Von Hubert Demmelbauer erreicht uns nachfolgende E-Mail, die wir gerne veröffentlichen wollen. Darin schreibt er unter anderem …

… vor kurzem war Ministerpräsident Kretschmann im Nationalpark Bayerischer Wald. Er traf sich in Sankt Oswald mit dem hiesigen Nationalparkleiter und mehreren Kommunalpolitikern. Dabei soll sich der grüne Regierungschef aus Baden-Württemberg sehr zuversichtlich geäußert haben, „dass er den Nationalpark Nordschwarzwald schon durchbringt….“

Bei uns war der Nationalpark im Wahlkampf kein Thema! Die Leute sind müde geworden, darüber zu sprechen. Man regt sich nicht einmal mehr auf, wenn der Wald brennt! Sie haben sicher von dem Fiasko gehört, das im südöstlichen Teil des Nationalparks durch einen Mini-Waldbrand entstanden ist. Es hat über eine Woche gedauert, bis der Brand gelöscht war. Und dann ist von der Feuerwehr nachtarockt worden, weil die NP-Leitung am liebsten alles brennen lassen wollte, um ein neues Forschungsgebiet zu erhalten.

Momentan machen uns die Borkenkäfer in den zum NP benachbarten Wäldern große Sorgen. Es gibt massive Beschwerden über den zunehmenden Buchdrucker- und Kupferstecherbefall im Inneren Bayerischen Wald, der eigentlich von Natur aus für die Borkenkäfer alles andere als ein optimaler Lebensraum ist. Aber die Massenvermehrung der Borkenkäfer im Nationalpark hat die Überlebenschancen für diese Waldverderber erheblich verbessert. Wir müssen im kommenden Frühjahr mit großen Schäden rechnen – wenn die Borkenkäfer durch die Witterung begünstigt werden …

Herr Demmelbauer fügte seiner E-Mail noch nachfolgenden Artikel bei, den wir Ihnen ebenfalls nicht vorenthalten möchten. Dokumentiert er doch ein ganz anderes Bild als das, was die Nationalparkverwaltung kürzlich veröffentlicht hatte:

Die Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes e. V. zählte kleine Bäumchen und stellte das Ergebnis bei einer Exkursion am 8. September vor.

Wanderweg über Lindbergerschachten zum Distelruck

Wanderweg über Lindbergerschachten zum Distelruck

Hochlageninventur 2012 durch die Nationalparkverwaltung

Sturmwürfe und flächiger Borkenkäferbefall haben den alten Bergwald der Hochlagen zwischen Falkenstein und Rachel drastisch dezimiert. Seit der letzten Waldinventur des Nationalparks im Jahr 2003 ist der typische „Hochwald“ von mehr als tausend Hektar auf ein Drittel seiner ursprünglichen Größe zusammengeschrumpft. Gleichzeitig haben die Kahlschlag- und Totholzflächen um 750 Hektar zugenommen. Auf Drängen der Bürgerbewegung wurde die im Altgebiet des Nationalparks in regelmäßigen Abständen durchgeführte Hochlageninventur im Jahr 2012 auch auf das Falkenstein-Rachel-Gebiet ausgedehnt.
Einige Ergebnisse dieser Inventur sind im Informationsblatt des Nationalparks „UNSER WILDER WALD“ am 3. August 2013 der Öffentlichkeit bekannt gegeben worden: Im Durchschnitt hat die Nationalparkverwaltung auf einem Hektar Hochlagenwald 2.404 junge Bäumchen registriert. 97 Prozent der Inventurpunkte zeigten Verjüngung, nur auf 11 Probeflächen (3,1 Prozent der Aufnahmepunkte) konnte keine Verjüngung gefunden werden. Die Verjüngungsdichte in den Hochlagen des Falkenstein-Rachel-Gebietes hat – nach Angaben der Nationalparkverwaltung – einen Wert erreicht, der in vergleichbaren bewirtschafteten Wäldern als Vorgabe für die Pflanzung dient.

Die Bürgerbewegung hat nun Probeflächen untersucht und Bäumchen gezählt
Die Exkursionsteilnehmer suchen die markierten Stichprobenpunkte der Inventur

Die Exkursionsteilnehmer suchen die markierten Stichprobenpunkte der Inventur

Nach den veröffentlichten Inventurergebnissen der Nationalparkverwaltung wären keine Maßnahmen der Walderhaltung und Walderneuerung erforderlich, um den Hochlagenwald in seiner Substanz zu erhalten und in seiner Funktion zu sichern – wie es der Paragraf 14 der Nationalparkverordnung vorschreibt. Diese optimistische Einschätzung kann die Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes jedoch nicht teilen. Wir haben im vergangenen Monat August an zwei Tagen systematisch dreißig Probekreise im Abstand von 50 Metern aufgenommen und auf ihren Baumnachwuchs untersucht. Die Aufnahmen erfolgten beispielhaft in der Waldabteilung „Hirschgspreng“, die eine Fläche von über 40 Hektar umfasst. Wir mussten feststellen, dass die Verjüngungsdichte sehr niedrig ist. Denn wir konnten im Durchschnitt der Probekreise nur 306 Verjüngungspflanzen je Hektar registrieren. Auf neun Probekreisen (30 %) waren spärliche Ansätze von Verjüngung zu finden. 70 Prozent der Probekreise waren ohne jegliche Verjüngung!

Exkursionsteilnehmer überprüfen die Ergebnisse der Stichprobeninventur

Am Sonntag, den 8. September 2013, organisierte die Bürgerbewegung für Mitglieder und interessierte Waldfreunde eine Exkursion in die Buchenauer Hochlagenwälder. Die Teilnehmer wanderten von Buchenau über den Lindbergschachten durch den urtümlichen Naturwaldbestand in der so genannten „Gruft“ zum „Hirschgspreng“. Sie waren erschüttert über das Ausmaß der jüngst entstandenen Borkenkäferschäden in der „Naturzone“, in der nach einem Gewittersturm im Juli 2011 große Mengen von Sturmwurfholz liegen geblieben sind und den Borkenkäfern zur Brut gedient haben.

Die Exkursionsteilnehmer beim Aufstieg auf "renaturiertem" Weg im Hirschgspreng

Die Exkursionsteilnehmer beim Aufstieg auf „renaturiertem“ Weg im Hirschgspreng

Bei der Ankunft im „Hirschgspreng“ mussten die Exkursionsteilnehmer feststellen, dass die Nationalparkverwaltung nur wenige Tage zuvor den Forstweg beseitigt hatte, über den bei den Aufnahmen im August die Probeflächen noch zugänglich waren. Dieser Weg war nun durch Einsatz eines Baggers „renaturiert“, d. h. zerstört worden. So war die Fortbewegung auf der ehemaligen Wegtrasse ein Stolpern über Stock und Stein, durch Löcher und Gräben – kein Wandern mehr! Dennoch konnte der Vorsitzende der Bürgerbewegung, Hubert Demmelbauer, die Methode der systematischen Probekreisaufnahme an Ort und Stelle erläutern und die Ergebnisse der Stichprobenerhebung im Detail vorstellen. Anschließend gaben sich alle Teilnehmer große Mühe, in dem hohen Graswuchs Verjüngungsansätze in ausreichender Menge zu finden. Leider hatten sie dabei keinen Erfolg!

Maßnahmen der Walderhaltung und Walderneuerung sind zwingend erforderlich!

Die Verjüngungsdichte ist so gering, dass mit den wenigen vorhandenen kleinen Bäumchen der Waldbestand in diesem Bereich der Hochlagen nicht zu sichern ist. Da weit und breit keine Samenbäume mehr stehen, müssen zur Sicherung des Nachwuchses und künftigen Schutzwaldes Pflanzmaßnahmen durchgeführt werden. Hydrologische Analysen belegen nämlich, dass die großflächige Entwaldung durch Sturm und Borkenkäferbefall enorme Auswirkungen auf den Wasserhaushalt hat. Insbesondere der Hochwasserabfluss ist deutlich erhöht. Die Veränderungen im Wasser- und Stoffhaushalt der Landschaft werden nur sehr langsam abklingen, wenn neue Waldbestände nachgewachsen sind. Aber das wird noch Jahre und Jahrzehnte dauern!

Hubert Demmelbauer,  1. Vorsitzender, Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes e. V.