706px-Landtag_BW_Logo.svgAm 20. November 2013 fand im Landtag Baden Württemberg eine öffentliche Anhörung zum Gesetzentwurf der Landesregierung, Gesetz zur Errichtung eines Nationalparks Schwarzwald und zur Änderung weiterer Vorschriften statt. Es wurden insgesamt elf Referenten eingeladen. Darunter auch Andreas Fischer,  Vorsitzender des Vereins Unser Nordschwarzwald e.V.  für die Vortragenden war jeweils eine Redezeit von fünf Minuten vorgesehen.

Nachfolgend für alle Interessierten, die nicht die Möglichkeit hatten der Anhörung live im Internet zu folgen, der Vortrag des Vorsitzenden zum nachlesen.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Ihre Frage lautet:

  • Welche Maßnahmen sind am sinnvollsten und wichtigsten, um für einen Nationalpark möglichst große Akzeptanz und Zustimmung in der Region zu erreichen? 

Unsere Antwort ist:

Man setzt den Gesetzgebungsprozess aus!

Das möchte ich Ihnen gerne erläutern.

Die beiden von der Landesregierung in der anfänglichen Nationalparkdiskussion geprägten Leitbegriffe waren:

ERGEBNISOFFENHEIT und BÜRGERBETEILIGUNG

Können Sie sich noch erinnern? Lange ist davon keine Rede mehr.

Heute wird der rund zweieinhalb Jahre währende, sogenannte Bürgerbeteiligungsprozess als vorbildlich bezeichnet. Das von der Landesregierung beauftragte Gutachten ist ein Lehrstück, wie Akzeptanzbeschaffung funktioniert. Denn nur so war es möglich, gegenüber der vom Nationalpark betroffenen Region den Anschein zu erwecken, dass die Vorteile des geplanten Parks die Nachteile überwiegen.

Ein Nationalpark ist kein politisches Prestigeobjekt und unser Nordschwarzwald ist kein Versuchslabor. Die Einrichtung eines Nationalparks sollte als unvoreingenommenes Gemeinschaftsprojekt verstanden werden! Und dieses bedarf Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und vor allem Zeit, um die Idee, die damit einhergehenden Veränderungen in den Köpfen der Menschen reifen und die richtigen Bilder entstehen zu lassen!

Wie sagte Herr Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Gehört werden, heißt nicht erhört werden!“ Sprach nicht Herr Dr. Markus Rössler von einem „Mückenschiss“ und erteilte uns Frau Gisela Erler nicht eine demokratische Lehrstunde, als sie von der „Nulloption“ sprach?

Meine Damen und Herren, weder die Ausgangssituation noch die Rahmenbedingungen, die hier im Nordschwarzwald für die Einrichtung eines  Nationalparks vorherrschen, sind mit anderen Nationalparken vergleichbar.

Deshalb muss solch ein Multigenerationenprojekt zu 100 Prozent auf die vorherrschenden Gegebenheiten zugeschnitten sein. Damit  tragen alle Beteiligten, sowohl Befürworter als auch Kritiker eine große Verantwortung. Denn man muss sich immer vergegenwärtigen, dass es hier darum geht, eine traditionelle, von Menschen geprägte, gehegte und vor allem von vielen  geliebte Waldlandschaft, in der der Naturschutz schon immer eine große Rolle gespielt hat, für die nächsten Jahrhunderte zu verändern.

Dazu waren und sind die Menschen immer bereit! Wer unterstellt, dass sich diese Menschen nicht für die Natur einsetzen, von wirtschaftlichen Interessen getrieben sind oder den Schöpfungsgedanken als hohle Phrase verstehen, der führt Böses im Schilde!

Meine Damen und Herren, bei der Einrichtung eines Nationalparks in den Höhen des Nordschwarzwaldes geht es darum, dass sowohl die Natur als auch die Menschen gleichberechtigt partizipieren.

Zurück zur Eingangsfrage: Welche Maßnahmen sind am sinnvollsten und wichtigsten, um für einen Nationalpark möglichst große Akzeptanz und Zustimmung in der Region zu erreichen? 

Setzen Sie das Gesetzgebungsverfahren aus!

Zeigen Sie politische Größe, setzen Sie auf Vernunft, statt auf Ideologie, und stehen Sie zu Ihren Leitbegriffen Ergebnisoffenheit und Bürgerbeteiligung. Sprechen Sie mit allen Beteiligten. Auch mit der CDU. Deren Vorschläge sind – bei ehrlicher Betrachtung – ernst zu nehmen.

Auch wenn Sie es konsequent verdrängen: Rund 80% der Menschen vor Ort lehnen laut Bürgerbefragungen die Einrichtung dieses Nationalparkkonzeptes ab.

Ein „in-vitro“-Nationalpark ist zum Scheitern verurteilt!

Zitat: „Denn der Erfolg hängt maßgeblich von der Akzeptanz der Menschen vor Ort ab“.

Dieser Satz stammt nicht von uns, sondern von Ihnen.

 

Sie haben es in der Hand!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit