gutachten-teil2-3d-blockFehler, Irrtümer und irreführende Darstellungen des von PricewaterhouseCoopers & ö:konzept 2012 erstellten „Gutachten zum potenziellen Nationalpark im Nordschwarzwald“

bearbeitet von Prof. Dr. Wolfgang Tzschupke, Freudenstadt und Forstpräsident i. R. Peter Weidenbach, Bad Liebenzell

Bearbeitungsstand 22. Juli 2013

Kurzfassung:

  1. Die Zielsetzung des Gutachtens macht deutlich, dass der geplante Nationalpark von Beginn an dogmatisch als alternativlos betrachtet wurde und dass es die Gutachter als ihre Aufgabe ansahen, dieses Vorhaben konsequent zu unterstützen. „Ergebnisoffen“ war die Arbeit der Gutachter daher zu keinem Zeitpunkt.
  2. Die IUCN/EUROPARC-Kriterien können mit den möglichen Nationalparkflächen nicht erfüllt werden.
  3. Entgegen der Annahme der Gutachter ist ein Nationalpark Nordschwarzwald kein effektives Instrument zur Sicherung der Biodiversität und der Artenvielfalt.
  4. Die Ausführungen der Gutachter verharmlosen bzw. schönen die zu erwartenden Auswirkungen des geplanten Nationalparks auf die Forstwirtschaft, da sie auf eindeutig zu niedrig veranschlagten Kosten und anderen fehlerhaften Zahlen beruhen; sie stehen überdies im Widerspruch zu wichtigen Teilaussagen der waldbaulichen Machbarkeitsstudie.
  5. Die Auswirkungen auf die Holzwirtschaft und auf die gesamte Wertschöpfungskette vom Forstbetrieb bis zum fertigen Holzprodukt werden durch unvollständige, teilweise falsche und unzulässige Annahmen klein gerechnet. So ist langfristig nach Einrichtung des Nationalparks mit einem um wenigstens 40.000m³ p.a. (und nicht nur um 30.000m³) verringerten örtlichen Rohholzaufkommen zu rechnen, ohne dass aufgezeigt werden konnte, wie diese Reduktion realistisch kompensiert werden könnte. Darüber hinaus muss durch Ausblendung der negativen Effekte jenseits der baden-württembergischen Landesgrenzen die regionalwirtschaftliche Folgerechnung als geschönt bezeichnet werden.
  6. Die Aussagen der Gutachter zu der künftigen touristischen Entwicklung des Nordschwarzwaldes nach Einrichtung eines Nationalparks beruhen einerseits auf spekulativen Szenarien ohne sichere und nachprüfbare wissenschaftliche Grundlagen und andererseits auf einer methodisch fehlerhaften Berechnung der sog. Gesamtbesucherprognosen. Nach Korrektur der Berechnung sinkt die Gesamtbesucherprognose deshalb für das sog. realistische Szenario von 3.052.694 auf 2.040.672 prognostizierte Besucher. Das vorliegende Gutachten geht bei seinen regionalwirtschaftlichen Berechnungen somit von einer um über 1 Mio. zu hohen Besucherzahl aus. (Bei den beiden anderen Szenarien sinken die  Besucherprognosen um 1,08 Mio. bzw. um 950.000 Besucher.) Damit sind alle weiteren aus der Besucherprognose abgeleiteten Zahlen (Umsätze, Arbeitsplätze) falsch.
  7. Die von den Gutachtern erwartete Beschränkung des Borkenkäferbefalls (durch den sog. Buchdrucker) auf kleinere Flächen widerspricht der tatsächlichen Gefahrenlage und den seitherigen Erfahrungen mit dem Buchdrucker. Außerdem enthält das Gutachten deutliche Hinweise darauf, dass durch Überflüge und durch Windverfrachtung auch für weiter entfernt liegende Waldflächen, z.B. die Privatwaldflächen im Raum Besenfeld und im Tal der Schönmünz eine deutlich erhöhte Befallsgefährdung besteht.
  8. Die Ausführungen der Gutachter zum Wildtiermanagement ignorieren die durch Forschungsergebnisse und langjährige praktische Erfahrung nachgewiesenen gravierenden negativen Folgen einer ganz oder teilweise aufgegebenen Wildstandsregulierung für die angestrebte Waldentwicklung. Bei nicht regulierten Reh- und Rotwildbeständen wird deshalb das erklärte Ziel der Förderung von Buchen und Tannen im geplanten Nationalpark nicht erreicht werden können.
  9. Die Gutachter vermeiden es, trotz Kenntnis der Sachlage die Gefährdung der regionalen Auerhuhnpopulation durch den geplanten Nationalpark unmissverständlich zu benennen.
  10. Wie die Gutachter einräumen, sind „die Prinzipien und Zusammenhänge natürlicher Waldentwicklung weitgehend unbekannt.“ (Ziff. 3059); ihre waldbaulichen Prognosen entbehren daher ebenso wie ihre waldbauliche Machbarkeitsstudie jeder belastbaren fachlichen Grundlage. Hoffnungen auf eine größere Biodiversität und Natürlichkeit der sich selbst überlassenen Wälder sind somit unbegründet.
  11. Die Gutachter beschreiben zwar die große Bedeutung geschlossener Waldbestände für den Hochwasserschutz; sie vermeiden es aber deutlich darauf hinzuweisen, dass durch Borkenkäferbefall entnadelte Fichtenbestände zu einem erhöhten Hochwasserrisiko der jeweiligen Unterlieger führen.
  12. Mit dem Versuch, die Bedeutung der Klimaschutzwirkung nachhaltig und naturnah bewirtschafteter Wälder zu relativieren, verkennen die Gutachter die große Bedeutung regionaler, auf nachwachsenden Rohstoffen basierender Kreislaufwirtschaften für den Umweltschutz und insb. für den Klimaschutz.
  13. Die laufenden Personal- und Sachkosten sowie die erforderlichen Investitionen und die Förderung nationalparkorientierter Maßnahmen werden für das Land Baden-Württemberg zukünftig durch Mehraufwendungen und Mindererlöse zu einer jährlichen finanziellen Zusatzbelastung von wenigstens 15 bis 20 Mio.€ führen.

Da die Langfassung mit 13 Seiten zum Online-Lesen zu lang ist, stellen wir diese hier zum Download zur Verfügung.

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