blutiges-herzDa ist er wieder, der Holländer Michel aus dem „Kalten Herz“ von Wilhelm Hauff. Nur dass er heute nicht hoch droben im Wald sitzt, sondern im fernen Stuttgart.

Von dort winkt er mit den Förder-Millionen und dem Versprechen von Verdienst mit neuartigem Tourismus, mit Management im Wald und anderen Verlockungen.

Und er verhöhnt die Menschen, die im Schwarzwald ehrlich ihre Arbeit tun:

  • die Holzhauer, Forstleute und Waldbauern, die seit Jahrhunderten den Wald pflegen und ihn als Refugium für all die vielen schönen und interessanten Tier- und Pflanzenarten hegen, die seit jeher in ihm leben.
  • die Säger, Zimmerleute und Schreiner, die den Rohstoff Holz aufbereiten und aus ihm kunstgerechte Arbeiten fertigen
  • die Bauern und die ehrenamtlichen Naturschützer, die sich seit Jahrzehnten für die Erhaltung der Kulturlandschaft einsetzen und diese mit großem Einsatz pflegen
  • und die Köche und Servicekräfte, die die kulinarischen Köstlichkeiten des Schwarzwaldes auf den Teller zaubern und dem Gast servieren

Prozeßschutz und Management sind die neuen Schlagworte, die sollen die Pflege der Kulturlandschaft und die Erhaltung einer natürlichen Wirtschaftsweise auf großen Flächen ersetzen. Auf daß in anderen Flächen umso intensiver gewirtschaftet werden kann. Wer da nicht mitmacht, ja der ist halt nicht richtig aufgeklärt, versteht nichts von Naturschutz,ist ungebildet oder rückständig – so höhnt der Holländer Michel.

Es winken Fördergelder und Posten im Nationalpark, der Holländer Michel wird für alles sorgen, wenn – ja wenn man ihm nur sein Herz übergibt.

Doch zum Glück haben die meisten Schwarzwälder das Spiel durchschaut. Sie wollen lieber – wie so viele Generationen vor ihnen – mit ehrlicher, oft harter Arbeit ihr Geld verdienen und ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und sie lassen sich nicht locken von Millionen, die für die ersten Jahre in Aussicht gestellt werden und dann womöglich der übernächsten Haushaltsrunde zum Opfer fallen.

Nein, wenn die funktionierenden Wirtschaftskreisläufe aus Wald, Handwerk, Bauerntum und Gastronomie erst einmal zerbrochen sind, wird keiner mehr da sein, der wegfallende Fördergelder ersetzt.

Laßt uns also den Wald und die auf ihm aufbauende Wirtschaft ebenso erhalten wie die Kulturlandschaft und die in ihr lebenden Pflanzen, Tiere und Menschen.

Und laßt uns den modernen Holländer-Micheln in Stuttgart sagen: respektiert den Willen der Schwarzwälder gegen einen Nationalpark, besinnt euch wieder auf einen bewährten Naturschutz im Einklang mit den Menschen vor Ort und schafft nicht weitere Zwietracht im Schwarzwald!

So werden wir Schwarzwälder weiterhin mit heißen Herzen für unseren Wald arbeiten, leben und, wenn nötig, auch „kämpfen“.