Auch Frau Sitzmann gehört zu der Politikerkategorie, die nach dem Motto regieren: Was geht mich mein Geschwätz von gestern an. Die Wirtschaftswoche (Ausgabe 39/2012) zitierte sie mit den Worten: „Der Nationalpark ist eine große Chance für die Region. Wir können und werden dieses Projekt aber nicht gegen die Bürgerschaft vor Ort durchdrücken“.
http://www.wiwo.de/politik/deutschland/umstrittene-plaene-ak-auerhuhn/7162310-4.html

Auch sie glaubte wohl daran, man müsste die Bürger hier vor Ort nur richtig indoktrinieren, dann würde auch bei den Befragungen das, in ihren Augen, richtige Ergebnis herauskommen. So sagte sie in der Landtagsdebatte am 16.05.2013, dass „über 130 Veranstaltungen und fast 100 Wanderungen durchgeführt worden sind, außerdem seien Flyer an 120.000 Haushalte verteilt worden.“ https://www.youtube.com/watch?v=D1cP3dwVDho

Nicht nur, dass sie versprach, „das Projekt nicht gegen die Bürgerschaft vor Ort durchzudrücken“, die Landesregierung könne, so meinte sie, „sogar Vorbild sein, was den Entstehungsprozess und die Einbeziehung und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Kommunen anbelange“.
http://www.gruene-landtag-bw.de/themen/umwelt-naturschutz/nationalpark-ist-die-optimale-verknuepfung-von-oekologie-und-oekonomie.html

Vorbild ist man natürlich immer. Entweder ist man Vorbild, wie man etwas macht, oder, wie man es eben nicht macht. Nachdem die Bürgerschaft hier vor Ort eindeutig gesagt hat, was sie nicht will, nämlich den Nationalpark, war es auch bei Frau Sitzmann so, dass sie sich an ihre Zusage nicht mehr erinnern, geschweige denn daran halten wollte. Auch die Aussage von ihrem Parteivorsitzenden, Herrn Kretschmann: „Es gibt gar kein schlagendes Argument mehr, dass wir in einer aufgeweckten auch aufmüpfigen Gesellschaft der Bürgerschaft verweigern, dass sie in wichtigen Fragen selber entscheidet, dagegen gibts überhaupt kein Argument“, ist anscheinend irgendwie an ihr vorübergegangen.

Die Frage, ob aus der von Grün-Rot selbst proklamierten „Politik des Gehörtwerdens“ also eine „Politik des Erhörtwerdens“ wird, diese grundsätzliche Debatte wollte Frau Sitzmann übrigens am Montag nach der Bürgerbefragung erst gar nicht anfangen. Da hieß es nur noch: „Wir wollen so viele Menschen wie möglich von der Richtigkeit des Vorhabens überzeugen.“ 13.05.2013
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nationalpark-schwarzwald-nationalpark-bonde-tritt-flucht-nach-vorn-an.3434312b-24a1-4521-869c-3c15b68b1129.html

So ist das also: Zunächst verspricht man, dass man das Projekt nicht gegen die Bürgerschaft vor Ort durchdrücken werde. Nach der Befragung will man nur noch „so viele Menschen wie möglich von der Richtigkeit des Vorhabens überzeugen.“ Und wenn dies nur 20 % sind wie in Baiersbronn und Forbach, dann übergeht man halt die 80 % „Restminderheit“. In den Bürgerbefragungen haben nach ihrem Weltbild die Menschen auch nicht nein zum Nationalpark gesagt, sondern es geht, ihrer Meinung nach, nun „darum, die Bedenken, die da zum Ausdruck gekommen sind, ernst zu nehmen“. https://www.youtube.com/watch?v=D1cP3dwVDho

Und wie nimmt sie die „Bedenken“ ernst? Indem sie sich an ihre Zusage nicht mehr erinnert, die Bürgerbefragung ignoriert!

Wer es bis jetzt noch nicht gewusst hat: Abstimmungen sind also, laut Frau Sitzmann, keine Entscheidungen für oder gegen ein Vorhaben oder eine Partei, sondern bringen nur „Bedenken“ zum Ausdruck. Für sie ist nun natürlich, ganz der offiziellen Sprachregelung folgend, auch „die Mehrheit in der Region dafür“.

Dies würden ja die Umfragen beweisen. Was für ein Demokratieverständnis hat eigentlich Frau Sitzmann? Werden zukünftig Wahlen auch auf der Grundlage von Umfragen entschieden?

Laut Frau Sitzmann läuft der Nationalpark, die richtige Bezeichnung Entwicklungsnationalpark benützt auch sie nie, dank seiner internationalen Auszeichnungen, „auf einer Ebene mit dem Yosemiti oder Grand Canyon Nationalpark. Sie sei schon dort gewesen.“

Frau Sitzmann weiß bestimmt auch, was ein Tata (Tata Motors) und ein Rolls-Royce (Rolls-Royce Motor Cars) gemeinsam haben? – Beides sind Autos! Nur, vergleicht die jemand?
Und wenn sie dann noch sagt: „…hören Sie endlich auf Märchen zu erzählen, hören Sie endlich auf zu diffamieren und zu diskreditieren …“, dann kann man sich nur noch wundern. Ist es nicht vielmehr so, dass die Befürworter das „Diffamieren“ und „Diskreditieren“ in einzigartiger Weise beherrschen und beim „Märchen erzählen“ sind die Befürworter sowieso unschlagbar! Sie haben sich hier ein regelrechtes Alleinstellungsmerkmal erarbeitet!
http://www.gruene-landtag-bw.de/rueckschau/videos/warum-ein-nationalpark-gut-fuer-das-land-ist.html

Außerdem kann man Frau Sitzmann nur empfehlen, zukünftig Ökourlaube im Schwarzwald zu machen und nicht klimaschädigend um den halben Globus zu fliegen.
Frau Sitzmann ist offensichtlich Vorbild dafür, wie man es sowohl beim Thema Ehrlichkeit/Verlässlichkeit als auch beim Thema Mobilitätsverhalten/Klimaschutz nicht macht!