Nach Aussagen von Herrn Landesforstpräsident Reger im Rahmen einer Live-Diskussion, werden von ForstBW die Herausforderungen und Aufgaben im Bereich Naturschutz in den kommenden Jahren vornehmlich in

  • der geplanten Ausweisung von Großschutzgebieten
  • der Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie bzw. der Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag 10 % der staatlichen Waldfläche aus der Nutzung zu nehmen
  • der Umsetzung von NATURA 2000 im Wald sowie in
  • der Vereinbarkeit von Energiewende und Waldnaturschutz z. B. bei Windenergieanlagen und Auerhuhn „und all dies vor den Herausforderungen des Klimawandels“ gesehen.

Prozessschutz sei dabei ein Teil der vielfältigen Anforderungen an unsere Wälder.
http://www.waldnaturschutz-forstbw.de/page91.html

Herr Waldenspuhl begründet die Einrichtung des Nationalparks u. a. dadurch, dass das „schwarz-gelbe Bundeskabinett bereits 2007 beschlossen habe, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Waldflächen der Wildnis zu überlassen.“
http://www.neckar-chronik.de/Home/nachrichten/nachrichten-horb_artikel,-Thomas-Waldenspuhl-Auftrag-fuer-Nationalpark-Pruefung-kam-von-Tanja-Goenner-_arid,169158.html

Greenpeace Lörrach toppt diese Vorgabe noch, indem sie sogar behaupten, dass „in der nationalen Biodiversitätsstrategie vom Bundeskabinett 2007 beschlossen worden wäre, 20 Prozent der staatlichen Waldflächen bis 2020 aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen“. Die Behauptung von Greenpeace ist natürlich mal wieder absoluter Unsinn.
http://www.greenpeace-loerrach.de/index.php/aktuelles/81-waelder (Seite nicht mehr aufrufbar)

Während, Global gesehen, Waldflächen deutlich abnehmen, nehmen Waldschutzgebiete rapide zu.
Auch hier bei uns tut man so, als ob der Schutz der Biodiversität nur durch Flächenstilllegungen zu erreichen wäre. Von interessierter Seite wird immer wieder der falsche Eindruck erweckt, dass Deutschland die selbst gesteckten Ziele seiner nationalen Biodiversitätsstrategie nicht erfülle. Dass mit der offiziell genannten Angabe von knapp 2 % Flächen, die bereits jetzt aus der Nutzung genommen sind, allerdings im Endergebnis nur ein Bruchteil der als nutzungsfrei erfassten Flächen Beachtung findet, wird verschwiegen. Bei der Berechnung der nicht genutzten Waldfläche berücksichtigten die Forscher von NWE5, welche im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) diese Daten erhoben haben, nämlich nur rechtlich geschützte Gebiete wie Nationalparks.

Dabei heißt es in der Biodiversitätsstrategie der Bundesrepublik explizit: „Zum angestrebten Flächenanteil von Wäldern mit natürlicher Waldentwicklung tragen sowohl Schutzgebiete als auch Flächen außerhalb von Schutzgebieten bei.“

Die Frage stellt sich auch hier wieder, warum werden diese Zahlen manipuliert? Warum werden Flächen außerhalb von Schutzgebieten nicht eingerechnet, obwohl dies ausdrücklich so formuliert wurde?
http://www.forstpraxis.de/deutschland-export-und-import-von-nadelrohholz

Für Leonhard Nossol, Präsident der AGR, ist das Ergebnis daher eindeutig: „Das Ziel der Biodiversitätsstrategie auf fünf Prozent der deutschen Waldfläche eine natürliche Entwicklung zu gewährleisten, ist mehr als erfüllt.“ Mehr als 18 % der deutschen Waldfläche stehen unter strengem Schutz und dürfen nur eingeschränkt bewirtschaftet werden. Darüber hinaus verzichten viele der zwei Millionen deutschen Waldeigentümer freiwillig – aus ökologischen, ideellen oder auch rein wirtschaftlichen Gründen – ganz auf die Bewirtschaftung eines Teils ihres Eigentums. Nossol kritisiert deshalb die Haltung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) als Auftraggeber der NWE5-Studie: „Die tatsächliche Fläche, auf der in Deutschland auf eine Nutzung des Waldes verzichtet wird, liegt weit über der, die das BfN als solche anerkennen möchte.“ So geht man beispielsweise in Rheinland-Pfalz von 52.000 ha oder 6 % der Waldfläche aus, die zusätzlich zu den rechtlich bestehenden Schutzgebieten nutzungsfrei sind.

Für DeSH-Präsident Steffen Rathke ist klar, dass die Wälder auch ohne umfangreiche Nutzungseinschränkungen naturnäher und artenreicher werden. „Anstatt weitere großräumige Schutzgebiete zu planen, sollten Bundesregierung und Bundesländer sich auf die Förderung einer effizienten und nachhaltigen Nutzung unserer heimischen Ressourcen konzentrieren“, so Rathke. „Das Projekt ist ein Anfang, um herauszufinden, wie viele der deutschen Wälder nicht bewirtschaftet werden. Gewissheit wurde jedoch nicht geschaffen, da entscheidende Daten nicht veröffentlicht beziehungsweise erst gar nicht in die Bilanz einbezogen wurden“, so Rathke weiter.

Stillgelegte Waldflächen als Hauptindikator für erfolgreichen Naturschutz im Wald anzusehen, ist ein Irrweg.

Die nachhaltige Nutzung nachwachsender Ressourcen ist besonders im Hinblick auf den Klimawandel von übergeordnetem gesellschaftlichen Interesse. Allein der potenziell ökonomische Verlust für die berücksichtigten 1,9 % Waldfläche wird von den Forschern mit 3,9 Mrd. € beziffert. Die deutsche Forst- und Holzwirtschaft leistet folglich mit den derzeit sich selbst überlassenen Waldflächen bereits einen in ökologischer wie ökonomischer Hinsicht bedeutsamen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz. Bei einem Nutzungsverzicht auf mehr als 5 % der Waldfläche läge der Verzicht bei weit über 10 Mrd. €.

Die Wirksamkeit und die Auswirkungen verschiedener Schutzbemühungen auf die Biodiversität lassen sich bisher nicht eindeutig nachweisen und bewerten. Darüber hinaus fehlen Studien, welche die Wirkung der bestehenden Schutzgebietskulisse in Deutschland analysieren. Die Naturnähe und die Biodiversität der deutschen Wälder haben sich in den letzten Jahrzehnten statistisch nachweislich deutlich erhöht. Dies verdeutlicht der Indikatorenbericht der Bundesregierung zur Nationalen Biodiversitätsstrategie 2010, der dem deutschen Wald mit über 80 % des erreichbaren Höchstwertes den besten Teilindikatorwert aller Flächennutzungen und einen signifikanten Anstieg der Biodiversität bescheinigt.

http://www.forstpraxis.de/nationale-biodiversitaetsstrategie-deutschland-uebertrifft-die-anforderungen

Was außerdem bei der Flächenberechnung für den Biodiversitätsschutz auch nicht berücksichtigt wird ist das Alt- und Totholzkonzept von ForstBW. Dieses umfasst, zusammen mit den Bannwäldern, bis 2020 7 % der Staatswaldflächen. Das Alt- und Totholzkonzept beruht auf dem Nutzungsverzicht von kleineren Beständen und Baumgruppen. Im gesamten Wald werden Kleinbestände und Baumgruppen ausgewählt und nicht weiter bewirtschaftet. Die Bäume bleiben der natürlichen Entwicklung und Alterung überlassen bis zur Zersetzung des entstehenden Totholzes. Durch die Kombination unterschiedlich großer Flächen und Gruppen entstehen auf der ganzen Waldfläche verteilt Zentren mit uralten und absterbenden Bäumen, seltenen Einzelbaumstrukturen und größeren Mengen an stehendem und liegendem Totholz. Die Auswahl der Flächen orientiert sich an bekannten Vorkommen seltener und geschützter Arten, an noch vorhandenen sehr alten Wäldern, wichtigen Habitatstrukturen und weiteren forstlichen und ökologischen Parametern. Beim Alt- und Totholzkonzept werden je nach Ausdehnung, Verteilung und Auswahlkriterien drei Schutzelemente unterschieden: Waldbestände (Waldrefugien), Gruppen von Bäumen (Habitatbaumgruppen) und naturschutzrechtlich besonders geschützte Einzelbäume.

http://www.fva-bw.de/indexjs.html?http://www.fva-bw.de/forschung/wg/totholz/totholzkonzept.html

Bestimmte Maßnahmen, die im Rahmen der Umsetzung des AuT-Konzept ergriffen werden, werden auch als Ausgleichsmaßnahmen im Sinne der Ökokonto-Verordnung anerkannt.

http://www.waldwissen.net/wald/naturschutz/arten/fva_handbuch_totholzkonzeption/index_DE

Es gibt übrigens keine internationalen Verpflichtungen, die einen Totalschutz von Wald fordern. Im Gegenteil: Die von den Vereinten Nationen (UN) 1992 in Rio de Janeiro ausgehandelte Biodiversitäts-Konvention formulierte den Schutz der biologischen Vielfalt und die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile als gleichrangige Ziele. Das Bundesumweltministerium formuliert die Nationale Biodiversitätsstrategie daher auch mit folgender Botschaft: „Dieses Übereinkommen ist keine reine Naturschutzkonvention, es greift die Nutzung – und damit das wirtschaftliche Potential der natürlichen Ressourcen – als wesentlichen Aspekt der Erhaltung der biologischen Vielfalt auf.“ (aus: BMU, 2007 Nationale Biodiversitätsstrategie). …

Heute führen verschiedene politische Faktoren zum Rohstoffmangel: der Waldumbau, ein immer größerer Anteil von Flächen, die aus der Bewirtschaftung genommen werden, die zunehmende Nutzung von Holz als Energieträger (Förderung von Holzheizungen durch den Staat), sowie Restriktionen bei der nachhaltigen Bewirtschaftung. In Baden-Württemberg haben wir übrigens bereits jetzt einen Laubholzanteil von 46,7%. Vom Verbraucher nachgefragt wird aber zu 90 % Nadelholz! Trotzdem werden bei der Jungbestockung gerade zu 70 % Laubbäume gepflanzt. Auch dieser Waldumbau, hin zu vielen Laubbäumen, ist eine politische Fehlentscheidung. Es gibt durchaus gute Alternativen zur Fichte, mit denen wir stabile, naturnahe Wälder erhalten und gleichzeitig die Nadelholzversorgung sichern können.

Was auch kaum jemand weiß, ist, dass der Staat zusätzlich zu den Flächen, die ohnehin z. B. durch Nationalparke aus der Bewirtschaftung genommen werden, den Naturschutzverbänden weitere Flächen, als sogenanntes „Nationales Naturerbe“ zur Verfügung stellt.

Als Nationales Naturerbe werden Flächen in Deutschland bezeichnet, die seit dem Jahr 2000 als dauerhafte Naturschutzflächen gesichert werden. Dies geschieht durch Übertragungen von Land- und Wasserflächen aus dem Eigentum der Bundesrepublik Deutschland in die Trägerschaft der Bundesländer, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) oder von Naturschutzverbänden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Nationales_Naturerbe
In diesem Rahmen wurden als „Nationales Naturerbe“ folgende Flächen übertragen:

  • Unter der rot-grünen Regierung wurde im Jahr 2000 festgelegt, 50.000 Hektar an die Bundesländer oder anerkannte Naturschutzverbände abzugeben.
  • Weiterhin einigte sich die Folgeregierung unter Kanzlerin Angela Merkel auf eine Flächenübertragung von 80 bis 125.000 Hektar. Hier handelt es sich um 60.000 ha Militärflächen (bisher von der BImA verwaltet), 21.000 Hektar BVVG-Flächen, 9.000 Hektar des Grünen Bandes und 4.000 Hektar Bergbaufolgelandschaften. Die Bundesregierung wird in den kommenden Jahren die Übertragung von noch ausstehenden 25.000 Hektar fortführen.
  • Am 14. Dezember 2011 wurde vom Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages die weitere Sicherung von 24.500 Hektar Bundesflächen für das Nationale Naturerbe beschlossen. Im Blickpunkt standen dabei Verhandlungen zu Flächen des ehemaligen Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide.

In der Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz Nr. 145/15 wurde am 18.06.2015 folgendes bekanntgegeben: „62 Gebiete in ganz Deutschland mit einer Gesamtfläche von 31.000 Hektar werden an die Natur zurückgegeben. Das beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages gestern. Bei den Liegenschaften handelt es sich um ehemalige Militärflächen, die dem Bund gehören. Sie sollen nicht privatisiert, sondern allein dem Naturschutz gewidmet werden. … Insgesamt sind damit 156.000 Hektar Bundesflächen dauerhaft für den Naturschutz gesichert.“

http://www.bmub.bund.de/presse/pressemitteilungen/pm/artikel/nationales-naturerbe-neue-wildnis-fuer-deutschland/?tx_ttnews[backPid]=454

Dies ist das fünfzehnfache der Fläche des Entwicklungsnationalparks Nordschwarzwald, auf denen sich u. a. die Naturschutzverbände „Freiluftlabore“ einrichten können. Diese Naturerbeflächen fehlen zusätzlich für die Biomassenutzung, für die Vermeidung von Co2! Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Staat diese Flächen de Facto an NGOs verschenkt, er gleichzeitig aber alle Lasten behält und keinen Einfluss mehr auf die sachgerechte Nutzung der Flächen hat. Die BIMA (Bundesforst) als heutiger Eigentümer hat qualifizierte Förster und ausreichend finanzielle Ressourcen, um auf diesen Flächen die Nutzung zu machen, die der Staat haben will. Anscheinend sollen diese Flächen jedoch ideologisch getriebene, forstpolitische Spielwiesen werden!

http://www.dfwr.de/presse/pressemitteilungen/PM_Koaltitionsvertrag_GS.pdf

Da außerdem der Zertifizierungswahnsinn auch bei der Waldbewirtschaftung immer weiter voranschreitet, wie Herr Bonde nun mit der FSC-Zertifizierung der Staatswälder eindrücklich bewiesen hat, wird sich auch dadurch die zur nachhaltigen Nutzung zur Verfügung stehende Holzmenge weiter verringern.
Der deutsche FSC-Standard schreibt nämlich vor, dass „die Entnahme nicht genutzter Biomasse minimiert wird und Nichtderbholz im Wald verbleibt“. Nichtderbholz ist momentan noch definiert als Holz aus dem Stamm- oder Astbereich, welches einen Durchmesser von weniger als 7 cm mit Rinde hat. Da bislang Nichtderbholz von ForstBW bereitgestellt wurde, wird sich die zur Verfügung stehende Holzmenge, insbesondere für die Energieerzeugung, weiter reduzieren.

http://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP15/Drucksachen/4000/15_4310_D.pdf

Der WWF behauptet übrigens, dass bei FSC zertifizierter Waldbewirtschaftung „sowohl Umwelt- als auch Sozialstandards eingehalten werden.“ Holz aus solchen Wäldern unterscheide sich von Holz aus klassisch bewirtschafteten Wäldern dadurch, “dass es garantiert aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern und auf keinen Fall aus illegalen Einschlägen, Raubbau oder aus Wäldern mit hohem Schutzwert stammt.“

http://www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/holz-und-papier/sechs-gute-gruende-fuer-fsc/

In einem offenen Brief an den Verein Rettet den Regenwald vom 3. Juli 2012 schieb jedoch der Geschäftsführer Uwe Sayer von FSC Deutschland über seine eigene Organisation (Firma?): „Ihre Aussage, der FSC sei ein Ökolabel, ist falsch und entbehrt jeder Grundlage“.

https://www.regenwald.org/news/4476/pressemitteilung-fsc-ist-kein-oekolabel

Dies war zweifelsohne eine ehrliche Aussage von Herrn Sayer von FSC-Deutschland. Man betrachte sich nur mal den Raubbau, die Zerstörung von Urwäldern in anderen Ländern (Rußland, Brasilien…) unter dem Siegel von FSC! Traurig ist, dass Herr Bonde bei dieser Irreführung der Verbraucher noch mitmacht und der FSC-Organisation dafür noch unsere Steuergelder in den Rachen wirft! Traurig ist auch, dass der WWF die Missstände, die es bei FSC offensichtlich gibt, nicht wahrhaben will.

Doch zurück zu den Vorgängen und Aussagen der Verantwortlichen zum Entwicklungsnationalpark Nordschwarzwald.

Am 06.12.2013 wurde im SWR in einem Interview mit Herrn Schlund und Herrn Waldenspuhl ausgestrahlt (Interview ab Min 15.42). In diesem Interview sagte Herr Schlund folgendes: „es wurden viele Argumente vorgebracht, die man nachvollziehen kann im ersten Nachdenken…. Holz fehlt – was ja nicht stimmt.“

http://www.swrfernsehen.de/leutenight/-/id=122462/did=12499940/nid=122462/f7x6au/index.html Seite nicht mehr aufrufbar
https://www.youtube.com/watch?v=aISg0p9mkwI

Laut Herrn Schlund „fehlt“ also kein Holz wenn ein Nationalpark eingerichtet wird! Warum hat dann u. a. Herr Jürgen Bauhus, Prof. für Waldbau Uni Freiburg, gesagt: „… die Sorge der Sägewerker sei eigentlich unbegründet. Das Land habe zugesagt fehlende Holzmengen anderweitig zu beschaffen…“ (21.11.2013, Schwabo). Wenn kein Holz fehlt, warum muss dann das Land BW „fehlende Holzmengen anderweitig beschaffen“?

Das Kartellamt wittert übrigens bei der Holzvermarktung durch ForstBW eine Wettbewerbsverzerrung. Im schlimmsten Fall, so Forstamtsleiter Georg Jehle, „steht die Forstverwaltung in Freudenstadt und im ganzen Land vor einem Umbruch“! Dass nämlich 64 Prozent des eingeschlagenen Holzes von der Forstverwaltung des Landes verkauft werden, gefällt dem Kartellamt gar nicht. Die Wettbewerbshüter kritisieren, dass ForstBW damit eine marktbeherrschende Position hat. (Schwabo 26.04.2014)

Dieses massive Problem, das ForstBW mit dem Kartellamt hat, verschärft das Problem „Holzmengen anderweitig zu besorgen“ nochmals zusätzlich und macht auch dieses Versprechen noch unglaubwürdiger. 08.12.2013 Kartellamt
http://www.zvw.de/inhalt.kartellamt-im-wald-soll-auch-wettbewerb-wachsen.14b53a78-e33e-499b-93d3-f306a6752715.html

Aber vor allem, woher soll das Holz denn kommen? Herr Martin Strittmatter, Geschäftsführer der Landesforstbetriebes ForstBW, sagte mit Blick auf die Entwicklung der einzelnen Baumarten beim Einschlag in den zurückliegenden Jahren: „Der Fichtenberg ist inzwischen abgetragen. Beim Nadelholzeinschlag müsse auf die Bremse getreten werden, damit es später nicht einen noch schärferen Einbruch beim Einschlag geben werde. Das Ziel von Forst-BW ist es, den Nadelholzanteil bei 50% zu halten“ (Schwäbischer Bauer, 30.11.2013).

Wie war das doch nochmals: es wird zu 90 % Nadelholz nachgefragt. Und ForstBW will den Nadelholzanteil bei nur 50 % halten! Wie soll diese Rechnung aufgehen?

Paradoxerweise hatte der NABU bereits am 21.09.2011 festgestellt, dass es zu wenig Holz gibt, schuld ist angeblich die Energiewende. Deshalb fordert der NABU bereits damals, dass „die Energiewende die Wälder nicht leerfegen darf“.

http://www.nabu.de/themen/wald/hintergrundinfos/waldwirtschaft2020.html
Und in ihrer Vereinszeitschrift „Naturschutz heute“ (Ausgabe 3/14) schrieben sie: „Die Nachfrage nach dem wertvollen und vielseitig verwendbaren Rohstoff Holz ist weltweit gestiegen. … Wir Deutschen verbrauchen jährlich rund 140 Millionen Kubikmeter Holz“. In den Augen des Nabu ist „vor allem die Entwicklung der Holzverwendung für die Energie- und Wärmegewinnung problematisch.“

Wenn selbst der NABU hier wieder indirekt einräumt, dass es zu wenig Holz gibt, woher sollen die fehlenden Holzmengen dann kommen? Die Antwort darauf bleibt der NABU schuldig! Paradox ist, dass der NABU trotzdem fordert, dass „langfristig 10 Prozent der Wälder aus der Bewirtschaftung genommen werden sollen.“

http://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/nh/nh314.pdf

Wobei unsere Aussage „der NABU“ eigentlich nicht ganz richtig ist. Denn in etlichen Leserbriefen von NABU-Mitgliedern äußern auch diese ihr Unverständnis über das widersprüchliche Reden und Handeln der NABU-Funktionäre beim Thema Wald (siehe „Naturschutz heute“, Ausgabe 3/14).

Die Vereinten Nationen hatten das Jahr 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder ausgerufen, um damit auf die besondere Verantwortung der Menschen für die Wälder hinzuweisen. Dabei lag der Fokus auf einer nachhaltigen Bewirtschaftung, der Erhaltung und der nachhaltigen Entwicklung für künftige Generationen. Deutschland beteiligte sich daran mit einem groß angelegten Beitrag unter dem Motto „Entdecken Sie unser Waldkulturerbe“. Dieser wurde am 21. März 2011, dem Internationalen Tag des Waldes, bundesweit eröffnet und sollte die Bürger anregen, sich über die Funktionen und Facetten des Waldes zu informieren. Dazu zählt ausdrücklich auch die Nutzung von Holz.

Allerdings ist auch die Politik der Bundesregierung widersprüchlich. Denn wenn das Bundeskabinett in der „Waldstrategie 2020“ beschließt, die Obergrenze für den jährlichen Holzeinschlag auf 100 Millionen Kubikmeter anzuheben, was einer Erhöhung von mehr als 60 Prozent gegenüber den durchschnittlichen Erntemengen der vorhergegangenen Jahre bedeutet, gleichzeitig aber immer mehr Flächen aus der Bewirtschaftung genommen werden, dann ist dies, für einen logisch denkenden Menschen, nicht mehr nachzuvollziehen!

Herr Dr. Gerd Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, in Berlin, erklärte in einer Pressemitteilung (BMEL Nr. 009) vom 18.01.2011 „…wir sehen aber mit großer Sorge, dass weltweit große Waldflächen zerstört werden. Nach Angaben der FAO verschwinden jährlich 13 Millionen Hektar Wald. Vielerorts findet Raubbau und illegaler Holzeinschlag statt“. http://dfwr.de/nachhaltige-waldbewirtschaftung/

Prof. Dr. Jürgen Bauhus, Prof. für Waldbau / Uni Freiburg sagte bei der Anhörung im Stuttgarter Landtag: „Global gesehen nehmen Waldflächen ab, Waldschutzgebiete aber rapide zu. Zu einem umfassenden Verständnis von Nachhaltigkeit sollte natürlich das lokale Handeln mit dem globalen Denken verbunden werden. Global gesehen, kann es keine Extensivierung ohne die entsprechende Intensivierung geben.“

http://www.landtag-bw.de/cms/home/mediathek/videos.html?data-videochapterseconds=10737&mid=6e38f989-a6a5-456d-ada6-2e1c92859ad6

Es ist ein falsches Verständnis von Umweltschutz, wenn, wie es hier gerade geschieht, immer größere Flächen der nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzung entzogen werden.
Wie sagte doch gleich Herr Markus Roesler (MdL/Grüne, NABU): „Global denken, lokal handeln“.
Genau darum geht es! Unter diesem Gesichtspunkt ist es absolut unverständlich, dass auch er es gut findet und sogar fordert, dass zusätzliche Flächen (Kulturwälder!) aus der Bewirtschaftung genommen werden um dann andernorts umso mehr Urwälder zu zerstören! Denn jeder Festmeter Holz, den wir hier vor Ort nicht nutzen, muss aus anderen Teilen der Erde importiert werden. Dies geschieht unter oft katastrophalen Erntebedingungen und mit einer enormen Belastung der Umwelt durch die dann notwendigen Transporte!

Ein Bericht aus Kanada verdeutlicht diese Aussage. „…Wir kennen sie aus Filmen, Bildbänden oder von eigenen Reisen, die regenreichen Urwälder der Westküste Nordamerikas mit ihren jahrhundertealten, moosbewachsenen Baumriesen. Diese Regenwälder des temperaten Klimas beeindrucken durch ihre Vielfältigkeit und sie sind Lebensraum für Bergpumas, Bären, Wölfe und zahllose weitere Tierarten. Zeitschriften, Werbeprospekte, Windeln, Spanplatten – viele dieser Produkte stammen aus dem Holz der temperaten Regenwälder. Kanadas Urwälder werden gerodet für Wegwerf- und Billigprodukte. Etwa alle zwei Minuten wird Wald von der Größe eines Fußballfeldes eingeschlagen, um den Papierverbrauch in den Industrieländern zu sichern. Unser verschwenderisch hoher Verbrauch von Papier und Zellstoff wird nicht zuletzt auch den temperaten Regenwäldern zum Verhängnis. Die kanadische Provinz Britisch Kolumbien beherbergt entlang ihrer Pazifikküste die letzten zusammenhängenden Regenwälder der gemäßigten Breiten. Noch, denn von allen Seiten dringen die Holzkonzerne in die steilen Täler ein und holzen ab, Tal für Tal, jeden Tag mehr als einen Quadratkilometer. Weit mehr als die Hälfte der Regenurwälder sind bereits abgeholzt und das Tempo ihrer Zerstörung ist ebenso bedrohlich wie das der tropischen Regenwälder.“

http://www.naturschatz.org/kanada/

Angesichts solcher Berichte kann man sich nur noch über die Forderungen unserer „Umweltschützer“ hier in Deutschland wundern! Denn es ist definitiv für den Umwelt- und Klimaschutz nicht zuträglich, wenn wir hier in Deutschland Kulturwälder aus der Bewirtschaftung nehmen und dafür andernorts noch mehr (Urwälder) abholzen lassen. Die ideologischen Visionen unserer emotional orientierten Prozessschutzbefürworter will hierzulande aus Wirtschaftswäldern Pseudo-Urwälder machen – woher das offensichtlich erforderliche Importholz kommt und unter welchen Bedingungen es eingeschlagen wird, ist diesen Personen egal.

Die NLP-Gutachter präsentierten übrigens folgende Scheinlösung zur Kompensierung der fehlenden Holzmengen. Unter Punkt 32 der Zusammenfassung des Gutachtens steht, dass „die Gutachter, aufgrund der Holzzuwächse in der Region, eine rechnerische Möglichkeit sehen, die Mindermengen auszugleichen. Vorräte seien allerdings überwiegend im kleinen und mittleren Privatwäldern lokalisiert worden und betreffen darüber hinaus überwiegend die Baumart Tanne. Daher sehen die Gutachter aufgrund der begrenzten Einflussmöglichkeiten auf das Nutzungsverhalten der Privatwaldbesitzer und vor dem Hintergrund der nur begrenzt möglichen Substituierbarkeit von Fichten- durch Tannenholz erhebliche Risiken was die Nutzung der Vorräte anbelangt“. Weiter heißt es: „Maßnahmen zur Mobilisierung von Holz aus Privatwälder, hätten bisher bundesweit nicht die angestrebten Wirkungen erzielt“. Mit anderen Worten: Die Gutachter schlagen eine „Lösung“ vor, von der sie selber wissen, dass sie nicht realisierbar ist! Und was noch dazukommt, während sonst immer „alte Bäume“ gefordert werden, sollen die Privatwaldbesitzer ihre alten Baumbestände, da gibt es sie nämlich noch, opfern, zu Gunsten des Nationalparks!

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat übrigens bereits 2006 festgestellt, dass die Aussage, „in deutschen Wäldern stehen Millionen von Festmetern Holz ungenutzt“ falsch ist. Denn, laut BUND befinden sich „diese Übermengen ausschließlich im Privatwald, und hier vor allem im Kleinprivatwald. Das Holz aus dem Kleinprivatwald landet jedoch nur in geringem Umfang auf dem Holzmarkt, weil es entweder kaum genutzt wird oder für den Eigenverbrauch benötigt wird. Der Großprivatwald und der Staat schlagen bereits schon jetzt Holz an der Nachhaltigkeitsgrenze“.

http://www.bund-naturschutz.de/presse-aktuelles/pressemitteilungen/detail/artikel/703/pm/a171f3b141ea2a5cbd55d671300c1e17.html?PHPSESSID=4b368b77e683986c7adb1592fd71ddf5 Seite nicht mehr aufrufbar

Man beachte: schon damals beklagte der BUND, dass zu viel Holz geschlagen würde, dass an der Nachhaltigkeitsgrenze eingeschlagen würde! Woher das Land Baden-Württemberg das fehlende Holz dann nehmen will bleibt rätselhaft. ForstBW wirtschaftet jedenfalls bereits schon jetzt an der Nachhaltigkeitsgrenze! Die Gutachter fordern deshalb, den Einschlag in den Staatswäldern „zumindest in den nächsten 10 Jahren um 14% zu drosseln“, wodurch zusätzlich Holz fehlen wird (Zusammenf. Gutachten S. 12, Punkt 26)! Auch durch das Alt- und Totholzkonzept wird sich das Angebot weiter verringern.

Aber Herr Roesler (MdL, NABU) hat, gemeinsam mit Herrn Bonde, nun angeblich die Lösung des Problems gefunden. Denn auf seiner Homepage schreibt er: „Minister Bonde hat 2013 mit den Sägewerkern vereinbart, dass Forst BW ihnen beim Wegfall bisheriger Holzlieferungen anderes Holz von ForstBW zur Verfügung stellen wird. Diese Zusage soll dadurch ermöglicht werden, dass die regionalen Sägewerker künftig bevorzugt gegenüber der Vermarktung von Holz ins Ausland bedient werden. Botschaft: Weniger Holz erst in 30 Jahren. Land garantiert Ersatz. Sägewerke sind nicht gefährdet“.

http://www.markusroesler.de/fileadmin/roesler/dateien/Nationalpark_Nordschwarzwald/10_Punkte_zum_Nationalpark_Nordschwarzwald.pdf

So wie Herr Roesler gibt es einige, die behaupten, dass einfach nicht so viel Holz exportiert werden solle, dann könne man die Zusage auch ohne Probleme einhalten. Dass wir jetzt schon über 4 Mio. Kubikmeter Rohholz mehr importieren als exportieren, verschweigen sie.

Aber was sagt eigentlich das Gutachten dazu, wohin das Holz hier aus der Region geht? Unter Punkt 575 steht die Antwort:

Über den Anteil des Holzes aus dem Suchraum, das die Wertschöpfungskette tatsächlich vollständig in Deutschland durchläuft sowie den auf das Land Baden-Württemberg und insbesondere die Region Nordschwarzwald entfallenden Anteil, liegen keine vollständigen und aktuellen Informationen vor.
Daher wurde der Anteil der Wertschöpfung, die in Baden-Württemberg stattfindet, auf Basis der nachfolgenden Anhaltspunkte abgeleitet:

  • Grundsätzlich ist bekannt, dass das Industrieholz (8,6 % der Gesamtholzmenge) aus dem Suchraum vollständig in Deutschland und zu 64 Prozent in Baden-Württemberg und davon wiederum zu knapp 93 Prozent in der Region Nordschwarzwald zzgl. der Kreise Rastatt und Ortenaukreis verbleibt.
  • Brennholz (2,6 % der Gesamtholzmenge) wird vollständig in Baden-Württemberg und dabei zu circa 99 Prozent in der Region Nordschwarzwald zzgl. der Kreise Rastatt und Ortenaukreis verwertet.
  • Das in Deutschland verbleibende Stammholz (ca. 6 % gehen ins Ausland) aus dem Suchraum wird in der ersten Wertschöpfungsstufe zu rund 93 Prozent in Baden-Württemberg und davon wiederum zu rund 91 Prozent in der Region Nordschwarzwald zzgl. der Kreise Rastatt und Ortenaukreis verarbeitet.

Es gibt hier in der Region also keine überschüssigen Holzmengen auf die das Land zugreifen könnte. Wenn das Land den Sägewerkern vor Ort das zugesagte Holz wirklich liefert, dann muss es dieses irgendjemand anderem wegnehmen.
Die Frage ist nur wem? Denn das Problem der fehlenden Holzmengen besteht ja nicht nur in Baden-Württemberg, in Deutschland oder in Europa, sondern mittlerweile weltweit. Bereits 2011 berichtete Herr Ensslen / NABU in einem Vortrag, dass es bis 2020 in Deutschland eine Deckungslücke beim Rohholz in einer Größenordnung von rund 30 Mio. m³ geben wird. In
Europa würde sich eine Lücke von ca. 430 Mio. m³ auftun (FAO, DBVZ).
In Deutschland dürfte 2020 die Nachfrage um 20 % höher sein als die verfügbare Holzmenge. In Europa wird die Nachfrage dann um 55 % höher sein als die verfügbare Holzmenge! http://www.duh.de/uploads/tx_duhdownloads/04_Enssle_NABU_Vortrag_Waldtagung_080211.pdf (Seite 8)
Wie gesagt, dies sind nicht unsere Zahlen, sondern die Zahlen von FAO, DBVZ die der NABU verbreitet!

Und was sagte Herr Kretschmann zu den fehlenden Holzmengen und der daraus resultierenden Angst der Sägewerker um ihre Betriebe? „Das Argument zieht bei mir ohnehin nicht. Wir wollen Holz aus der Nutzung nehmen, das ist unser Ziel, um den Naturschutz voranzubringen“ (Schwabo, 10.11.2012) .

Wir denken jeder der die Fakten betrachtet, die widersprüchlichen Aussagen liest, kann es nachvollziehen, dass die Sägewerker Angst um ihre Betriebe haben.

Deshalb verwundern auch nachfolgende Aussagen und Berichte nicht:

So sagte Sägewerksbesitzer Johannes Bohnert, dass „er durch den Nationalpark Schwarzwald um seine berufliche Existenz fürchtet“. Des Weiteren sagte er: „Ich selbst liebe die Natur und habe Verständnis dafür, dass sich viele Bürger den Nationalpark wünschen, der im Prinzip auch gut ist“. Nach einer kurzen Pause fährt er fort: „Aber ich glaube, dass er zu einer Katastrophe in der Sägeindustrie führen wird, die von der Politik billigend in Kauf genommen wird.“ In fünfter Generation führt Bohnert das gleichnamige Sägewerk, das 1892 gegründet wurde. Zwölf Festangestellte und einige Aushilfen beschäftigt er. Etwa 13.000 Festmeter Holz wird im Sägewerk Bohnert pro Jahr gesägt, 20 Prozent davon bekam er bisher aus dem Nationalparkgelände. Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) hat der Sägeindustrie zwar versprochen, durch den Nationalpark fehlende Einschlagsmengen durch Holz aus anderen Staatswäldern zu kompensieren. Johannes Bohnert vertraut dieser Zusage jedoch verständlicherweise nicht. Vor allem auch deshalb, weil er genau weiß, dass Forst BW schon lange an der Nachhaltigkeitsgrenze arbeitet. Herr Bohnert: „Der Staatswald ist leer gefischt, die Ressourcen liegen im Privatwald. Bisher ist es dem Staat aber nicht sonderlich gut gelungen, Holz von Privatwaldbesitzern zu bekommen“.

http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/nationalpark-schwarzwald-bangen-um-saegewerke–78822499.html

Ob er wohl die Aussage von Herrn Kretschmann zu den fehlenden Holzmengen kannte, als er dieses Interview gab? Nochmals Herr Kretschmann: „Das Argument (fehlende Holzmengen) zieht bei mir ohnehin nicht. Wir wollen Holz aus der Nutzung nehmen, das ist unser Ziel, um den Naturschutz voranzubringen“ .

Mit anderen Worten: Die Probleme und Existenzsorgen der Sägewerker und auch die weiter ansteigenden Holzimporte / Vernichtung von Wäldern in anderen Ländern, sind Herrn Kretschmann offensichtlich egal!

Der Ortenauer Landrat Frank Scherer, Mitglied des NLP-Rates, der „sich darüber freut, dass es im Schwarzwald nun einen richtigen Nationalpark gibt“, wobei wir doch die nächsten 30 Jahre nur einen Entwicklungsnationalpark haben, appellierte übrigens bereits 2012 an die Privatwaldbesitzer, „ihre Wälder weiterhin intensiv zu pflegen und alle nachhaltigen Nutzungsmöglichkeiten im Wald zu nutzen. Im Ortenaukreis würden im Privatwald derzeit im Jahresdurchschnitt rund fünf bis sechs Festmeter Holz pro Hektar genutzt. Die nachhaltigen Nutzungsmöglichkeiten lägen jedoch bei rund acht Festmetern Holz pro Hektar und seien damit noch nicht ausgereizt“.
(Presseinfo: Christian Eggersglüß, Pressestelle, Landratsamt Ortenaukreis vom 22.03.2012)

http://www.regiotrends.de/de/verbraucher-wirtschaft/index.news.167451.html
http://www.ortenaukreis.de/index.phtml?&ModID=255&FID=1619.3205.1&object=tx|1619.6.1

Ist diese eine Aufforderung von Herrn Scherer an die Privatwaldbesitzer, genauso an der Nachhaltigkeitsgrenze zu arbeiten wie ForstBW? Den Wald genau so intensiv zu bewirtschaften wie ForstBW? Getreu dem Motto: Wir „schützen“ eine kleine Fläche und der restliche Wald soll umso stärker ausgebeutet werden? Diese Forderung ist „Naturschutz“ paradox!
Offensichtlich war aber auch ihm schon damals bekannt, dass wir hier im Nordschwarzwald zu wenig Holz haben, sonst hätte er sich nicht so geäußert.

Das Sägewerk Streit in Hausach sieht vielfältige Gründe für die fehlenden Holzmengen. Sie haben die Situation teilweise durch Holz aus dem Elsass kompensiert. „Aber aus ökologischer Sicht ist das absoluter Schwachsinn“, betont der Geschäftsführer Klaus Henne. … Der Nachschub aus den Privatwäldern stocke. „Aber wir brauchen unbedingt eine kontinuierliche Versorgung aus dem Privatwald“, schildert Henne. Schließlich macht auch er den Umbau der Wälder für die Problematik verantwortlich. Gerade nach Sturm Lothar sei die Umstrukturierung von Nadelholz zu Buche sogar finanziell gefördert worden. Nach 15 Jahren könne bereits Schliffholz geerntet werden – und in diesem Sektor mache sich der Umbau schon bemerkbar. »Da muss man schon überlegen, ob das die richtige Beratung ist«, gibt er zu Bedenken. Als Nutzholz sei die Buche derzeit überhaupt nicht gefragt. »Ich verstehe nicht, warum die Fichte so totgesagt wird. Sie ist der Baum, der neben der Tanne im Schwarzwald die Erträge sichert«, betont Henne. Er ist sich sicher, dass sich auch diese Baumarten dem Klimawandel anpassen können.

Silke Lanninger, Leiterin des Amts für Waldwirtschaft in Wolfach, bestätigt, dass nach Lothar der Laubholzanteil erhöht wurde. „Ziel war, gesunde Mischbestände zu bekommen“, erklärt sie. Es stimme, dass der Laubholzanteil von der EU gefördert wird, doch „in unserer Region stehen die Fichten an den meisten Standorten stabil und manchmal ist es auch sinnvoll, auf Zuschüsse zu verzichten“, betont sie.
Ein wirtschaftlicher Aspekt sei allerdings immer auch, einen stabilen Bestand zu bekommen, um das Risiko von Sturmschäden zu minimieren. „Ich würde deshalb immer raten, auf zwei bis drei Baumarten zu setzen – es gibt aber auch stabile Nadelholz-Mischwälder“, schildert sie. Denn eine solche Bewirtschaftung sei sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll.

http://www.bo.de/lokales/kinzigtal/nachfrage-groesser-als-angebot

Zusätzlich wird übrigens der Mangel an Holz auch durch eine fragwürdige Subventionspolitik der EU weiter verschärft, und, was wir nicht anders erwartet haben, auch die Zusagen welche die Politik den Sägewerkern bezüglich der durch den Nationalpark wegfallenden Holzmengen gemacht haben, waren offensichtlich nichts wert. Dies zeigt sich nun schon im ersten Jahr des Bestehens des Nationalparks. So konnte man am 25. November 2014 (Quelle: DeSH/IH) folgendes lesen:

… Insgesamt sollen in den nächsten 30 Jahren aus ökologischen Gründen jährlich 35.000 Festmeter Fichte aus den Gebieten des Nationalparks geerntet werden, um auf den Flächen die Voraussetzungen für eine natürliche und dynamische Entwicklung zu schaffen. Holz, das eigentlich der regionalen Holzindustrie zufließen sollte. Bislang sei davon jedoch nichts bei den Betrieben angekommen: Einer Umfrage des DeSH zufolge haben die Sägewerke in der Region bereits im ersten Jahr mit einem Mengenrückgang von durchschnittlich 30% zu kämpfen.
„Für uns stellt sich momentan die Frage, wie die Nationalparkverwaltung die vor einem Jahr getätigten Mengenzusagen garantieren möchte“, sagt Jörg Keller, Geschäftsführer des Sägewerks Kellerholz in Lichtenau-Scherzheim. Seinem Werk fehlen 4.000 Festmeter, die bisher aus der Kulisse des Nationalparks kamen. „Von den damaligen Aussagen, dass durch den Umbau in den kommenden Jahren mehr Holz bereitstehe, möchte heute keiner mehr etwas wissen.“

Laut Schmidt sind im Nationalpark die Zuständigkeiten bezüglich der Holzernte nicht geklärt. Deshalb weigerten sich Forstunternehmer, das Holz aufzuarbeiten. Wegen der eingestellten Wegepflege würden zudem viele Holztransporteure die Fahrt in die Entwicklungszone als gefährlich erachten. …

Bedenklich findet Schmidt, dass es im Nationalparkrat angeblich Überlegungen gibt, das Holz gar nicht an den Markt zu bringen, sondern auf dem Waldboden verrotten zu lassen. Eine Entscheidung darüber stehe aber noch aus. Mit ihr sei wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2015 zu rechnen.

http://holz.fordaq.com/fordaq/news/Nationalpark_Nordschwarzwwald_DeSH_Rundholz_39379.html

Kann es sein, dass für einige der Verantwortlichen des Nationalparks, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit … Fremdworte sind? Warum sorgen die Mitglieder des Nationalparkrates nicht dafür, dass Zusagen eingehalten werden?

Das Leitprinzip der Nachhaltigkeit wurde übrigens nicht etwa von den Umweltschutzverbänden, sondern in der Forstwirtschaft entwickelt. Nachhaltig wirtschaften ist eine Form der klugen Daseinsvorsorge und rückt Verantwortungsbewusstsein für kommende Generationen in den Vordergrund. Genau vor 300 Jahren, im Jahr 1713, wurde dieses Prinzip erstmals weltweit von einem sächsischen Forstmann beschrieben. Hans Carl von Carlowitz prägte den Begriff der Nachhaltigkeit und seine „nachhaltende Nutzung“ wurde nach und nach auch in anderen Wirtschaftsbereichen zum Leitbild des klugen, vorausschauenden und profitablen Umgangs mit den Ressourcen. Carlowitz erkannte, dass ein Wald nur dann auf Dauer einen genügend hohen Holzertrag abwirft, wenn nicht mehr Holz geschlagen wird als wieder nachwächst. Damit ist der zentrale Gedanke des heutigen Nachhaltigkeitsgedankens formuliert: Man verbraucht die Ressourcen nicht, sondern erntet den Überschuss. Das Kapital selbst bleibt erhalten und wird besser noch weiter aufgebaut.
Handelt man nicht nachhaltig, so wird der Spielraum eingeschränkt und man muss zukünftig immer mehr Holz aus anderen Regionen importieren. Getreu dem Motto: Wir nehmen unseren Wald aus der Bewirtschaftung, kahlschlagen lassen wir woanders – und meinen dann noch, wir wären das positive Beispiel in der Umsetzung des Umweltschutzgedankens. Könnte man solch ein Verhalten, wie es die Naturschutzverbände und gewisse Politker fordern und wie wir es hier auch immer mehr praktizieren, nicht auch als Öko-Kolonialismus bezeichnen?
Auszüge aus: http://www.dfwr.de/presse/pressemitteilungen/PM28_Weltspartag.pdf

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft a.D. sagte am 21.01.2014: „Die Waldstrategie folgt dem Leitgedanken Schutz durch Nutzung. Biologische Vielfalt bewahren, dafür muss man breit aufgestellt sein. Mit staatlichen Eingriffen und Flächenstilllegungen kommen wir jedenfalls nicht zum Ziel!“

Die Vertreter des Staats-, Körperschafts- und Privatwaldes in Deutschland hatten bereits im Mai 2013 anlässlich des Internationalen Tages der biologischen Vielfalt übereinstimmend darauf hingewiesen, dass der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Vielfalt der Natur den praktizierten Grundsätzen der nachhaltigen und multifunktionalen Forstwirtschaft entspricht. Die Herausnahme von Waldflächen aus der nachhaltigen Bewirtschaftung aufgrund pauschal vorgegebener Flächenanteile sei in diesem Zusammenhang ein zwar einfacher, aber nicht zwangsläufig zielführender Ansatz.
„Wir begrüßen es, dass unser Forstminister hier mit dem Verweis auf die Waldstrategie der Bundesregierung eine klare Haltung vertritt und darauf hinweist, dass der Wald nur dann die an ihn gerichteten Anforderungen vollumfänglich erfüllen kann, wenn er auch in Zukunft nachhaltig bewirtschaftet wird“, so Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR)

http://www.dfwr.de/presse/pressemitteilungen/PM_GW_BM_Friedrich.pdf

Und auch der Waldeigentümerverband lehnt weitere Waldstilllegungen ab. So schrieb Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, anlässlich der Veröffentlichung der Studie zu Wäldern mit natürlicher Entwicklung in Deutschland (NWE5-Projekt), am 15.Oktober 2013: „Weitere pauschale, fachlich unbegründete Flächenstilllegungen haben keinen Mehrwert für den Naturschutz und schaden Volkswirtschaft und Umweltschutz“.

Das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Forschungsprojekt lief von 2011 bis 2013 und wurde von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) koordiniert. Die streng angesetzten Kriterien der Studie weisen derzeit rund 2 % und für die auf 2020 folgenden Jahre etwa 3 % stillgelegte Wälder aus. „Wenn man die zukünftig gesicherten Stilllegungsflächen beispielsweise des Nationalen Naturerbes mit berücksichtigt, wird deutlich, dass Deutschland bereits über große Flächen mit natürlicher Waldentwicklung verfügt. Wir brauchen also keine weiteren Waldstilllegungen“, sagte zu Guttenberg und betonte, dass der Wald laut BMU bereits seit langem die höchsten Teilindikatoren der Biodiversitätsziele erreiche. Für die Bilanz stillgelegter Flächen, so zu Guttenberg, müsse zudem berücksichtigt werden, dass auf vielen weiteren Flächen keine Nutzung erfolge, diese aber beispielsweise wegen einer zu geringen Flächengröße nicht von der Statistik erfasst seien. Teils werde auch nicht angegeben, dass Flächen unbewirtschaftet seien, z. B. an Steilhängen, in Feuchtgebieten oder auf moorrenaturierten Flächen, in denen die Bewirtschaftung zu aufwendig sei. Die Studie weist zudem einen Nutzenentgang von 3,9 Mrd. Euro aus, welcher allein durch den Verzicht auf die Holzerträge entsteht. Dabei ist der Effekt für die Wertschöpfungskette z.B. der holzverarbeitenden Industrie noch unberücksichtigt. „Diese Zahl deutet die verheerenden Folgen für die nachhaltige Wirtschaft, Arbeitsplätze und das Allgemeinwohl nur an. Auch Flächenstilllegungen müssen sich den umfassenden Kriterien der Nachhaltigkeit unterwerfen“, so zu Guttenberg. Der Verband betont weiterhin, dass Biodiversität nachweisbar auch ohne weitere Waldstilllegungen funktioniere. In keinem europäischen Land gebe es solch pauschale, wissenschaftlich nicht belegte Flächenstilllegungsforderungen in Waldgebieten. „Unsere Wälder sind multifunktional nachhaltig bewirtschaftet und erfüllen den Artenschutz ohne weitere Auflagen“, sagte zu Guttenberg.

„Gemäß unserem Leitsatz ‘Schützen durch Nützen‘ leben und wirtschaften wir seit Jahrhunderten mit der Natur. Unser Ziel ist effizienter, integrativer Naturschutz auf der gesamten Fläche statt ideologisch geprägter, fragwürdiger Stilllegungsverfahren“ so der Präsident der Deutschen Waldbesitzer. Seit Generationen praktizierten die 2 Millionen Waldbesitzer in Deutschland aktiven Naturschutz.

http://www.waldeigentuemer.de/Presse/Pressemitteilungen/NWE5.htm

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!