Wenn Claus Schmiedel über das Thema Nationalpark spricht, dann dreht sich seine Argumentation in erster Linie um die Bereiche Wirtschaft/Tourismus und Infrastruktur. Er spricht dann von „positiven Effekten und neuen Chancen im Tourismus, die sich böten“ und verspricht außerdem, „dass das Land zusätzlich und völlig unabhängig vom Nationalpark sich dieser Region mit Förderungsmaßnahmen im Bereich der Wirtschaft und Infrastruktur zuwenden werde“.

Gleichzeitig sagt er: „Für die betroffenen Sägewerke der Region ist schon jetzt sichergestellt, dass der Landesforst ihnen entstehende Liefermengen ausgleicht. Dazu ist kein Transport von weit her erforderlich, da schon jetzt ein großer Teil des Holzes aus dem Schwarzwald in die Ferne zur Verarbeitung geht“.

Bei seiner ersten Aussage kann man nur sagen: wir werden sehen…..
Seine zweite Aussage ist definitiv falsch. Wenn Herr Schmiedel das Gutachten gelesen hätte, hätte er wissen müssen, dass aus der Region so gut wie kein Holz exportiert wird. Im Gutachten unter Punkt 575 steht:

„Grundsätzlich ist bekannt, dass das Industrieholz aus dem Suchraum vollständig in Deutschland und zu 64 Prozent in Baden-Württemberg und davon wiederum zu knapp 93 Prozent in der Region Nordschwarzwald zzgl. der Kreise Rastatt und Ortenaukreis verbleibt. Brennholz wird vollständig in Baden-Württemberg und dabei zu circa 99 Prozent in der Region Nordschwarzwald zzgl. der Kreise Rastatt und Ortenaukreis verwertet. Das in Deutschland verbleibende Stammholz aus dem Suchraum wird in der ersten Wertschöpfungsstufe zu rund 93 Prozent in Baden-Württemberg und davon wiederum zu rund 91 Prozent in der Region Nordschwarzwald zzgl. der Kreise Rastatt und Ortenaukreis verarbeitet“.

Von dem geringen Rest wird ein Großteil in der angrenzenden Region (Elsass) verarbeitet! Von wegen „in die Ferne zur Verarbeitung“! Dass ForstBW inzwischen auch noch Probleme mit dem Kartellamt hat, macht seine Zusage/Aussage (fehlende Holzmengen auszugleichen) nur noch unglaubwürdiger.

Direkt nach der Bürgerbefragung veröffentlichte die StZ folgende Aussage von ihm: Claus Schmiedel will das Projekt nicht begraben: „Die Befürworter des Nationalparks müssen nun Flagge zeigen.“ Es brauche „nun klare Voten“ aus den anderen Kommunen und Kreisen im Nordschwarzwald.
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nationalpark-schwarzwald-nationalpark-bonde-tritt-flucht-nach-vorn-an.3434312b-24a1-4521-869c-3c15b68b1129.html

Nur leider sind bis heute diese Befragungen in anderen Kommunen und Kreisen nicht durchgeführt worden. Diese Forderung hat er seither natürlich auch nicht mehr wiederholt. Offensichtlich ist bei ihm die Einsicht gereift, dass wir Bürger den Entwicklungsnationalpark mehrheitlich nicht wollen und die angeblich repräsentativen Umfragen in Wirklichkeit nicht repräsentativ sind.

Hoffnung schöpften wir aufgrund einer weiteren Aussage zum Thema Bürgerbefragung: So sagte er: „…die Befürworter hätten sich zu spät aus der Deckung gewagt und den Gegnern zu lange das Feld überlassen… er kann sich nicht vorstellen, dass Gemeinden mit heftigem Widerstand im Suchraum bleiben…“ (Schwabo, 13.05.2013)

Abgesehen davon, dass der erste Teil der Aussage, wie hier schon mehrfach dargelegt wurde, nicht der Wahrheit entspricht, weckte der zweite Teil seiner Aussage die Hoffnung, dass der Nationalpark nun noch auf ca. 10 % seiner ursprünglich geplanten Fläche eingerichtet werden würde. Denn aufgrund seiner Forderung würden dann ja nur noch die Gemeinden übrig bleiben bei denen keine Bürgerbefragung stattgefunden hat, diese stehen jedoch nur für ca. 10% der Fläche. Diese Aussage von Herrn Schmiedel sollte sich jedoch leider sehr schnell als gedankenloses Gerede erweisen, welches die Landesregierung nicht erfüllen wollte.

Aber irgendwie ist wohl tief in ihm drin doch noch ein Rest Unbehagen, wenn man den Bürgerwillen so ignoriert, wie es die Landesregierung hier tut, denn gerade mal drei Monate später sagte er zum Thema Schulpolitik (G8/G9): „Wenn man sich der Politik des Gehörtwerdens verschreibt, kann man nicht ignorieren, dass sich 90% gegen das G8-Angebot entscheiden“. (Schwabo, 31.08.2013) Herr Schmiedel hat ja so Recht, nur, warum ignoriert er dann noch immer die Ergebnisse der Bürgerbefragung zum Entwicklungsnationalpark? Warum forderte er nicht auch beim Thema Entwicklungsnationalpark ein Umdenken bei der Landesregierung? Stattdessen sagt er: „…nach zehn weiteren Jahren ist das (der Protest gegen den Entwicklungsnationalpark) ausgeschwitzt“. Dies zeigt deutlich, welche Einstellung er zum Bürger, zum Wähler, zum Souverän hat! Aber wenn er sich da mal nicht irrt. So schnell vergessen wir Schwarzwälder nicht! Vielleicht ist er aber auch wie Frau Erler der Ansicht, dass wir Gegner nur eine „Restminderheit“ sind, die man getrost übergehen kann. Denn die von den Naturschutzverbänden initiierten Umfragen besagen ja , dass es eine Mehrheit für den Entwicklungsnationalpark gäbe. Aber wenn er sich da mal nur nicht täuscht. Wie hat er selbst gesagt: „Umfragen sind das Eine – der Marsch in die Wahlkabinen ist das Andere“.

Wir sind gespannt, ob seine Prognose: „Ein Nationalpark BlackForest verbunden mit einem Package Daimler-Automuseum verschafft uns Besucherströme aus Amerika“ der Realität entspricht, oder auch mal wieder nur eine weitere Luft-Lach-Nummer ist. Wobei so zum Lachen ist das eigentlich gar nicht, denn es würde das Klima enorm belasten und den Entwicklungsnationalpark Nordschwarzwald als Umweltschutzprojekt einmal mehr ad absurdum führen!

Seine Aussage: „Nicht nur für den Natur- und Artenschutz, sondern auch für den Tourismus ist die Einrichtung eines Nationalparks ein Quantensprung“, dürfte der Wahrheit schon näher kommen, denn schließlich ist ein Quantensprung in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Übergang zwischen zwei Werten einer physikalischen Größe im atomaren Bereich. Da dort alle Größen diskrete Werte annehmen, sind solche Veränderungen immer sprunghaft und in den meisten Fällen nicht mit einer qualitativen Veränderung des Systems verbunden. In seiner ursprünglichen physikalischen Bedeutung sind „Quanten“ die kleinst mögliche Energiedifferenz diskreter Zustände. Typisch für den Quantensprung ist, dass er winzig ist und in sehr kurzer Zeit abläuft. Zumindest der erste Teil (winzig) dürfte, für die Bereiche Naturschutz und Tourismus, zutreffen. Wozu dann also so viel Geld für einen Entwicklungsnationalpark ausgeben?

http://www.spd.landtag-bw.de/index.php?docid=5254