Unterschriften von Förstern des Suchraums

Förstern, die mit ihren Revieren an den Suchraum angrenzen

Förstern des Innendienstes aus den Landkreisen Ortenau, Freudenstadt, Rastatt und Calw

Als Experten vor Ort wurden einige Förster in den regionalen Arbeitskreisen eingesetzt, um verschiedene Fragestellungen zum Nationalpark zu diskutieren. In diesen Arbeitskreisen wurde in engen Leitplanken lediglich die Lösbarkeit bestimmter Probleme und Fragen, die mit der Ausweisung eines Nationalparks entstehen, erörtert. Ob ein Nationalpark der optimale Weg ist, um verschiedene angestrebte Ziele zu erreichen (Naturschutz, Artenschutz, Tourismus, etc.) wurde nicht in Frage gestellt. Eine fachliche und ergebnisoffene Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalpark hat zwischen den betroffenen Förstern im Suchraum, den Förstern, die mit Ihren Revieren an den Suchraum angrenzen sowie den Kollegen im Innendienst und den Arbeitgebern in den Landkreisen oder mit ForstBW nicht stattgefunden.

Das Positionspapier stellt verschiedene Probleme und Risiken dar, die nach unserer forstlichen Beurteilung bei der Ausweisung eines Nationalparks zu erwarten sind. Es ist unser Anliegen, dass unsere sachlichen Bedenken von unseren Vorgesetzten zur Kenntnis genommen werden. Dieses Positionspapier wurde von 35 Förstern aus dem Suchraum und direkt angrenzenden Revieren unterschrieben. Die Unterschriften liegen den Landräten vor.

Den Förstern wurde zugesichert, dass ihre Unterschriften nicht veröffentlicht oder weitergegeben werden.

Positionspapier von Förstern aus den Landkreisen Ortenau, Freudenstadt, Rastatt und Calw zum Nationalpark Nordschwarzwald

Die Arbeit der Forstleute hat die Wälder des Nordschwarzwaldes zu dem gemacht, was sie heute sind. Waldbauliches Handeln und eine nachhaltige Nutzung des wertvollen heimischen Rohstoffes waren dabei ebenso wichtig wie die Bewahrung des gesamten Ökosystems Wald mit allen für die Gesellschaft wichtigen Funktionen.

Es ist für uns Forstleute nicht zu verstehen, dass nach dieser erfolgreichen Arbeit in einem künftigen Nationalpark das waldbauliche Handeln ausgesetzt und der Wald einem nicht kalkulierbaren Risiko überlassen werden soll.

Folgende Punkte resultieren aus der fachlichen Beurteilung verschiedener Faktoren, die wir im Zusammenhang mit der angestrebten Ausweisung eines Nationalparks im Nordschwarzwald zu bedenken geben:

Hoher Fichtenanteil

Der Nordschwarzwald entspricht wegen seines hohen Anteils standortfremder Fichten nicht den Kriterien eines Nationalparks und diese lassen sich in einem Zeitraum von 30 Jahren auch nicht entwickeln.

Waldumbau

Der Waldumbau des von Fichten dominierten Waldes zu einem Tannen- Buchen- Mischwald ist in 30 Jahren nicht machbar. Im unbewirtschafteten Fichtenwald wird es einen jahrhundertelangen Katastrophenzyklus geben, von dem auf unabsehbare Zeit die Fichte profitieren wird.

Wer eine nationale Verantwortung für die Charakterbaumart des Schwarzwaldes, die Tanne, übernehmen will, kann sich nicht auf Prozessschutz im von Fichten dominierten Nordschwarzwald einlassen.

Borkenkäferentwicklung, Borkenkäfermanagement

Eine zu erwartende Massenvermehrung von Borkenkäfern in den Kernzonen wird zu einem großflächigen Absterben der Fichten führen. Auf diesen Flächen werden sich überwiegend wieder Fichten verjüngen und zu dichten Fichtenwäldern heranwachsen. Damit wird ein wichtiges Ziel eines Nationalparks, nämlich die Förderung der Artenvielfalt, verfehlt.
Eine Ausbreitung des Borkenkäfers über die Grenzen des Nationalparks und die vorgesehenen Randzonen hinaus ist aus unserer Sicht nicht auszuschließen.

Naturschutz, Prozessschutz und Artenschutz

Alt- und Totholzflächen sowie Bann- und Schonwälder dienen vorrangig dem Naturschutz. Die Integration von unberührten Waldflächen in den bewirtschafteten Wald wird mit dem „Alt- und Totholzkonzept“ sowie mit einem Netz von Bannwäldern bis im Jahr 2020 in Baden Württemberg 7% der Staatswaldfläche bzw. 24.000 ha
umfassen.
Die Artenvielfalt profitiert von der Verbindung eines nachhaltig genutzten Waldes mit integrierten Habitatbaumgruppen, Waldrefugien und Bannwäldern mehr als von großflächigem Prozessschutz im vorgesehenen, wenig geeigneten Gebiet.

Jagd

Die Jagd ist unverzichtbar für den Waldumbau zum Bergmischwald. Durch eine Flächenstilllegung wird die Jagd extrem erschwert.
Eine Umbenennung in „Wildtiermanagement“ wird nichts an der Notwendigkeit einer intensiven Bejagung ändern.

Erholung

Die hervorragende Erschließung mit markierten Wanderwegen und die attraktiven Wald- und Landschaftsbilder sind Markenzeichen der Erholungslandschaft Schwarzwald. Großflächig abgestorbene Fichtenwälder werden die Erholungsfunktion beeinträchtigen. Wegegebote und Wegerückbauten in den Kernzonen eines Nationalparks werden das bisherige freie Betretensrecht des Waldes aufheben.

Unser Anliegen

Wir Förster sehen das forstliche Wirken im Wald, das für uns Beruf und Berufung ist, als einen positiven Beitrag für die ganze Gesellschaft. Wir sehen uns in der Verantwortung, durch eine nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft ökologische, ökonomische und soziale Werte des Waldes für die nachfolgenden Generationen auf ganzer Fläche zu erhalten. Wir stehen hinter dem integrativen Ansatz der Erfüllung aller Waldfunktionen
– Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion – auf einer Fläche.

Wir erwarten von der Führungsebene der Landkreise, unsere fachliche Beurteilung zur Kenntnis zu nehmen und diese erkennbar in der öffentlichen Diskussion zu positionieren.

Wir haben dank einer nachhaltigen, naturnahen Waldwirtschaft hochwertige, artenreiche Wälder.

Wir wollen diese einzigartige Kulturlandschaft in ihrer Eigenart, Vielfalt und Schönheit für die nächsten Generationen erhalten und pflegen.

Wir können den Nordschwarzwald mit und durch unser Wirken weiterentwickeln und gleichzeitig beschützen und bewahren.