Auch Herr Rösler gehört zu den Vertretern der grün-roten Landesregierung, die auf zig Veranstaltungen für den Nationalpark geworben haben und sich vor der Bürgerbefragung mit dieser großen Zahl an Informationsveranstaltungen sogar gebrüstet haben, denn schließlich wollte Herr Rösler und die anderen Vertreter der Landesregierung ja für den Nationalpark „werben und ihn nicht verordnen“. http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.calw-der-mensch-ist-doch-nicht-das-mass-aller-dinge.1876f1c7-801c-4728-bcbf-caca343d00c8.html

Bereits am 08.09.2011 konnte man in der Neckar-Chronik lesen, dass „er nun schon rund 60 Stunden aufgewendet hat, in denen er das Thema Nationalpark draußen (in der Natur) mit Interessengruppen erörtert hat“. Schon damals konnte man in diesem Artikel lesen:

„Ob es im Nordschwarzwald den Nationalpark geben oder ob das Vorhaben vielleicht niemals umgesetzt wird, hängt von der Unterstützung oder Ablehnung der davon betroffenen Bevölkerung ab“.

https://www.neckar-chronik.de/Home/nachrichten/nachrichten-freudenstadt_artikel,-Naturschutzpolitischer-Gruenen-Sprecher-Markus-Roesler-auf-Werbe-Mission-fuer-den-Nationalpark-_arid,145424.html

Am 21.12.2012 zitierte der Schwabo Herrn Rösler folgendermaßen: „Noch nie sei in Deutschland oder gar ganz Europa die betroffene Region so aktiv mit einbezogen worden. Über 130 Veranstaltungen habe es gegeben. Die Landesregierung hat keine Mühe gescheut, Ziele und Nutzen eines Nationalparks verständlich darzulegen und mit den Menschen einen direkten Diskurs zu führen“.

Nach der Bürgerbefragung meinte er dann: Die Bürgerbefragungen seien „wichtige Ergebnisse auf dem Weg zu einem komplexen Meinungsbild“. http://www.gruene-landtag-bw.de/themen/umwelt-naturschutz/nationalpark-umfragen-gruene-bieten-weitere-gespraeche-an.html

Außerdem sagte er (13.05.2013, Schwabo): „Wir nehmen die Ergebnisse sehr ernst und werden in den kritischen Gebieten Gespräche anbieten“.

Sich selber lobte er dann in seiner „Halbzeitbilanz“ mit den Worten: „Dutzende von Veranstaltungen zum Thema Nationalpark habe er besucht und organisiert.“ http://www.markusroesler.de/fileadmin/roesler/dateien/presse2014/Vaihinger_Kreisszeitung_21.12.2013.pdf

Irgendwie wollten die Menschen hier vor Ort aber leider nicht begreifen, wie gut er es doch meinte, wenn hier auf einem „Mückenschiss“ (Zitat Roesler) Fläche ein Entwicklungsnationalpark eingerichtet werden sollte. Deshalb hat er sich wohl doch so über uns geärgert, dass er bei der entscheidenden Landtagsdebatte am 29.11.2013 wohl auch der Ansicht war, dass man den Willen von uns Bürgern hier in „Hintertupfingen“ (Zitat Roesler) ruhig übergehen kann.

http://www.markusroesler.de/fileadmin/roesler/dateien/Nationalpark_Nordschwarzwald/NLP-BW-2013_-_Rede-Plenum-28-11-2013__2_.pdf

Dass Beleidigungen bei ihm durchaus zum gängigen Repertoire gehören, bewies er auch, als er in der Landtagsdebatte am 30.01.2013 eine Stellungnahme vom IHK-Geschäftsführer, Herrn Keppler, verlas und diese mit einem „Vogel-zeigen“ kommentierte.

https://www.youtube.com/watch?v=PP95lH1AczM

Für Herrn Rösler kommt für einen Entwicklungsnationalpark nur der Nordschwarzwald infrage. Denn für einen „Nationalpark benötigen wir überwiegend naturnahe, weitgehend unzerschnittene Flächen, die sich völlig oder überwiegend im Besitz der öffentlichen Hand befinden. Diese Kriterien erfüllt in Baden-Württemberg nur der Nordschwarzwald“. So seine Aussage.

Weiter sagte er: „Für den Nordschwarzwald bedeutet die Möglichkeit einen Entwicklungsnationalpark auszuweisen, auf nennenswerten Teilen des Nationalparks noch 30 Jahre Waldumbau zu betreiben – insbesondere die Tanne zu stärken. Auch daher ist ein Vergleich Bayerischer Wald (1970 ausgewiesen mit Tausenden von Hektar naturferner, gleichaltriger Fichtenwälder, kein Waldumbau) mit dem Schwarzwald (evtl. 2014 ausgewiesen, Waldumbau läuft seit Jahrzehnten und würde bis 2044 möglich sein) überhaupt nicht vergleichbar – das wäre Äpfel mit Kokosnüssen verglichen“!
http://www.markusroesler.de/fileadmin/roesler/dateien/Newsletter/NLP-Nordschwarzwald-Gru__ne-Fakten-Ro__sler-25-4-2013.pdf

Interessant ist, dass auch er nicht Natur Natur sein lassen will, sondern ganz im Gegenteil 30 Jahre lang aktiv Waldumbau betreiben will!

Für Herrn Rösler hat übrigens auch der jetzige Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Dr. Leibl, wohl bereits Äpfel mit Kokosnüssen verglichen, da dieser auch den Schwarzwald mit dem Bayerischen Wald verglich (siehe Kapitel Wildnis-Kulturlandschaft). Nur, im Bayerischen Wald wachsen ja bekanntermaßen keine Kokosnüsse. Kann es sein, dass dieses Zitat deshalb viel besser auf die Aussage von Herrn Roesler passt, in der er sagt: „Wir sollten nicht von Ländern wie Brasilien den Schutz natürlicher Regenwälder und damit Nationalparks fordern, solange wir nicht vor der eigenen Haustüre die Biologische Vielfalt auch unserer Wälder schützen“. Wie kann er die Kahlschläge, Brandrodungen … den Raubbau dort, mit unseren „naturnahen“ nachhaltig bewirtschafteten Wäldern vergleichen. Bei seiner Aussage passt der Ausdruck „Äpfel mit Kokosnüssen zu vergleichen“ wohl eher!

Deshalb, weil wir nicht den Raubbau in anderen Ländern unterstützen sollten, ist es unsere Pflicht, den hier vor Ort nachwachsenden Rohstoff Holz weiterhin zu nutzen und nicht andernorts abholzen zu lassen und dann noch entsprechende Transportwege in Kauf zu nehmen. Oder wie Herr Rösler es formulierte: „Global denken, lokal handeln“!!!

Auch für Herrn Roesler verbindet übrigens ein Nationalpark ökonomische und ökologische Aspekte. Denn die vierzehn bestehenden Nationalparke würden „jährlich durch etwa 50 Mio. Menschen besucht, von denen 46 % deswegen dorthin gehen, weil es ein NLP ist, die würden sonst nicht dorthin gehen. Das ganze führt zu einem Umsatz von 2,1 Mrd. Euro allein in Deutschland und entspricht einem Vollzeitbeschäftigungsäquivalent von 69.000 Arbeitsplätzen allein durch die Existenz der NLP in Deutschland“. So meint er. Man liebt ja große Zahlen, wenn man etwas positiv herüberbringen will.

Nur, stimmen diese Zahlen wirklich? In diesen Zahlen, die er hier genannt hat, wird jeder, der den Königssee, den Harz oder die Nordsee besucht, automatisch als Nationalparktourist gezählt – auch wenn er evtl. nicht einmal weiß, dass er einen Nationalpark besucht! Dass 46 % deswegen dort Urlaub machen, weil es ein Nationalpark sei, ist ebenfalls irreführend. Wird die Frage offen gestellt: „Warum machen sie dort Urlaub?“ (und nicht: hat der Nationalpark die Entscheidung, in die Region zu kommen, beeinflusst), dann geben nur 3,2 % (JOB 2007) als Grund den Nationalpark an und nicht 46 % wie Herr Roesler sagt.

Im Gutachten (S. 194 / 676b) werden nochmals andere Zahlen genannt. Dort steht unter „Nationalparkbesucher im engeren Sinne“: „Wenngleich zum Untersuchungszeitpunkt nur etwa ein Fünftel der ökonomischen Effekte in deutschen Nationalparks von Besuchern hervorgerufen wurde, deren Hauptreisemotiv im Besuch der Nationalparks lag, so ergibt sich hieraus auf Bundesebene ein Einkommensäquivalent von 14.000 Personen“.

Herr Roesler wirbt also eben mal so mit einem Vollzeitbeschäftigungsäquivalent von 69.000 Arbeitsplätzen, obwohl das Zustandekommen dieser Zahl doch sehr fragwürdig ist, denn sogar das Gutachten spricht von nur 14.000 Arbeitsplätzen. Auch die Aussage „ein Fünftel“ im Gutachten, passt nicht zu Herrn Roeslers 46 Prozent.

Aber irgendwie muss man natürlich möglichst viele Arbeitsplätze (egal welche Qualität diese Arbeitsplätze haben) und damit auch einen touristischer Nutzen vorweisen. Deshalb ist natürlich auch er für ein Großwildgehege, umgeben von einem 38 km langen Zaun, um Touristen anzulocken. Denn wie sagte er:. „Ich halte es touristisch für eine gute Idee, Wildtiere des Nordschwarzwalds auf einer größeren Fläche zu zeigen. Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, der im Bayerischen Wald gemacht wurde. Dort denken die Leute, wenn sie das Wildtierreservat besuchen, dass sie im Nationalpark sind.“

Ahja – Die Leute besuchen also das Wildtierreservat im Bayerischen Wald, meinen sie sind im Nationalpark, den sie höchstwahrscheinlich gar nicht näher anschauen, und sind deshalb begeistert. Toll! Dann brauchen wir ja gar keinen Nationalpark, dann reicht ein Wildtierreservat zur Tourismusförderung!

Abschließend noch ein schönes Beispiel, wie Roesler die Bevölkerung hier so einschätzt: Überall, wo man Geld ausgeibt, dazu erwähnen, dass man wegen des Nationalparks zu Besuch ist – das überzeugt die Kritiker (leider) mehr als alles andere …
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