Sinn hat und dem Artenschutz überhaupt nicht weiterhilft. Im Gegenteil, dort ist Prozessschutz angedacht, also vollständiger Schutz, wenn wir den haben, werden sogar die Auerhühner aus diesem Nationalpark hinausgeschützt werden, Forstleute schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Das (Anmerk.: Förderung der Artenvielfalt durch einen NLP) ist, man muss fast sagen, dummes Zeug!“
http://swrmediathek.de/player.htm?show=dde27e70-c1e4-11e4-b1b8-0026b975f2e6
(ab Min. 15.20)

Auch Herr Berthold ist also der Überzeugung, dass das Auerhuhn unter dem Nationalpark leiden wird. Schizophren ist, dass von diversen Befürwortern trotzdem weiterhin mit dem Auerhuhn für den Nationalpark geworben wird!

Allen Verantwortlichen des Nationalparks sollte bewusst sein, dass sie, wenn sie auf der absoluten Prozessschutzwelle reiten, artenschutzwidrig und gesetzeswidrig handeln.